DLG-Wintertagung 2009
Aktuelle Termine:



Unternehmertag Schweiz
21. Nov 2008, Strickhof, CH


Unternehmertag Österreich
25. Nov 2008, Waidhofen/Ybbs, A


DLG- Kolloquium
3. Dez. 2008, Berlin


[alle Termine]


[Veranstaltungen DLG-Akademie]




Testergebnisse:



Land- und Kommunaltechnik

Biogasanlagen

Landwirtschaftliche Betriebsmittel:
- Futtermittel
- Siliermittel
- Hygiene
- Düngekalk

"Urlaub auf dem Bauernhof"

Lebensmittel




Fachausstellungen:



AGRITECHNICA

EuroTier

DLG-Feldtage

PotatoEurope

Opolagra (Polen)

AgroFarm (Russland)

AgroTech Russia (Russland)




E-Mail Newsletter:



Landtechnik-Tests

Für DLG-Mitglieder





2001



   in www.DLG.org - Sitemap

Fachbücher beim DLG-Verlag!

au site Web français to the English site
to the Polish site al Web site italiano
to the Russian site to the Swiss area


Acrobat Reader
















> Home> Landwirtschaft> Veranstaltungen> Unternehmertage> Archiv> 2001> Diese Seite

DLG-Unternehmertage 2001

Qualitätssichernde Produktion umsetzen
- in der Schweinehaltung

Christoph Foth, Betriebsleiter Gut Ballin, Ballin (Mecklenburg-Vorpommern)

Die Skandale und Krisen auf dem Nahrungsmittelsektor der vergangenen Monate haben eine Sensibilisierung jedwelcher Art bewirkt, und sie sollten Anlass dazu geben, in der landwirtschaftlichen Urproduktion und Veredelungsproduktion das umzusetzen, was eigentlich schon lange in Genehmigungen, Auflagen und Bedingungen zum Halten von Tieren nicht zum Selbstzweck seit Jahren geschrieben und gefordert wird. Es stimmt auch nachdenklich, wenn in Deutschland die Produktionskosten für Schweinefleisch im Vergleich zum EU-Durchschnitt bei 140 Prozent liegen und der deutsche Verbraucher nur rund 75 Prozent gegenüber dem EU-Durchschnitt für selbiges bezahlt.

Qualität lässt sich auch in Krisenzeiten vermarkten

Mit der ursprünglichen Jungsauenproduktion begannen wir ein Qualitätsmanagementsystem aufzubauen, das uns heute in der verschärften Diskussion um Sicherheit, Transparenz und Qualität immer wieder bestätigt, „das richtige Rad“ bewegt zu haben. Mecklenburg-Vorpommern hatte durch wiederholte Pestzüge nicht den besten Ruf als "Schweineexportland". Trotz Handelsrestriktionen, aber durch konsequente Einhaltung der Schweinehaltungshygieneverordnung mit Abarbeiten amtlicher Checklisten und darüber hinaus durch innerbetriebliche Auflagen und Kontrollmechanismen sowie einer lückenlosen Dokumentation konnten unsere Betriebe immer wieder rasch "ans Netz" gehen. Dass Qualität sich auch in Krisenzeiten vermarkten ließ, spürte und motivierte das gesamte Team im Unternehmen, auch wenn nach dem Crash in Losten, der Ost-Asien-Krise und der Finanznot Russlands dieses nicht mehr honoriert wurde. Die Forderung unserer Kundenbetriebe - "Wir wollen die Balliner oder Bornhofer Jungsau oder ansonsten keine" - war für uns Vertrauensbeweis von unschätzbarem Wert!

Die Qualitätssicherungsmaßnahmen im Betrieb

All die präventiven Maßnahmen, die uns in schwierigen Zeiten im Verkauf von Jungsauen geholfen haben, sind auch jetzt fester Bestandteil einer zertifizierten und durchorganisierten Mastschweineproduktion. Mit der ISO 9001 Zertifizierung der
Saatgutbranche 1998 wurde gleichzeitig der gesamte Betrieb durch ifta Berlin für das damalige NFZ-Ausleseprogramm (heute Landklasse) zertifiziert. Die Prüf- und Teilnahmebedingungen für den landwirtschaftlichen Betrieb, Schlachtschweine gemäß dem Programm Landklasse zu liefern, sind vom Ursprung der Produktion an festgelegt: über die definierte Genetik, in der alle verwendeten Rassen und Anpaarungen bekannt und registriert sind. Dokumentiert wird dies durch Aufzeichnungen des Personals und den Pic-Datendienst.

