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DLG-Unternehmertage 2001: Qualitätssichernde Produktion umsetzen - im Kartoffelbau
Friedrich von Schönberg, Verwaltung Freiherr von Boeselager, Swisttal-Heimerzheim (Nordrhein-Westfalen)
Wenn in Zukunft 20 Prozent der Verbraucher ökologisch ernährt werden wollen oder sollen, dann verbleiben immer noch 80 Prozent, die konventionell einkaufen. Der größte Teil von diesen konventionell einkaufenden Verbrauchern erwartet allerdings eine personifizierte Herkunft, eine gläserne Produktion und kontrollierte Angaben. Deshalb halte ich unseren Weg für notwendig und richtig, den wir mit dem lückenlosen Nachweis bei der Produktion im Kartoffelbau beschreiten.
Unser Betrieb verfügt über langjährige, lückenlose Bodenuntersuchungen. Im Schnitt werden die Flächen in 4-jährigem Turnus überprüft. Selbstverständlich kommen wir der gesetzlich geforderten Erstellung einer Düngebilanz nach. Seit vielen Jahren ist eine EDV-gestützte Ackerschlagkartei im Einsatz, die 1996 um das Pflanzenberatungssystem ProPlant ergänzt wurde. Letzteres ist nunmehr im dritten Jahr auch im Kartoffelanbau eingesetzt. In der Kartoffelhalle ist von Beginn an ein PC installiert, der alle variablen Daten, wie zum Beispiel Lagertemperatur, Lüftungsdauer, Temperaturdifferenzen usw. speichert und je nach Bedarf auch ausdruckt. Schließlich verfügen wir über eine Brückenwaage, mit der alle Ein- und Ausgänge verwogen und mit einem Wiegeschein versehen werden. Diese Dokumentationsmittel werden für alle Betriebszweige genutzt. Ihr ursprünglicher Investitionszweck war allerdings nicht die Dokumentation des Handelns nach außen, vielmehr sollte der Einsatz der Betriebsmittel optimiert und damit der wirtschaftliche Erfolg gesteigert werden. Aus meiner Sicht ist dieses Ziel erreicht worden.
Kosten und Nutzen
Die Kosten der Hilfsmittel können ohne großen Aufwand ermittelt werden. Der Nutzen liegt im innerbetrieblichen Bereich und ist selbst dort, beispielsweise im Fall der Brückenwaage, nur schwer in Mark und Pfennig auszuweisen. Eine Erhöhung des Marktpreises war und ist aus heutiger Sicht kaum zu erwarten. Einzig der Absatz läuft sehr viel sicherer, vorausgesetzt, die eigentliche Produktqualität, zum Beispiel Unterwassergewicht, Backfarbe etc., ist gut.
Hohe Anforderungen der Kartoffelwirtschaft
Seit 1999 sind wir aufgefordert, einen schriftlichen Produktionsnachweis zu erbringen. Gefragt wird im wesentlichen nach der Düngung, inklusive der Bodenuntersuchung, dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den Erntedaten. Bislang reichte dafür eine ordentlich geführte Ackerschlagkartei aus. Mit Beginn der Saison 2001 hat sich die Situation dahingehend geändert, dass nunmehr der Prüfbericht der Pflanzenschutzspritze beigefügt werden soll, und die Kartoffellagerung steht zur Zertifizierung an. Die Kosten für die Zertifizierung übernimmt vorläufig der Erfasser. Hintergründe für diese Maßnahme sind unter anderem enorm gestiegene Probleme mit sogenannten Langzeitlägern, in denen die Ware bis Mai/Juni gelagert wird. Wenn beispielsweise die Isolierung zu schlecht und die Lüftung zu gering ist, dann kann es zu Qualitätsproblemen oder schlicht Fäulniss im Lager kommen. Das ist dann nicht nur für den Erzeuger ein finanzielles Problem, sondern dem Handel fehlt ordnungsgemäße Vertragsware. Damit kommen auch auf ihn erhebliche Probleme zu, weshalb er sich entschlossen hat, zumindest vorläufig die Kosten zu übernehmen. Ein weiterer, sehr wesentlicher Grund liegt im Druck, den die Verarbeiter und der Einzelhandel ausüben. Nach all den Lebensmittelskandalen soll bestmöglich sichergestellt werden, dass die Verarbeitungsware frei von chemischen Rückständen bzw. Fremdstoffen ist. Die Erfüllung dieser Forderung ist Bestandteil der Vertrags-ware. Es wird aber in Zukunft so sein, dass auch sogenannte freie Ware nicht ohne genannte Nachweise über den Handel absetzbar ist.
Noch mehr dokumentieren!
