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Maisanbau in der Praxis -Strategien erfolgreicher Landwirte in der Rheinebene

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Edgar Feißt, Hohberg-Diersburg (Baden)

Vorzüge des Maisanbaus

Edgar FeißtUnser landwirtschaftlicher Betrieb war früher ein Mischbetrieb mit Milchviehhaltung, Weinbau und Ackerbau. Bis 1989 wurde der Betrieb auf diese Weise geführt. Da durch gesundheitliche Probleme der Vater als Arbeitskraft ausfiel, fand ein Umdenken statt. Die Milchviehhaltung wurde aufgegeben, der Ackerbau ausgedehnt. Die Betriebsfläche hat sich seither von ca. 100 ha auf jetzt 190 ha ausgedehnt.

Der Ackerbau gestaltet sich in unserem Raum durch die strukturellen Gegebenheiten als besondere Herausforderung.

Wir befinden uns hier im Ortenaukreis in einem Realteilungsgebiet. Durch diese Besonderheit haben sich kleine Strukturen gebildet. Dadurch, dass der Großteil der Flächen in der Vorbergzone liegt, kommt zur Kleinstruktur noch das Problem der Hangneigung, welches die Gefahr von Bodenerosion bzw. arbeitswirtschaftliche Nachteile durch die Terrassierung von Flächen mit sich bringt. Um diese Probleme teilweise zu lösen, wurde begonnen, mit anderen Landwirten benachbarte Flächen zu tauschen. Die durchschnittlichen Schlaggrößen konnten von vorher 68 ar auf jetzt 95 ar verbessert werden. Seit 2002 konnte so die Schlagzahl von 230 auf 200 vermindert werden.

Die kleine Struktur hat zur Folge, den Anbau der Feldkultur, besonders den Maschineneinsatz, entsprechend anzupassen. Der Körnermais bietet hier einen besonderen Vorteil. Im Gegensatz zu Getreide kann ein Großteil der Arbeiten in den Zeitraum vor dem Auflaufen des Maises eingeplant werden.

Der Maisanbau auf dem Betrieb Feißt

Es wird Körnermais der Reifegruppen 250 bis 300 angepflanzt. Folgende Sorten stehen aktuell auf der Fläche: DK 291 (KRZ 250), Brissac (KRZ 270), DK 315 (KRZ 280), Pollen (KRZ 280), PR38A24 (KRZ 300). Zur Reifung dieser Sorten sind Temperatursummen von 1600 bis 1770 °C von der Saat bis zur Ernte nötig.

Die Vorbereitungen zum Maisjahr beginnen bereits im Herbst. Gleich nach der Ernte beginnt die Schädlingsbekämpfung. Der Maiszünsler kann durch intensives Schlegeln des Maisstrohs und tiefes Unterpflügen mechanisch bekämpft werden. Da mit dem eigenen Mähdrescher Lohndrusch durchgeführt wird, wird auf das Abschlegeln der Ernterückstände aus Zeitmangel verzichtet. Deshalb wird besonderer Wert auf sauberes, tiefes Pflügen gelegt. Es wird mindestens 25 cm tief gearbeitet. Wichtig ist eine frühzeitige Winterfurche, um möglichst jeden Frosttag auf gepflügtem Feld zu haben. Die auf dem Betrieb vorhandenen, schweren lehmigen Böden erfordern eine gute Frostgare, damit im Frühjahr ein feinkrümeliges Saatbeet bereitet werden kann.

Im zeitigen Frühjahr werden die Flächen flach abgeschleppt. Die Bearbeitungstiefe ist gleich der späteren Saattiefe. So hat das Saatkorn auch bei trockenen, heißen Verhältnissen guten Anschluss an den feuchten Unterboden. Dies ist entscheidend für eine gute gleichmäßige Keimung.

Die Düngung

Die Düngung wird mit einem Schleuderstreuer "Rauch AXERA H/EMC" mit 15 m Arbeitsbreite, automatischer Düngerdosierung und Geschwindigkeitsmessung über Radar durchgeführt. Diese Geschwindigkeitsmessung schließt Fehler durch Schlupf besonders im Berg aus.

