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Ansprache von DLG-Präsident Philip Freiherr von dem Bussche
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Gurr-Hirsch, sehr geehrter Herr Professor Dr. Lütke Entrup, sehr geehrter Herr Landrat Brodbeck, sehr geehrte Referenten, verehrte Besucherinnen und Besucher, liebe DLG-Mitglieder.
Herzlich willkommen zur DLG-Pflanzenbautagung, die alle zwei Jahre im Wechsel mit den DLG-Feldtagen stattfindet. Diese Tagung widmet sich aktuellen Themen des Pflanzenbaus in der jeweiligen Tagungsregion. Vor zwei Jahren haben wir uns am Rande der fruchtbaren Wetterau in Friedberg in Hessen getroffen und intensiv mit dem Weizen beschäftigt. Heute sind wir im sonnigen Süden der Republik zusammengekommen, im schönen Offenburg in der Ortenau, zwischen Schwarzwald und der Oberrheinischen Tiefebene gelegen, im Herzen Badens und Baden-Württembergs also. Auch wenn sich hier in Offenburg ein industrieller Schwerpunkt befindet, ist der Ortenaukreis stark ländlich und landwirtschaftlich geprägt. Forstwirtschaft und kleinbäuerliche Strukturen mit ausgeprägtem Tourismus prägen die Schwarzwaldzone. In der Vorbergzone dominieren der Obst- und Weinanbau und erfreuen sich, nicht zuletzt wegen der Veredelungsprodukte, einem hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Die DLG hat hier schon mehrfach Qualitätsprüfungen für Kleinbrenner durchgeführt, weil hier, wie bekannt, wunderbare Obstbrände entstehen.
Unser Interesse widmet sich heute aber einer anderen "Spezialfrucht", dem Körnermais. Der Körnermais findet im Südwesten Deutschlands und im angrenzenden Elsaß hervorragende natürliche Bedingungen vor. In der EU werden ca. 4,5 Mio. ha Körnermais angebaut. Die größten Anteile daran haben Frankreich und Italien. Seit Anfang der 60er Jahre hat der Maisanbau auch in Deutschland eine starke Ausdehnung erfahren. Ein Meilenstein war dabei sicherlich der berühmte "Gelbe badische Landmais" aus der hiesigen Region. In erster Linie wird in Deutschland zwar Silomais angebaut, aber der Körnermais nimmt stetig an Bedeutung zu, die Anbaufläche beträgt inzwischen bundesweit mehr als 460.000 ha.
Hier in der Oberrheinebene, der Ackerbauregion in der Ortenau, finden wir mit ca. 15 % einen vergleichsweise hohen Maisanteil, und 90 % davon sind Körnermais. Wir haben uns also nicht nur wegen der reizvollen Landschaft für Offenburg als Veranstaltungsort für die diesjährige DLG-Pflanzenbautagung entschieden, sondern sind mit unserer Veranstaltung gezielt in eines der Deutschen Körnermaiszentren gegangen. Der Körnermaisanbau beschränkt sich heute aber nicht mehr nur auf die Gunstlagen in Baden-Württemberg und Bayern, sondern hat auch in den nördlicheren Regionen Einzug gehalten. Die Erfolge in der Pflanzenzüchtung mit einem daraus resultierendem umfangreichen Sortenspektrum sowie die Weiterentwicklungen beim Pflanzenschutz und nicht zuletzt angepasste Anbaustrategien machten diese Entwicklungen möglich. Davon wird im Laufe der Tagung viel zu hören sein.
Unter dem Titel "Körnermais - Spezialfrucht mit Perspektiven!?" stellen wir auf unserer diesjährigen DLG-Pflanzenbautagung aber vor allem auch die Frage danach, wie geht es weiter mit dem Körnermaisanbau in Deutschland? Welche Auswirkungen hat die Agrarreform? Aktuell führen steigende Energiekosten für die Trocknung sowie der Wegfall der Körnermaisprämie häufig dazu, dass Neukalkulationen erforderlich werden. Alternativen, beispielsweise der Anbau von Energiemais, werden intensiv diskutiert. Diese Fragen werden wir durchleuchten. Wie werden sich die Märkte entwickeln, und welche Perspektiven ergeben sich daraus? Wir werden im Rahmen dieser Veranstaltung überprüfen, was zur Zeit und in Zukunft machbar ist.
