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Grußwort von Prof. Dr. Norbert Lütke Entrup,
Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, Soest,
Vorsitzender des Deutschen Maiskomitees e.V., Bonn

Körnermais - Spezialfrucht mit Perspektiven

DLG-Pflanzenbautagung 22.06.2005 in Offenburg

Prof. Dr. Norbert Lütke EntrupSehr geehrter Herr Präsident von dem Bussche,
sehr geehrte Frau Staatssekretärin Gurr-Hirsch,
sehr geehrter Herr Landrat Brodbeck,
sehr geehrte Vortragende,
verehrte Gäste und Mitglieder der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und des Deutschen Maiskomitees e. V.,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Erfolgsgeschichte der Kulturpflanze Mais begann vor 7 bis 8000 Jahren in Südamerika. Für die dortigen Hochkulturen war der Mais so überlebenswichtig, dass er eine prägende Rolle in ihren religiösen und sozialen Vorstellungen einnahm. Vor etwa 500 Jahren hat der Mais mit Christoph Kolumbus den Weg von Amerika nach Europa gefunden und sich zu einer der wichtigsten Kulturpflanzen in der Welt entwickelt. Zusammen mit Weizen und Reis liefert Mais einen etwa gleich hohen Beitrag zur Welternährung. Der Maisanbau verbreitete sich zunächst im Südeuropa, wo die klimatischen Voraussetzungen passten und war dort schon im 17. Jahrhundert als Volksnahrung nicht mehr wegzudenken. Die noch immer bekannte Bezeichnung "Welschkorn" verweist darauf, dass für die süddeutsche Bevölkerung diese neue Kulturpflanze aus Italien kam. Den Erfolgen der Pflanzenzüchtung ist es zu verdanken, dass der Maisanbau in Deutschland immer weiter in klimatisch ungünstigere Regionen vordrang und inzwischen in Dänemark, England, Irland und sogar Schweden und Finnland Mais als Futterpflanze angebaut wird.

In den vergangenen 40 Jahren stiegen durch den Einfluss der Hybridzüchtung sowie die stetige Verbesserung der Produktionstechnik die Durchschnittserträge bei Körnermais von etwa 34 dt/ha auf knapp 90 dt/ha Kornertrag. Der Produktionswert des Körnermaises in Deutschland betrug im Jahre 2002/03 auf Grundlage der Erzeugerpreise 400 Mio. Euro. Die Gesamtmaisfläche in Deutschland schnellte im genannten Zeitraum von 40 Jahren von 120.000 ha auf den bisherigen Rekordwert von 1,7 Mio. ha in 2004 hoch, der nach den vorläufigen Schätzungen für 2005 gehalten wird. Verschiebungen gibt es voraussichtlich in der Richtung, dass weniger Körnermais zugunsten von Silomais erzeugt wird. Gründe dafür sind vielfältig und hängen auf alle Fälle damit zusammen, dass die Landwirte nach wie vor darauf angewiesen sind, mit ihrer Produktion Geld zu verdienen.

Damit rückt ein weiterer Aspekt in den Mittelpunkt der Betrachtung: die Eignung und die Ausbildung der Betriebsleiter.
Durch die agrarpolitischen Vorgaben und Veränderungen erhöhen sich die Anforderungen an das fachliche Wissen und unternehmerische Handeln der Betriebsleiter ständig. Zukunftsfähig werden nur Höfe sein, auf denen auch weiterhin eine hohe Intensität und Effizienz realisiert wird. Nur wer seine Produktionstechnik beherrscht und seine Kosten im Griff hat, wird in der Lage sein, dieses Wachstum zu bewerkstelligen. Vom Zugriff auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und der Nutzung des technischen und züchterischen Fortschritts hängt der künftige betriebliche Erfolg ab. Mit großer Sorge betrachte ich deshalb die Entwicklung im Bereich der Agrarforschung, da an vielen Einrichtungen in Folge knapper Mittel Stellen- und Etatkürzungen vorgenommen werden. Die Notwendigkeit einer effizienten, leistungs- und mit anderen Branchen wettbewerbsfähigen Forschung liegt auf der Hand. Nur damit können wir den von Politik und Gesellschaft vorgegebenen Anforderungen genügen.

Für das Deutsche Maiskomitee sehe ich auf diesem Gebiet eine seiner Kernaufgaben. Die Bündelung von Informationen über das gesamte Spektrum des Maisanbaus von der Züchtung über die Produktion bis hin in die vielfältigen Verwertungsrichtungen ist eine wichtige Voraussetzung, um Wissensdefizite in der Forschung und mehr noch in der Praxis zu beheben. Diese Funktion des DMK drückt sich auch in der Einwerbung, Organisation und Abwicklung von Projekten im Forschungsbereich aus.
Zielsetzungen und Aufgaben in der Forschung und Entwicklung für den umweltvertäglichen und wirtschaftlichen, also nachhaltigen Maisanbau lassen sich wie folgt formulieren:

1. Wir brauchen Sorten mit hohem genetischen Ertragspotential, um die Effizienz der eingesetzten Produktionsmittel weiter zu verbessern. Bereits jetzt sind im Maisanbau und besonders bei Silomais bei optimaler N-Düngung grundsätzlich negative Nährstoffbilanzen möglich. Dies ist besonders für wassersensible Regionen bedeutsam.
2. Der Anbau von Mais muss in Produktionssysteme integriert werden, die ein Höchstmaß an Boden- und Gewässerschutz beinhalten und die Ressource Boden durch die Vermeidung von Erosion und Schadverdichtung schonen.
3. Die Intensität der Bodenbearbeitung ist auf das erforderliche Maß zu beschränken, um das Bodenleben zu fördern. Pfluglose Verfahren müssen intensiver durch Forschung weiterentwickelt werden.Dies gilt insbesondere für die Fusarium- bzw. Mykotoxin-Problematik in engen Mais oder Mais-Weizen Anbaufolgen.
4. Die Nährstoffversorgung muss noch effizienter gestaltet und der Praxis nahe gebracht werden. Ergebnisse der Wissenschaft belegen, dass Mais mehr Nährstoffe entzieht als über Dünger zugeführt werden müssen.
5. Wir benötigen Pflanzenbau-Bewertungssysteme über ausgewählte Indikatoren, um dem Landwirt Verfahren zur Verfügung zu stellen, mit denen er für seinen eigenen Betrieb ein wissenschaftlich abgesichertes Umweltgütesiegel erstellen kann.
6. Plakativ hohe Bewirtschaftungsintensität mit Umweltbelastung gleichzusetzen ist falsch. Entscheidend ist der einzelne Betriebsleiter. Dies gilt sowohl für konventionell als auch integriert oder ökologisch wirtschaftende Betriebe. Extensivierung allein ist kein Garant für Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit.

Die heutige Fachtagung "Körnermais - Spezialfrucht mit Perspektiven?" ist von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, dem Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum in Baden-Württemberg und dem Deutschen Maiskomitee e. V. gemeinsam ausgerichtet worden. Dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten im Vorfeld der Tagung und den Verantwortlichen für den Tagungs- und Exkursionsablauf sehr herzlich bedanken.
Das Informationsangebot ist viel versprechend. Ich wünsche insbesondere der praktischen Landwirtschaft, dass sie aus der Fülle des Angebotes für die eigenen Betriebe wichtige Anregungen für die Weiterentwicklung des Maisanbaus erhält.

 
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