Die Grundnährstoffversorgung wird vor der Saat durchgeführt. Ausgebracht werden alle Nährstoffe gemeinsam in einem Mischdünger. Dessen Zusammensetzung schwankt, entsprechend den Ergebnissen der Bodenproben. Im Mischdünger werden Stickstoff, Phosphat, Kali und Schwefel ausgebracht. Der Magnesiumbedarf wird über eine Kalkung mit Kohlensaurem Magnesiumkalk gedeckt. Diese Erhaltungskalkung wird alle vier Jahre vom Lohnunternehmer im Herbst auf die Maisstoppel ausgebracht. Durch die Nährstoffverlagerungen ins Grundwasser und den sehr späten Stickstoffbedarf der Maispflanze war es bisher notwendig, die N-Versorgung zu teilen. Da sich die Böden der Vorbergzone im Frühjahr nur langsam erwärmen, kann durch die gezielte Gabe von Nitratstickstoff in der ersten Gabe ein besseres Wachstum nach der Keimung festgestellt werden. Deshalb wird eine Startgabe von 100 Gesamt-N mit 40 N in Nitratform im Mischdünger ausgebracht.

Im 2- bis 4-Blattstadium wird dann die Restmenge in Form von Harnstoff ausgebracht. Hier wurde Harnstoff gewählt, weil Kalkammonsalpeter bei ungünstigen Verhältnissen Verbrennungen hervorrufen kann. Nach Möglichkeit wird die Düngung vor eine Niederschlagsperiode gelegt, um das Ausdampfen und somit den Stickstoffverlust des Harnstoffes zu vermeiden. Um die Düngung komplett vor die Saat zu verlegen, soll in Zukunft die Stickstoffdüngung mit Entec durchgeführt werden. Durch den Einsatz des stabilisierten Düngers wird eine gleichmäßige Nährstoffversorgung über einen langen Zeitraum mit gleichzeitiger Grundwasserschonung und Wegfall eines Arbeitsganges erreicht.

Der Pflanzenschutz

Zum Pflanzenschutz wird eine Aufbauspritze "Platz 2000 l", 15 m, mit elektronischer Mengendosierung eingesetzt. Auch hier kommt die Geschwindigkeitsmessung mit Radar in Einsatz.

Die Unkrautbekämpfung wird, sofern möglich, im Vorauflaufverfahren durchgeführt. Dadurch wird das kleinste Risiko einer Schädigung des Körnermaises durch die Herbizide erzielt. Da aus Verträglichkeitsgründen Mischungen von drei und mehr Produkten in der Spritzbrühe vermieden werden sollen, wird durch die Vorauflaufbehandlung mit Stomp + Spectrum oder mit Terano der Vorteil, eine einfache, sichere Dosierung und gleichzeitig die günstigste Form der Unkrautbekämpfung zu haben, erreicht. Bei ungünstigen Bodenverhältnissen, d. h. trockenen Böden, wird dann natürlich auf eine frühe Nachauflaufbehandlung ausgewichen. Hier wird dann die Zugabe von blattaktiven Mitteln notwendig.

Durch den Anbau des Maises in Monokultur wird die Winde zu einem immer größeren Problem. Deshalb kann auf eine gezielte Windenbekämpfung nicht verzichtet werden. Sie wird nur punktuell, kurz vor Schließen der Maisreihen, durchgeführt. Diese nichtvermeidbare Durchfahrt im stehenden Bestand wird mit einem Tracschlepper mit Allradlenkung durchgeführt. Dieser bietet die Möglichkeit, beim Wenden Spur in Spur zu fahren. Der Schaden am Bestand bleibt so sehr gering.

Als größter Schädling tritt bisher der Maiszünsler auf. Die mechanische Bekämpfung reicht alleine nicht aus. Die chemische Bekämpfung gestaltet sich als schwierig, da der optimale Bekämpfungszeitpunkt bei Maishöhen ab 120 cm liegt. Sie kann dann nicht mehr mit einem Standardschlepper durchgeführt werden. Als Alternative wird Trichogramma auf einer Teilfläche eingesetzt. Diese werden zwei Mal im Abstand von ca. zehn Tagen per Hand ausgebracht. Die Anwendungszeit beträgt ab Lieferung der Kapseln zwei Tage. Hier zeigt sich auch die Schwierigkeit, die Trichogramme großflächig auszubringen. Mit fünf Personen sind fünf Hektar pro Stunde und Durchgang möglich.

