DLG-Unternehmertage 2001
Qualitätssichernde Produktion umsetzen - in der Milchviehhaltung (ökologische Produktion)
Dr. Aribert Bach, Landwirt, Kaltensundheim (Rhön/Thüringen)
Qualitätssicherung über geeignete und anerkannte Qualitätsmanagement-Systeme ist ein Erfordernis der heutigen und zukünftigen Zeit, wenn man am Markt bestehen will. Qualitätssicherung ist wichtig sowohl für den Verbraucherschutz als auch für betriebsinterne Zwecke.
Unser Agrarunternehmen hat in der Zeit von 1996 bis 1998 ein integriertes Qualitäts- und Umweltmanagementsystem gemäß den internationalen Normen DIN EN ISO 9.002 und 14.001 eingeführt und umgesetzt. Dieses System ist auf unseren Betrieb zugeschnitten und dort, wo es sinnvoll und notwendig ist, mit dem zur gleichen Zeit eingeführten Qualitäts- und Umweltmanagementsystem des Verarbeiters unserer Biomilch, der Rhöngold Molkerei Fricke, vernetzt. Dieses doppelt integrierte System sichert durchgängig die hohe Qualität der Biomilch und deren Verarbeitungsprodukte von der Kuhhaltung (einschließlich der Aufzucht), der Milchgewinnung über die Verarbeitung bis zur Auslieferung in höchstmöglicher Qualität unter Einhaltung hoher Umweltstandards.
Nachhaltige Existenzsicherung
Die Schlüsselfrage für unser Unternehmen besteht in der Vermarktung der Bio-Milch über die Molkerei an den Lebensmitteleinzelhandel zu einem angemessenen Preis. Hieraus resultiert eine höchste Sensibilität für die Produktqualität und deren Sicherheit. Skandale kann sich niemand leisten und schon gar nicht im ökologischen Landbau in der gesamten Kette bis zum Endprodukt für den Kunden. Unser Landwirtschaftsbetrieb und die Molkerei waren und sind sich dieser Sensibilität bewusst und dies heute mehr denn je! Deshalb tragen Qualitätssicherung einschließlich des erforderlichen Managementsystems wesentlich zur nachhaltigen Existenzsicherung beider Unternehmen bei.
Nutzen
Durch die Einführung des Qualitäts- und Umweltmanagementsystems haben wir generell ein höheres Niveau bei der Qualitätssicherheit erreicht, wir haben die Qualität besser im Griff. Wir liegen seit 1994 stabil 100 Prozent in der Qualitätsklasse "S". Dies liegt auch an einer hohen Mitarbeitermotivation und regelmäßigen Mitarbeiterschulungen. Auch trägt das System zur Sicherung der Öko-Qualität bei. Vorteile liegen zudem in der Möglichkeit, ständig Vorbeuge- und Korrekturmaßnahmen vornehmen zu können. Darüber hinaus gelingt uns eine überzeugende externe Darstellung und ein Nachweis gemeinsam mit der Molkerei. Schließlich kann ein positiver Beitrag zum Betriebsergebnis verzeichnet werden.
Probleme
Allerdings bestehen auch Probleme, die vorrangig in der umfangreichen und komplizierten Methodik der DIN EN ISO begründet sind. Zu nennen sind der hohe Aufwand für die Ersterarbeitung und die Zertifizierung. Auch die Folgezertifizierung ist zu teuer. Insgesamt kann festgestellt werden, dass der hohe Aufwand zur Zeit nicht über die zu realisierenden Erzeugerpreise kompensiert werden kann.
Fazit und Zukunft
Die Einführung, Weiterführung, Dokumentation, Zertifizierung des Qualitätsmanagementsystems war richtig und nutzbringend. Es sind aber Vereinfachungen und eine Konzentration auf das Wesentliche notwendig. Hierdurch werden bessere Relationen von Aufwand und Ergebnis sowie eine breite Einführung in landwirtschaftliche Betriebe möglich.
