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Fit machen für 2013

Gelungene Premiere für 1. DLG-Unternehmertag in Österreich - Mit welchen Strategien im Wettbewerb bestehen? - Motivationsschub zu erwarten

1. DLG-Unternehmertag ÖsterreichEine gelungene Premiere verzeichnete der erste Unternehmertag in Österreich, den die DLG gemeinsam mit den österreichischen Maschinenringen am 28. Februar in Waidhofen/Ybbs veranstaltete. „Fit machen für die neuen strategischen Ausrichtungen nach 2013“ und der Erfahrungsaustausch unter Praktikern standen im Mittelpunkt der von über 160 Teilnehmern gut besuchten Tagung. DLG und Maschinenringe zeigten sich vor allem erfreut über die gelungene Zusammensetzung der Teilnehmer, denn unter ihnen waren viele Betriebsleiter größerer wie auch kleinerer, aber innovativer landwirtschaftlicher Unternehmen. Auffallend waren auch beim 1. DLG-Unternehmertag in Österreich die zahlreich vertretenen jungen Praktiker.

„Wir wollen den Landwirten damit eine Veranstaltungsreihe bieten, in denen sie Strategien für die Zukunft ihrer Betriebe entwickeln können. Ziel ist, dass unsere Bauern auch nach der anstehenden europäischen Agrarreform 2013 optimal wirtschaften können“, bezeichnete der Bundesobmann der österreichischen Maschinenringe, Hermann Gahr, als die Grundidee für den Unternehmertag. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer betonte in seiner Eröffnungsrede den grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch als einen wertvollen Schrittmacher für den Fortschritt in der Landwirtschaft. Gerade in Zeiten turbulenter Agrarmarktveränderungen sieht er besondere Chancen darin, mit einer solchen grenzübergreifenden Zusammenarbeit im internationalen Wettbewerb besser bestehen zu können. Daher begrüßte er die gemeinsame Initiative zwischen der DLG und den österreichischen Maschinenringen und sieht darin eine große Chance, um das unternehmerischen Denken und Handeln in der breiten Landwirtschaft zu stärken.

Unternehmertag kommt zur richtigen Zeit
In seiner Grußansprache bezeichnete der Generalsekretär und oberste Beamte im österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Dr. Reinhard Mang, den 1. DLG-Unternehmertag als eine notwendige Veranstaltung zur richtigen Zeit für die neue strategische Ausrichtung und Vorbereitung auf die Zeit nach 2013. „Die Landwirtschaft braucht jetzt neue Unternehmens- und Branchenkonzepte. Zudem müssen sich die Landwirte noch stärker mit den agrarischen Märkten beschäftigen“, erklärte Dr. Mang. Vom „Health Check“ zur Reform der EU-Agrarpolitik erwarte Österreich nach seinen Worten auch „neue Chancen für das österreichische Agrarmodell“. Das bedeute „faire Rahmenbedingungen und einen fairen Wettbewerb zwischen den Regionen sowie die Gewährleistung der ökologischen und sozialen Standards“, mit denen Österreich zukunftsweisende Trends auch für Europa setze. Er begrüßte die Initiative der Maschinenringorganisation und der DLG für diese Tagung, die er als „geeignete Partner“ bezeichnete, um den Zukunftsdialog offensiv zu führen.

1. DLG-Unternehmertag Österreich

DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer (rechts) und der Obmann der Österreichischen Maschinenringe, Hermann Gahr (links), begrüßten als Vertreter des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft den Generalsekretär Dr. Reinhard Mang.

Österreichs Getreidemarkt – Mais eine Frucht mit Zukunft
Hochaktuell waren die Einschätzungen und der Ausblick auf die Agrarmärkte vom Leiter des Bereichs agrarische Erzeugnisse von Raiffeisen Ware Austria in Wien, Dipl.-Ing. Ernst Gauhs. Österreich ist bereits heute Weizenexporteur. Nach seinen Analysen werde Österreich allerdings nach Ölsaaten und Raps in den nächsten Jahren auch bei Mais zu einem strukturellen Importland. „Mais könnte für Österreichs Landwirte zu einer attraktiven Frucht für die Zukunft werden“, so seine Prognose. Auch bei Ölsaaten und vor allem bei Raps sieht er große Chancen. Hier könnten die weiter steigenden Preise stimulierend wirken. Abschließend nannte Gauhs das Risikomanagement als einen wichtigen Erfolgsfaktor für die Landwirte. „Diejenigen Betriebe werden in Zukunft erfolgreich sein, die ihr Risiko am besten managen.“ Dies gelte etwa für Trockenernten wie auch für das Vermarktungsrisiko.