Um ein Höchstmaß an Produktsicherheit und Produktqualität zu erreichen, ist eine möglichst lückenlose Erfassung aller Daten im Kartoffelbau, vom Pflanzgut bis zur Vermarktung, zu gewährleisten. So werden wir ein modifiziertes Blatt in unserer Ackerschlagkartei einsetzen, auf dem zusätzlich Daten zum Pflanzgut aufgeführt werden. Wir verwenden bisher nur zertifiziertes Pflanzgut, zum weitaus größten Teil aus Holland, weil dort die Überprüfung bisher sehr viel besser ist. Die Besonderheit bei der Kartoffel liegt darin, dass die Gefahr der Verbreitung der bakteriellen Ring- bzw. Schleimfäule besteht. Da diese Krankheit, die für den Menschen völlig ungefährlich ist, sich aber sowohl im Bestand als auch im Lager verbreiten kann und zudem sehr lange lebensfähig ist, gilt sie als extrem gefährlich. Eine Bekämpfung ist nicht möglich, weshalb der Anbau für Jahre einzustellen wäre. Bei Ausbruch könnte es zur Sperrung ganzer Regionen für den Kartoffelanbau kommen. Deshalb ist es zu unserer eigenen Sicherheit, aber auch als Beleg für den Handel sehr wesentlich, die Pflanzgutherkunft zu dokumentieren. Zur besseren Dokumentation des Pflanzenschutzes werden wir eine Darstellung der Spritzfolge beifügen. Auch können wir Diagramme über die Produkttemperatur bzw. Lagertemperatur erstellen. Da wir die Lagerhalle in Raster, ähnlich einer Landkarte mit Zahlen quer und Buchstaben längs, eingeteilt haben, können wir die Lagerware den entsprechenden Flächen zuweisen. Wenn als letztes auf dem Lieferschein vermerkt wird, aus welchem Bereich des Faches der Halle der geladene Zug stammt, dann ist aus meiner Sicht das Ziel der Rückverfolgbarkeit weitestgehend erreicht. Standard sind selbstverständlich die Daten von Düngung, Pflanzenschutz, Bodenuntersuchung incl. N-min und Düngebilanz aus der Ackerschlagkartei.
Nicht auf den Skandal warten!
Die aufnehmende Hand ist der Politik bezüglich der Aufzeichnungspflicht zuvorgekommen. Bei dieser Gelegenheit sei mir die Bemerkung erlaubt, dass mir der gegenwärtige Aktionismus, zumindestens in Teilen, als reichlich übertrieben und eher medienwirksam erscheint, als dass er die Produktsicherheit voran bringt. Bezüglich der Kartoffel ist der momentane Standard sehr viel höher angesetzt, als von der Politik gefordert. Die Motivation unseres Handelns lässt sich an dieser Stelle ebenfalls leicht einflechten. Dazu möchte ich ein altes Sprichwort der Feuerversicherer verwenden: "Ein Haus lässt sich nicht mehr versichern, wenn der Dachstuhl schon brennt." Damit will ich deutlich machen, dass es allemal besser ist, unsere Dokumentation bestmöglich zu nutzen, als auf den ersten Kartoffelskandal zu warten, um dann erst zu handeln. Wir werden weiterhin auf die bewährten Daten der Schlagkartei zurückgreifen, als da insbesondere wären die Daten zu Saat und Ernte, Düngung inklusive Düngebilanz und Pflanzenschutz. Diese Daten werden in Zukunft ergänzt durch die Analyse der Spritzfolge durch ProPlant. So kann man anhand der eingesetzten Mittel und der Wetterdaten Rückschlüsse auf deren Wirksamkeit ziehen. Hinzu kommen die exakten Daten der Lagerhaltung.
Betriebszertifizierung erhält neue Bedeutung
Die Kartoffelwirtschaft erwartet schon heute eine Produktionsdokumentation, an die zukünftig sicherlich noch höhere Anforderungen gestellt werden. Die Zertifizierung der Lagerung ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Die Qualität der Produktion wird neben der eigentlichen Produktqualität immer wichtiger, auch wenn letztere für die Vermarktung entscheidend bleibt. Vieles wird auch abhängen von der Glaubwürdigkeit der Dokumentation. In diesem Zusammenhang erhält die Zertifizierung des Betriebes, die vor Jahren schon einmal angestrebt war, eine neue Bedeutung. Bislang waren die dafür nötigen Investitionen allerdings nicht zu rechtfertigen. Vielleicht schafft der Vorstoß des Bauernverbandes zur Gründung einer Union der Kartoffelwirtschaft (UNIKA) hier neue Perspektiven. Möglich erscheint aber auch, zumindest für den Bereich Kartoffeln, mit dem Erfasser einen finanziell gangbaren Weg in Richtung Zertifizierung zu finden. Bis dahin werden wir jedenfalls versuchen, über unsere Dokumentation mit unserem Namen zu werben.
Zum Betrieb:
Friedrich von Schönberg stammt aus Ostwestfalen-Lippe. Seit nunmehr 13 Jahren leitet er den 570 ha umfassenden Ackerbaubetrieb von Antonius Freiherr von Boeselager in Swisttal-Heimerzheim (Nordrhein-Westfalen). Betriebsschwerpunkte sind die Zuckerrüben- und Getreideproduktion. Der Betrieb liegt zwischen Köln und Bonn. 1996 kam als weiteres Standbein die Erzeugung von Kartoffeln auf ca. 80 ha Betriebsfläche hinzu, zwei Drittel sind Industrieware für die Pommes Frites-Herstellung und ein Drittel wird als Speiseware vermarktet. Nach dem Einstiegsjahr ist zur Ernte 1997 eine komplett neue Lagerhalle - inklusive der dazugehörigen Technik - erstellt worden.
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