Zum Betrieb:
Die Rhön, eine Mittelgebirgsregion in Deutschland, die im Jahr 1991 durch die UNESCO zu einem Biosphärenreservat erklärt und anerkannt wurde, entwickelt sich nun schon zehn Jahre zu einer Modellregion, in der nachhaltig der Einklang zwischen Mensch und Natur, zwischen Ökonomie und Ökologie entwickelt werden kann.
Die Landschaftspflege-Agrarhöfe Kaltensundheim mit 53 Mitarbeitern bewirtschaften 2649 Hektar LF in der reizvollen Kulturlandschaft Rhön. Dies bedeutet für den Landwirt Existenzsicherung auf einem Grenzertragsstandort (Höhenlage 500 bis 800 m NN, Jahresdurchschnittstemperatur 6,1 ° C, durchschnittliche Jahres-Niederschläge 800 mm, landwirtschaftliche Vergleichszahl 18,2 und damit stark von der Natur benachteiligtes Gebiet mit einem Grünlandanteil von ca. 60 Prozent).
Die Hauptproduktionsrichtung liegt in der Futtererzeugung für ca. 930 Milchkühe mit eigener Nachzucht (insgesamt 2260 Rinder, seit 1990 Umzüchtung von SMR, der früheren DDR-Rasse, auf HF ). Die Milchquote beträgt 5,7 Mio. kg.
Weiterhin werden ca. 800 Mutterschafe mit Nachzucht (insgesamt 1150 Schafe, darunter 50 Prozent der Rasse Rhönschaf), insbesondere zur Pflege der wertvollen Kalkmagerrasen, gehalten.
Seit 1992 werden in einem separaten Landwirtschaftsbetrieb auf weiteren 384 ha Grünland 184 Mutterkühe mit eigener Nachzucht (Deutsches Fleckvieh) gehalten. Damit stehen lediglich 0,67 Vieheinheiten je Hektar LF für eine tiergebundene, extensive Grünlandnutzung und Pflege der Kulturlandschaft zur Verfügung. Dies ist eine Mindestgröße für die Sicherung der Stoffkreisläufe nicht nur im ökologischen Landbau.
Die Agrarhöfe Kaltensundheim wirtschaften seit 1991 nach den Richtlinien des Ökolandbaues (der Mutterkuhbetrieb seit Gründung). Wir sind Mitglied des in der AGÖL anerkannten Anbauverbandes Gäa.
Die Einhaltung der Richtlinien (EU-Verordnungen Nr. 2092/91 und Nr. 1804/99 sowie Verbandsrichtlinien ) überwacht und zertifiziert die unabhängige staatlich zugelassene Kontrollstelle BCS Nürnberg, die auch die Biomolkerei Rhöngold in Kaltensundheim kontrolliert. Zusätzlich wird durch den Anbauverband Gäa die Konformität zu den Verbandsrichtlinien überwacht und zertifiziert. Die erforderliche Umstellungszeit sowie das jährliche Kontrollverfahren wurden und werden erfolgreich gemeistert.
Die Ergebnisse und Erfahrungen aus nunmehr zehn Jahren ökologischem Landbau in den Agrarhöfen Kaltensundheim zeigen, dass das Wirtschaften in weitgehend geschlossenen Stoffkreisläufen bei
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger,
Gestaltung gesunder, leguminosenreicher Fruchtfolgen,
- einem umweltverträglichen Viehbesatz je Flächeneinheit,
- vorrangiger Futterversorgung der Tiere aus ökologischer Eigenerzeugung und Einhaltung der strengen Fütterungsverbote,
- großzügigem Weidegang für alle Rinder und Schafe in der Vegetationszeit,
- hohem Tierkomfort in der Stallhaltungszeit (zum <Beispiel für Milchkühe Boxen-Laufstall mit mehr als 6 qm Flächenangebot je Tier, Kuhmatratzen mit Einstreu, Curtains-System mit sehr guter Lüftung u.a.m.),
- strengster Auswahl der Lieferanten,
- langjähriger und kontrollfähiger Zusammenarbeit mit einem Vertragstierarzt
u.v.a.m. eine anerkannte, gläserne ökologische Produktion gewährleistet hat.
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