Seit vier bis fünf Jahren tritt im Frühjahr verstärkt die unter Schutz stehende Saatkrähe auf. Gleich nach der Saat beginnt sie, die Saatkörner, auch tief abgelegte, einzusammeln. Nach der Keimung bzw. nach dem Auflaufen zieht sie ganze Pflanzen aus dem Boden heraus. So traten teilweise erhebliche Schäden auf. 2003 mussten über 3 ha nachgesäet werden. Nachdem dieses Jahr keine Vergrämungsabschüsse mehr genehmigt werden, musste das komplette Saatgut Mesurolgebeizt werden. Trotzdem trat wieder Fraßschaden auf. Durch eine frühe Aussaat kann das Problem etwas vermindert werden, da erst in der Hauptsaatzeit das Krähenaufkommen stark zunimmt. Zuerst gesäter Mais ist dann meist schon über das kritische Stadium hinaus gewachsen.

Die Pilzinfektion "Helmintosphorium", die zu einem frühzeitigen Absterben der Blätter und somit Unterbrechung der Korneinlagerung führt, konnte durch gezielte Sortenwahl einigermaßen eingedämmt werden. Speziell frühe Sorten (bis ca. Reifezahl 250) sind besonders gefährdet. Ein konsequenter Sortenwechsel, entsprechend der Empfehlung des amtlichen Dienstes, wurde in den letzten Jahren durchgeführt.

Mulchsaat

Nach der neuen Gesetzeslage droht ein 40-prozentiges Winterfurcheverbot. Hier wäre die Mulchsaat eine Ersatzlösung. Um Erosionen vorzubeugen, wird seit 12 Jahren auf einer kleinen Fläche Mulchsaat zu Versuchszwecken betrieben. Hier wird im Gegensatz zur konventionellen Anbaumethode im Herbst gegrubbert. Der Flügelschargrubber wird dazu ohne Nachläufer eingesetzt. Durch die damit erzielte grobe Oberfläche kann die Frostgare ausgenutzt werden. Im Frühjahr wird die Fläche dann wie die konventionelle Fläche weiterbearbeitet. Die Mulchsaat wurde nicht ausgeweitet, weil zu beobachten ist, dass sich die Unkrautbekämpfung auf dieser Fläche schwieriger und kostenintensiver gestaltet als auf den gepflügten Flächen. Der Erosionsschutz kann beobachtet werden. Doch das Aufkommen der Mycotoxinbelastungen im Erntegut lässt eigentlich keine Mulchsaat zu. Bei einer Frühjahrsfurche besteht die Gefahr, dass der Boden austrocknet und der Wasseranschluss des Saatkorns nicht gewährleistet ist.

Ernte

Die Früheren Sorten, meist Hartmaistypen, erreichen die Druschfeuchte von 30 bis 32 Prozent in normalen Jahren ca. Ende September. Ertragsstärkere Zahnmaistypen mit höheren Reifezahlen trocknen erst im Laufe des Oktobers, haben aber eine bessere Standfähigkeit.

Die Ertragsleistung des Betriebes konnte von unter 90 dt/ha trockene Ware auf 106 dt/ha im Jahre 2004 gesteigert werden. Diese Steigerung wird hauptsächlich durch die Vergrößerung der Schläge durch den "privaten Flächentausch" erzielt.


Fazit

Für den Betriebsleiter gibt es im Moment nichts Wichtigeres, als den Flächentausch voranzutreiben. Denn nur durch konkurrenzfähige Strukturen kann der Ackerbau in der Region Zukunft haben. An den örtlichen Gegebenheiten, wie Terrassierung und Hanglage, kann nichts geändert werden. Deshalb bleibt Feißt auch weiterhin bei seinem Leitsatz: "Sowenig Überfahrten übers Feld als möglich, jedoch so viele wie Nötig".

Zum Betrieb Feißt

Edgar Feißt, 36 Jahre, verheiratet, 3 Kinder
Landwirtschaftliche Lehre, Fachschule, Meisterbrief, seit 1991 Betriebsleiter

Mischbetrieb mit 190 ha Betriebsfläche (140 ha Vorbergzone, 50 ha Rheinebene), darunter 77 % Körnermais, 3 % Getreide, 9 % Stilllegung, 10 % Grünland, 1 % Weinbau
Ackerzahl: 48 bis 78, Jahresniederschlag: ca. 900 mm, 1150 Flurstücke mit 450 Verpächtern, Feld-Hof-Entfernung: 2 bis 15 km
Kleine Mutterkuhherde zur Pflege der Steillagen um den Hof, 1 Brennrecht

 
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