Dabei gilt ganz allgemein, dass der Maisanbau weltweit enorm an Bedeutung gewonnen hat. Mit einem deutlich überlegenen Zuchtfortschritt gegenüber Getreide hat sich der Mais - neben Weizen und Soja - zu einer globalen Kultur entwickelt. Im weltweiten Wettbewerb geht es dabei um die Frage, zu welchen Stückkosten der Körnermais produziert und zum Verbraucher geliefert werden kann. Regionen, die ein Ertragsniveau über 10 to/ha ermöglichen und bei rechtzeitiger Abreife mit geringer Erntefeuchtigkeit erträgliche Energiekosten haben, sind dabei im Vorteil. Der Züchtungsfortschritt hat zu einer immer besseren Anpassung der Maissorten an den jeweiligen Standort geführt. Zumindest im europäischen Vergleich schneidet der Südwesten Deutschlands als Maisregion gut ab. Bestehende Strukturnachteile im Realteilungsgebiet müssen durch ein Höchstmaß an Kooperation und angepasste Arbeitskosten ausgeglichen werden.
Auch wenn der Mais im Prinzip einen extensiven Betriebsmitteleinsatz toleriert, so stellt sich immer wieder die Frage, ob moderne Techniken bis hin zur Bio- und Gentechnik, auf Dauer ausgegrenzt werden können, ohne im globalen Vergleich immer weiter zurückzufallen. Bei abnehmendem Außenschutz wird diese Frage weiter an Aktualität gewinnen, denn die global relevanten Stückkosten werden hiervon in zunehmendem Maß beeinflusst.
Mit welchen Strategien werden an den verschiedenen Standorten die größten Erfolge erzielt? Darüber berichten versierte Praktiker aus der hiesigen Region, sowohl rechtsrheinisch aus dem badischen als auch linksrheinisch aus dem elsässischen und auch aus dem Norden, aus Sachsen-Anhalt erfahren wir, wie unsere Kollegen erfolgreich Körnermais produzieren. Wie sieht es überhaupt mit der Wettbewerbsfähigkeit von Körnermais beim Vergleich der verschiedenen Standorte und Systeme aus, wo und unter welchen Voraussetzungen ist Körnermaisanbau zukünftig noch rentabel? Auch auf diese spannende Frage wollen wir eine Antwort geben.
Die Vortragsreihe am Vormittag und das umfangreiche Angebot an attraktiven Exkursionszielen am Nachmittag bieten Ihnen sehr vielfältige Möglichkeiten, die eigenen Erkenntnisse zu mehren und die gesammelten Erfahrungen mit Berufskollegen zu teilen. Die DLG bietet mit dieser Tagung in bewährter Manier wieder den Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Beratung auf fachlich hohem Niveau.
Bevor ich nun das Feld den Maisspezialisten überlasse, erlauben Sie mir noch einige Sätze des Dankes. Mein besonderer Dank gilt vor allem den Referenten sowie den Betriebsleitern und Verantwortlichen der Exkursionsziele, die diese Veranstaltung durch ihre Beiträge mit Inhalten füllen. Großen Dank auch an die Veranstaltungspartner, das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg sowie das Deutsche Maiskomitee, mit denen wir gemeinsam dieses ansprechende Programm entwickeln durften. Last but not least möchte ich allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen von den Betrieben und Institutionen vor Ort danken, vor allem vom Regierungspräsidium in Freiburg, vom Amt für Landwirtschaft und dem Landratsamt hier in Offenburg sowie von den helfenden Organisationen im Elsaß. Ohne Ihre Unterstützung und Ihre Orts- und Sachkenntnisse wäre die Vorbereitung und Durchführung der DLG-Pflanzenbautagung kaum möglich.
Ich wünsche der Tagung einen erfolgreichen Verlauf, informative Gespräche und anregende Exkursionen am Nachmittag.
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