Positives gesellschaftspolitisches Umfeld
Auch für Privatdozent Dr. Erwin Schmid von der Universität für Bodenkultur in Wien wird der Landwirt künftig immer mehr zu einem Risikomanager. In seinem Vortrag über Chancen und Konsequenzen betonte er, dass die Landwirte die Produktivität erhöhen und die Kosteneffizienz verbessern müssten. Unablässig sei zudem eine hohe Qualitätsorientierung. Als einen besonderen Pluspunkt für die Landwirtschaft in Österreich bezeichnete Dr. Schmid das gute gesellschaftspolitische Umfeld. „Die Öffentlichkeit hat eine positive Einstellung zur Landwirtschaft und steht auch zur Zukunft der Landwirtschaft sehr aufgeschlossen gegenüber“, betonte der Wiener Wissenschaftler.

Strategien für erfolgreichen Ackerbau
Welches sind erfolgreiche Konzepte und Maßnahmen unternehmerischer Landwirte im Marktfruchtbau? Diese Fragen wurden sowohl im Hauptvortrag von Dipl.-Ing. Stefan Dworzak, dem Leiter der Agromax-Gutsverwaltung in Hornstein, sowie im anschließenden Ackerbau-Arbeitskreis behandelt. Danach achten die Betriebe in der Anbauplanung konsequent auf die Rentabilität der konkurrierenden Ackerfrüchte und auf die Steigerung der Produktionsintensität, womit die Intensität der Bestandesführung wieder zunehmen wird. Weitere Optimierungsbereiche sehen sie im strikten Kostenmanagement sowie in der Nutzung professioneller externer Beratung. „Investieren Sie in fachliche Beratung und Wissen“, appellierte Dworzak an seine Berufskollegen gewandt. Da die Vermarktung weiter an Bedeutung zunehmen werde, sollten die Ackerbauern hierauf mehr Augenmerk legen, war eines der Ergebnisse im Arbeitskreis. Dies reiche vom sich ständig gut Informieren über die Schaffung von entsprechenden Lagerkapazitäten bis hin zum Verkauf der Produkte zum optimalen Zeitpunkt.

Milcherzeugung: Für und Wider Milchquote, Anpassungsmaßnahmen und Erfolgskriterien
Angesichts der Bedeutung der Milcherzeugung in der österreichischen Landwirtschaft wurden im Rahmen der Unternehmertagung und insbesondere im gut besuchten Arbeitskreis Fragen zu den weiteren Strategien in der Milchviehhaltung und über die Milchquote intensiv diskutiert. Dass die Beibehaltung der Quote von der überwiegenden Zahl der österreichischen Milchviehhalter unterstützt wird, zeigte die Diskussion im Arbeitskreis Milch. Dahinter stand vor allem die Sorge, dass aufgrund der kleineren Strukturen diese Betriebe beim Wegfall der Quote das Nachsehen hätten. Ein Abwandern der Milchproduktion aus vielen Regionen, vor allem aus den Berggebieten, wurde befürchtet. Demgegenüber tritt der deutsche Milchviehhalter aus Rheinland-Pfalz, ein wachsender Familienbetrieb mit 120 Kühen, klar für eine schnelle Abschaffung der Quote ein. Sie bezeichnete er als Hemmschuh für die weitere Entwicklung der Höfe, die zudem jedem Betriebe jährlich viel Geld koste. An der Tatsache, dass nur 25 % der besten Milchviehbetriebe in Österreich derzeit einen Unternehmergewinn erzielen, wie aktuelle Auswertungen des österreichischen Arbeitskreises Milcherzeugung zeigten, wird die Brisanz für die Zukunft der österreichischen Milchwirtschaft sichtbar. Im Falle des Auslaufens der Quote mahnten viele Teilnehmer flankierende Maßnahmen für die benachteiligten Milchstandorte an, so in Form von Grünland- oder Tierprämien. Einig waren sich die beiden Praktiker aus Österreich und Deutschland in ihren Impulsreferaten darin, dass hohe Milchleistung, eine gute Genetik mit einem hohen Gesundheitsstatus in der Herde, hohe Grundfutterleistung und insbesondere langlebige Kühe wichtige Faktoren für eine profitable Milchviehhaltung sind. Ein gutes Management mit Optimierung der Arbeitsabläufe zähle ebenfalls dazu wie Investitionen in Arbeitserleichterungen und in ein weiteres, aber überschaubares Wachstum.

Was zeichnet die Erfolgreichen in der Schweineproduktion aus?
Ganz im Zeichen der angespannten wirtschaftlichen Situation bei Ferkelerzeugern und Mästern standen die Vorträge und Diskussionen im Arbeitskreis Schweineproduktion. Die aktuellen Marktentwicklungen würden erfreulicherweise wieder leicht steigende Erlöse signalisieren. Der Erfolg in der Schweineproduktion hänge überwiegend am Markt und am Mangement. Aktuelle Befragungen der DLG bei deutschen Spitzenbetrieben zeigen, dass diese vor allem auf höhere Leistungen, Betriebserweiterungen und striktes Kostenmanagement setzen. Leistungsfähige Genetik in den Ställen und vor allem hohe Tiergesundheit zeichne die besten Produzenten aus, so insbesondere in Dänemark und Holland. „Top Tiergesundheit“ werde künftig Wettbewerbsfaktor Nummer eins. Kooperationen zur Erreichung hoher Leistungen und zur Bündelung der Angebote werden gerade in Österreich für viele Betriebe eine erstrebenswerte Option darstellen, um angesichts der Strukturen künftig am Markt bestehen zu können.

