Maisanbau in der Praxis Strategien erfolgreicher Landwirte in einer nördlichen Anbauregion
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Ulrich Wagner, Bassdorf (Sachsen-Anhalt)
Wimex Agrarprodukte Import & Export: So rechnet sich der Körnermaisanbau
Mit Mastküken und Bruteiern ist Wimex zu einem "Global Player" in der Landwirtschaft geworden. Die Erzeugnisse werden in Europa, Asien und Afrika vermarktet. Die Produktion hingegen erfolgt ausschließlich in Deutschland. Dass Wimex mit den Preisen auf dem Weltmarkt dennoch konkurrieren kann, dafür sorgen ein modernes Management und der Aufbau einer durchgängigen betriebseigenen Wertschöpfungskette, die vom Ackerbau über die Verarbeitung der Feldfrüchte zu Futtermitteln bis hin zur Vermarktung der Endprodukte geht. Der Körnermaisanbau erweist sich in dieser Konstellation als profitabel.
Das Kerngeschäft der Wimex Agrarprodukte Import & Export ist die Produktion von Mastküken und Bruteiern sowie Vermehrung der Großeltern- und Elterntiere. Auf 70 Farmstandorten in acht Bundesländern sind 2,2 Millionen Elterntierplätze vorhanden. 90 Prozent der Nachzucht verlässt die Betriebe noch als Brutei, etwa 1 Million Küken schlüpfen pro Woche in der unternehmenseigenen Brüterei in Dessau, die europaweit zu den modernsten ihrer Art gehört. Die starke Marktposition rührt unter anderem daher, dass die Fa. Wimex als Planungspuffer für die großen Integratoren in der Geflügelmast mit der Vor- und Endstufenvermehrung, eine Nische besetzt. Dabei bewegt sich das Unternehmen auf internationaler Plattform. Der Exportanteil liegt zwischen 30 und 40 Prozent.
Ackerbau mit angeschlossener Futterbereitung
Den Grundstein für das heutige Unternehmen legte Gerhard Wagner bereits 1985 mit ersten Standorten in Bayern. Die Wiedervereinigung Deutschlands nutzte Wimex erfolgreich zu rascher Expansion. Vier Landwirtschaftsbetriebe mit insgesamt 6 500 ha bilden heute die Futtergrundlage für das Zuchtgeflügel und stellen die geforderte Flächenquote für die Entsorgung sicher. Die wichtigsten Produktionsstandorte liegen im Landkreis Köthen in Sachsen-Anhalt. Hier befinden sich die beiden Mischfutterwerke, in denen die Futterkomponenten bis zur auftragsbezogenen Weiterverarbeitung auch gelagert werden.
Wimex ist fast ausschließlich Selbstversorger. Jährlich werden etwa 45.000 t Getreide und 16.000 t Körnermais produziert. Hinzu kommen - aufgrund der Fruchtfolge und gewachsener Anbaustrukturen - Zuckerrüben, Kartoffeln, Raps und Gemüse; bei letzterem vor allem Spargel, Radieschen, Bundmöhren und Frühlingszwiebeln. Der fehlende Bedarf für die tierische Produktion - etwa 25.000 t Getreide und 3.000 t Mais - wird aus der unmittelbaren Nachbarschaft zugekauft.
Mit der Erzeugung des eigenen Mischfutters senkt die Fa. WIMEX nicht nur die Kosten, sondern hat dadurch auch die Hygiene im Griff und kann die Konstanz der Komponenten sicherstellen. Für die insgesamt 12 betriebseigenen Rezepturen müssen neben 2 % Premix, lediglich Sojaschrot, Sojaöl, Weizenkleie und Kalk von außen bezogen werden. Dass auch die Maistrocknung in den eigenen Betrieben erfolgt, versteht sich von selbst. In diesem für die Rentabilität des Körnermaisanbaus entscheidenden Bereich kann man durch kurze Wege und schlagkräftige Trocknungsanlagen so manchen Cent einsparen.
Vernetzte Organisation
Die einzelnen Betriebszweige werden unter dem Dach der Wimex Agrarprodukte Import & Export als eigenständige GmbHs geführt, die ihre Leistungen gegenüber der nachgelagerten Veredlungsstufe zu gängigen Marktpreisen abrechnen. Jeder Bereich wird als Profit-Center betrachtet, der sich rechnen muss. Eine Schlüsselposition kommt dabei der EDV zu.