Die tiergerechte Haltung, wo über Luft und Haltungsqualität befunden wird, ohne dabei den Seuchenschutz zu vernachlässigen. Vierteljährliche Kontrollen durch den zuständigen Amtstierarzt sowie Bestandslisten und Produktionsübersichten sind Kontrolle und Nachweis. Tiergesundheit, Hygienemanagement und Medikamenteneinsatz sind sehr sensible Bereiche; der Wochenbericht des bestandsbetreuenden Tierarztes nach umfangreicher Visite umfasst dabei den allgemeinen Gesundheitsstatus, den Behandlungsgrad sowie das Verlustgeschehen der Herde. Diese Berichte sind Grundlage der amtstierärztlichen Überprüfung sowie auch für die Zertifizierungsinstitution, die gleichzeitig nicht nur alle vorab genannten, sondern auch alle nachfolgenden Bereiche kontrolliert.

Futtermittelhersteller haben den Unbedenklichkeitsnachweis ihrer verwendeten Komponenten hinsichtlich des Futtermittelrechts sowie den Ausschluss obligater Leistungsförderer zu garantieren. Futterlisten mit Chargennummern und Rückstellmuster dokumentieren jede Lieferung, sporadische Futtermitteluntersuchungen durch unabhängige Institute gewährleisten die Kontrolle.

Der Transport, der schonend und möglichst kurz zum Schlachthof sein soll, wird durch das Transportbuch des betriebseigenen Fahrers gewährleistet. In ihm werden Verluste während des Transports oder verkehrstechnische Verzögerungen vermerkt.

Die Schlachtkörperqualität ist wie folgt festgelegt: Tiere mit einem Schlachtgewicht zwischen 82 kg und 97,9 kg und einem Magerfleischanteil von min. 55 Prozent und max. 60 Prozent sowie einem pH-Wert > 6 sind Landklasse tauglich, wenn sie nicht durch ein wesentliches Selektionskriterium davon ausgeschlossen sind.

Einzeltiere oder ganze Gruppen mit medikamentöser Behandlung oberhalb 40 kg LG sind dauerhaft zu kennzeichnen (Kerbe im Ohr und zusätzlicher Vermerk auf Gruppen- oder Stallkarte). Sie sind zur Lieferung mit besonderem Schlagstempel abschließend zu kennzeichnen, um sie sicher aus der Kette zu nehmen. Im übrigen gelten aber auch hier alle Bedingungen, wie Wartezeit und Schlachttauglichkeit.

Es kommt auch auf die Kommunikationsstrategie an
Als wichtigen Aspekt unserer Qualitätsproduktion und ihrer Vermarktung erachte ich die Kommunikation zum Verbraucher. Durch das Programm Landklasse wird der Konsument direkt über den Thekenbetreiber angesprochen. Neben dem Landwirt, dem Schlachthof und dem Thekenbetreiber sind auch alle vor- und nachgelagerten Bereiche mitvertreten, sich zu offenbaren (outen). Gemeinsam mit der Supermarktkette "Sky" wird dem Verbraucher eine "gläserne Produktion" dargestellt, die mit dem Label "Landklasse" für Premiumprodukte aus Mecklenburg-Vorpommern wirbt, und mit einem Internetanschluss ohne jegliches Passwort kann der Verbraucher alle Produktionsabschnitte nachvollziehen.

Landklasse wirbt bewusst mit der Darstellung der heute üblichen, modernen, fachlichen Praxis und zeigt entsprechend die Produktion von "Fleisch" in Mittel- und Großbetrieben. Sie werben mit Chargengröße für konstante Qualität, einfache Kontrollierbarkeit und damit Sicherheit, aus heimischer Herkunft, dem Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern.

Die Produktion von Fleisch wird nicht aus verklärter oder nostalgischer Perspektive vergangener Jahrzehnte dargestellt. Der Konsument soll mit den Begriffen Präzision, Perfektion, Einheitlichkeit, Glaubwürdigkeit, Gewährleistung, Hygiene, Frische, Beständigkeit, Disziplin und Regionalität dieselben Werte für die Lebensmittelproduktion vermittelt bekommen, wie sie für ihn beim Kauf von anderen Produkten oder Dienstleistungen selbstverständlich sind.

Rechnet sich der Aufwand?