Bioenergie: Weitere Verbesserungen im Ökostromgesetz dringend notwendig
Die derzeit schwierige Branchensituation wurde im vierten Arbeitskreis Bioenergie auf der Grundlage der Impulsreferate von zwei Biogasanlagenbetreibern aus Deutschland und Österreich beleuchtet. Dies betrifft insbesondere die massive Verteuerung bei der Rohstoffaufbringung sowie die in Österreich schleppende politische Hilfe für die finanziell gesehen darbenden Biogasbetreiber. Zwar wurde der Einspeistarif in Österreich jüngst mittels “Nothilfegesetz” leicht erhöht – nämlich um 3,2 bis 3,6 Cent/Kilowattstunde abhängig von der 2008 tatsächlich erzeugten Energiemenge – doch das bringe letztlich nur die Chance des finanziellen Durchhaltens der Anlagenbetreiber bis zum Jahresende. Für 2009 müssten Verbesserungen im Ökostromgesetz auf politischer Ebene dringend verhandelt und umgesetzt werden, so ein Ergebnis der intensiven Diskussion. Erörtert wurden weitere Optimierungsansätze und Erwerbschancen für Landwirte und Anlagenbetreiber vor allem zur Energiegewinnung über erneuerbare Energien. Vorgestellt wurden im Arbeitskreis auch interessante Neuerungen und Zukunftschancen für Landwirte, nämlich die innovative Aufbereitung von Gärresten zu hochwertigem Dünger sowie die so genannte „Containerpelletsheizung“. Die Containerpelletsheizung soll künftig über die österreichischen Maschinenringe vertrieben werden.

Marktchancen als Biobauer nutzen
Der Bio-Landbau erfreut sich in Österreich wie in Deutschland bei den Konsumenten hoher Wertschätzung. Trotz zweistelliger Zuwachsraten und Förderung durch die österreichische Agrarpolitik besteht nach wie vor ein zu geringes Angebot, etwa bei Bioschweinefleisch, Obst und –Gemüse. Der bekannte Biobauer Michael Steiner aus Stein an der Enns (Steiermark) zeigte am Beispiel seines Gründland- und Milchviehbetriebes sehr authentisch seine Erfolgsstrategie auf. Frühzeitig vor dem EU-Beitritt hat er sich für den Weg der Biolandwirtschaft, für Direktvermarktung mit Steirer Käse als Spezialität, für Betriebserweiterung und Stallbau entschieden. Erfolgskriterien für ihn sind, „mit low Input zum Erfolg“ sowie Maßnahmen zur Arbeitskraft- und zur Kraftfuttereinsparung. Seine Betriebsentwicklung weist zudem darauf hin, wie innovativ er dabei im Bereich Technik ist, und dass er einschneidende Umstellungen vornahm. Dies fängt bei Umstellungen der Milchviehhaltung im Stall an, geht über den Bau einer Biogasanlage über die Milchverarbeitung bis hin zur Einführung der Vollweidehaltung. Erfolg habe man aber nur mit hohem Fachwissen, einem gesunden „Hausverstand“ sowie Begeisterung für die Landwirtschaft, betonte Steiner. Unerlässlich ist für ihn auch die kontinuierliche Arbeit an der Persönlichkeitsentwicklung, auch durch Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen und Kennenlernen von Betrieben im In- und Ausland.

Motivationsschub für Landwirte und für Maschinenringe – Klares Votum für Fortsetzung
Verlauf und die intensiven Diskussionen haben für den stellvertretender Bundesobmann der österreichischen Maschinenringe, Hans Peter Werderitsch, deutlich den Nutzen des überregionalen Erfahrungsaustausches zwischen Praktikern, Mitgliedern von Maschinenringen und Fachleuten aus Beratung und Wissenschaft gezeigt. Daher erwartet er sich von dieser und den folgenden Veranstaltungen „einen Motivationsschub für die Landwirte wie auch für die Maschinenringe“, erklärte Werderitsch zum Abschluss der Veranstaltung in seinem Fazit aus Sicht der Veranstalter. Es gebe keine Bezirks- und Landesgrenzen mehr. „Wir müssen uns bewegen und die Zusammenarbeit suchen, ganz im Sinne von  regional Handeln und global Denken“, betonte er. „Wir Österreicher leben mitten in Europa, diese Chancen müssen wir auch zur Zukunftssicherung mehr nutzen!“

Beide Veranstalter DLG und Maschinenringe haben sich für die Fortsetzung dieser Veranstaltungsreihe DLG-Unternehmertag Österreich ausgesprochen. „Diese gelungene Erstveranstaltung und die vielen positiven Stimmen der Teilnehmer sind ein klarer Auftrag für die nächsten Unternehmertage in Österreich“, betonten DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer und der Geschäftsführer der österreichischen Maschinenringe, Dr. Matthias Thaler, zum Abschluss der Tagung.

 
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