IT schafft sichere Planungs- und Entscheidungsgrundlage
Zur Optimierung der komplexen Organisationsstrukturen und Prozesse hat die AGRO-SAT Consulting GmbH Baasdorf, eine Wimex-Tochter, ein hochmodernes IT-System entwickelt. Es vernetzt alle Geschäftsbereiche in einem Intranet und unterstützt mit seinen auf die Agrarbranche zugeschnittenen Anwendungen die internen Betriebsabläufe. Die Mitarbeiter der Agrarbetriebe haben für jeden Schlag über Jahre hinweg alle pflanzenbaulichen Maßnahmen und deren Timing angefangen von der Bestellung, über Pflanzenschutz, Düngung bis hin zu den angebauten Sorten und Erträgen im Zugriff. Digitale Boden-, Ertrags-, Nährstoff- und Applikationskarten erlauben Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmittel abhängig vom Potenzial der Fläche auch innerhalb eines Schlages zu variieren. Dabei vergleicht der Bordcomputer über ein Satellitennavigations-System während der Fahrt laufend die Dosieranweisungen der Applikationskarte mit der aktuellen DGPS-Position und ändert dementsprechend die Ausbringungsmenge. Mittlerweise sind diese Informationen zum unverzichtbaren 4. Produktionsfaktor geworden. Durch den Einsatz der precison farming-Technik muss man weniger aus dem Bauch heraus entscheiden, hat verlässliche Kennziffern und sieht an den Ergebnissen genau, wo und wie man die Produktion weiter optimieren kann. Auswertungen zeigen, dass in der Vergangenheit in einigen Fällen zu viel gedüngt wurde. Auf variablen Standorten können durch potenzialorientierte Maßnahmen bis 50 Euro pro ha eingespart werden. Neueste Technik wie hochgenaue (2 bis 3 cm) automatische Lenkungen ermöglichen mit nur zwei Sämaschinen in 10 bis 12 Tagen 1.400 ha Körnermais mit Unterfußdüngung termingerecht bis zum 25.04. abzulegen. Neue Verfahren wie Unterfußdüngungen mit NP-Düngern im Herbst werden gerade getestet. Hochmoderne simultane Bodenfeuchte- bzw. Salzgehaltsmessungen mittels TriScan-Multiprofilsensoren erlauben es, den Weg des Düngers im Bodenhorizont zu verfolgen sowie Wasser- und Düngegaben zu optimieren. Gegenwärtig arbeiten wir an Produktionsfunktionen, die es uns ermöglichen, in Abhängigkeit vom jeweiligen Standort im Schlag optimale Düngemengen teilschlagspezifisch automatisch zu berechnen. Hier sehen wir zukünftig das größte Optimierungspotenzial im Körnermaisbereich.
Auch im Körnermaisanbau wird nichts dem Zufall überlassen
Dank vernetzter EDV lassen sich auch auf den insgesamt 1.400 ha großen Beregnungs-flächen der Wimex Agrarbetriebe Aufwand und Ertrag in ein optimales Verhältnis bringen. Die Steuerung der acht Kreisregner erfolgt in Abhängigkeit von aktuellen Wetterdaten sowie Daten der Bodenfeuchtesensoren und wird automatisch durch ein Funknetz überwacht. Störungen oder Zustandsänderungen werden aufs Handy gemeldet. Durch Beregnung erhöht sich der Trockenertrag pro ha im Körnermaisanbau um 40 bis 45 dt gegenüber vergleichbaren Böden ohne zusätzliche Wasserversorgung. Das rechnet sich in dieser vom Regenschatten des Harzes geprägten Region in jedem Fall. Für diese Standorte setzen wir spezielle Beregnungssorten ein, die bei optimaler Wasserversorgung einen maximalen Ertrag pro ha erzielen. Auf der übrigen Maisanbaufläche spielt nicht allein der Ertrag, sondern auch die Staffelung der Sorten mit Reifezahlen von 210 bis 280 eine Rolle, um sowohl die Trocknungsanlagen mit einer Kapazität von 500 t pro Tag als auch den Maschinenpark optimal auslasten zu können.
Bestens vorbereitet auf künftige EU-Verordnungen
Die Zusammenführung der in den einzelnen Produktionsstufen erfassten Daten erlaubt Wimex eine lückenlose Chargenrückverfolgung bei Küken bzw. Bruteiern einschließlich der dafür eingesetzten Futterchargen. Die nahtlose Informationskette zeigt auf Knopfdruck, wann welcher Körnermais bzw. Weizen von welchem Schlag verfüttert wurde, wann und von wem die zugekauften Komponenten geliefert, wo die Komponenten bis zur Weiterverarbeitung gelagert, wann sie gemischt und zur jeweiligen Farm transportiert wurden. Mit dieser Datenbasis erfüllt Wimex die Auflagen der ab 01.01. 2005 in Kraft getretenen Rückverfolgbarkeit lt. EU-VO 178/2002, welche die Nachvollziehbarkeit der Produktherkunft im Handel sicherstellt.
Die Fa. WIMEX sieht ihre Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland auch bei fortschreitender Globalisierung gesichert. Dank der durchgängigen Wertschöpfungskette kann man an vielen Stellen rationalisieren und sich flexibel auf den Markt einstellen. Wir profitieren einerseits von kurzen Entscheidungswegen, andererseits liegen wir mit der lückenlos dokumentierten einheimischen Produktion im Trend der Verbraucher.
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