Aller Anfang ist schwer. Die Gewissheit auf dem richtigen Weg zu sein verschafft zwar die Zuversicht, aber nicht die überschwengliche Sympathie des Kunden und Verbrauchers und damit des Absatzes. Er hat die Möglichkeit innerhalb einer ganzen Palette von Markenfleischprogrammen und Öko- oder Bioprogrammen, die alle denselben Terminus versprechen, zu wählen. Heute sind nach gut einem Jahr Anlaufphase und einem konkreten weiteren Jahr Praxis ca. 12 bis 15 Prozent der Tiere über die Programme vermarktungsfähig. Beharrlichkeit und Ausdauer sind gemeinsam mit Aufklärung und Schulung notwendig, verlorenes Image und Terrain zurückzuerobern! Stehen auf der Erlösseite 5,- DM je Schwein, so belaufen sich die Ausgaben pro Jahr auf ca. 4.500,- DM für Untersuchungen und Kontrollen. Bei einer Vermarktungsgröße von ca. 4000 Qualitätsschweinen beläuft sich der Zugewinn auf ca. 15.000,- DM.

Gemessen an der Gesamtproduktion unseres Betriebes, wovon ca. 70 Prozent der erzeugten Tiere markenfleischtauglich wären, ist der relativ niedrige Zugewinn von ca. 15.000,- DM tatsächlich nur als Obolus, als Starthilfe seitens der nachgelagerten Schlachthöfe und Vermarktung zu sehen, um uns zu einer kontrollierten, transparenten Qualitätsproduktion auf der Rohwarenschiene zu bewegen. Ein höherer Absatz als max. 20 Prozent zu Markenfleischkonditionen an den Endverbraucher wird nicht möglich sein. Aber die Kriterien werden Standard für die Bezahlung der Gesamtproduktion und damit wird die "unkontrollierte" Ware noch billiger.

Hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter erforderlich

Der Vorteil einer gläsernen Produktion besteht aber nicht nur in primär finanziellen Anreizen. Durch die Durchleuchtung des gesamten Unternehmens, durch Arbeits-platzbeschreibungen, durch Prozessabläufe werden automatisch Lücken im System gefunden und beseitigt. Der im Betrieb bereits hohe und effiziente Stand der Dokumentation wurde lediglich auf die "gläserne Produktion" modifiziert. Ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit aller Mitarbeiter wird durch erklärende Unterschrift ihres Arbeitsbereiches (zum Beispiel für Schadnagerbekämpfung) und finanzielle Anreize optimiert. Schnelle Information und übersichtliche Dokumentation sind nicht nur Hilfsmittel zur Rechtfertigung, sondern decken Ungereimtheiten auf (zum Beispiel Anstieg Behandlungsrate), signalisieren Tendenzen oder Schwächen und schaffen vor allem Arbeitserleichterungen. Die wichtigste Herausforderung eines Qualitäts-Management-Systems ist die Integration der Mitarbeiter und die Beteiligung des verantwortlichen Bereichsleiters an den Vorteilen, wie zum Beispiel Arbeitserleichterungen, mehr Übersicht über den Bereich.

Zum Betrieb:

Mit der käuflichen Übernahme der Domäne Ballin (ca. 1.000 ha LF) 1992 durch das Haus Kronseder sowie die Erweiterung um die Standorte Bornhof 1994 und 1998 Klein Dratow sind in Mecklenburg-Vorpommern Produktionsvoraussetzungen für 1.600 produktive Sauen und insgesamt 9.300 Aufzuchts- oder Mastplätze entstanden!

Mein Zuständigkeitsbereich sind alle mit der Schweineproduktion in Verbindung stehenden betrieblichen und überbetrieblichen Belange sowie die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen in Ballin, einschließlich Güllemanagement.

Der gesamte Schweinebereich wird als sogenannter Closed-herd-Betrieb mit eigener Remontierung, PIC-Genetik und straffem, international wettbewerbsfähigem Management bewirtschaftet.

Zusammen sind 14 feste Mitarbeiter und 3 Azubis in der Schweineproduktion tätig.
Die innere und äußere Logistik wird mit eigenem LKW abgesichert, was zur unbedingten Gesundheitsvorsorge beiträgt.

zurück


 

 
Druckversion  Druckversion       Seite empfehlen  Diese Seite empfehlen
 
 zurück zum Seitenanfang
 zur Homepage 
© 2008-DLG Impressum - Sitemap