EuroTier 2008 Online-Diskutieren in DLG Forum
Aktuelle Termine:



AgroTech Russia
10.-14. Oktober 2008, Moskau, RU

DLG International Forum
15. Oktober 2008, Peking, China


EuroTier
11.-14. November 2008, Hannover, Nieders.



[alle Termine]


[Veranstaltungen DLG-Akademie]




Testergebnisse:



Land- und Kommunaltechnik

Biogasanlagen

Landwirtschaftliche Betriebsmittel:
- Futtermittel
- Siliermittel
- Hygiene
- Düngekalk

"Urlaub auf dem Bauernhof"

Lebensmittel




Fachausstellungen:



AGRITECHNICA

EuroTier

DLG-Feldtage

PotatoEurope

Opolagra (Polen)

AgroFarm (Russland)

AgroTech Russia (Russland)




E-Mail Newsletter:



Landtechnik-Tests

Für DLG-Mitglieder





DLG-aktuell






Landwirtschaft






DLG-Mitgliedschaft






Junge DLG






TESTZENTRUM Landtechnik und Betriebsmittel






Merkblätter online






Veranstaltungen






DLG-Mitteilungen






Urlaub auf dem Bauernhof






Futtermittel.NET






Agrarsoftware.NET






Nachhaltige Landwirtschaft






QM-Standard Biogas






Die besten Milcherzeuger






Europäische Clubs






Fachgremien






Veröffentlichungen - Fachbücher






Online- Diskussionsforum






agri benchmark






Ansprechpartner



   in www.DLG.org - Sitemap


 
 in Agrarnavigator.de
Hier geht es zu den DLG-Veröffentlichungen

au site Web français to the English site
to the Polish site al Web site italiano
to the Russian site to the Swiss area


Acrobat Reader
















> Home> Landwirtschaft> Diese Seite

DLG-Branchengespräch Agrar

3. September 2007

Dr. Hans-Theo Jachmann, Syngenta Agro GmbH
Präsident des Industrieverbands Agrar e.V.

Pflanzenschutz und Düngung – höhere Flächeneffizienz durch Minderung von Ernteverlusten und Ausschöpfung der genetischen Potenziale

Der steigende Nahrungsmittelbedarf der wachsenden Weltbevölkerung setzte bereits in den 60er und 70er Jahren eine intensive Diskussion über optimale Ackerbausysteme und in deren Konsequenz die erste grüne Revolution in Gang. Die Förderung der Forschung in den Bereichen Pflanzenschutz und Pflanzenernährung trug damals maßgeblich dazu bei, die Nahrungsgrundlagen zu sichern. Heute kann man sagen: Die grüne Revolution hat gesiegt. Ein Zitat aus dem Buch des dänischen Professors Björn Lomborg, der sich in einer ausführlichen Studie mit der Entwicklung der Lebensgrundlagen beschäftigte, mag dies belegen:

„Der Anteil hungernder Menschen ist von 35 auf 18 Prozent gesunken. Es sind heute zwei Milliarden mehr, die nicht hungern müssen.“

Weltweit sorgt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln dafür, dass rund 30 Prozent der Ernte nicht verloren gehen. Doch mit 40 Prozent  fällt ein noch größerer Anteil der Welternte noch immer Krankheiten und Schädlingen zum Opfer. In erster Linie deshalb, weil moderne Agrartechniken nicht überall in genügendem Umfang zur Verfügung stehen.

Was hat das mit Deutschland und Europa und mit diesem Pressegespräch zu tun? Der Zusammenhang ist einfach und in zwei Punkten darstellbar:

1. Die drei europäischen Pflanzenschutzunternehmen steuern rund drei Viertel der weltweiten Innovationen im Pflanzenschutz bei. Internationale Forschungspartnerschaften zwischen dem privaten und öffentlichen Sektor sind der Innovationsmotor, von dem auch die Entwicklungs- und Schwellenländer profitieren.
2. Mitteleuropa mit seinem gemäßigten Klima und seinen hervorragenden Böden besitzt ideale Standortbedingungen, um die in den Pflanzen genetisch fixierten Potenziale freizusetzen. Gerade unter den Vorzeichen des Klimawandels gewinnt diese Region an Bedeutung für die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Deshalb ist der optimale Betriebsmitteleinsatz auch in unseren Breitengraden ein Gebot der Stunde. Eine nachhaltige Produktion muss sich gerade in Zeiten einer intensiv geführten Energiedebatte an ihrer Energieeffizienz messen lassen.

In der Pflanzenerzeugung hat die Stickstoffdüngung den größten Anteil am Energieaufwand. Allerdings verbessert sie auch den Energieertrag ganz erheblich. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Durch eine optimale Stickstoffdüngung, in diesem Fall 170 kg, werden auf einem Weizenstandort rund 3,5 Tonnen Korn mehr geerntet. Das bedeutet einen Mehrertrag an Energie von 55 Gigajoule (GJ) bei einem Einsatz von acht  GJ für die Düngung.

Integriert man alle benötigten Betriebsmittel, also Düngung, Diesel, Saatgut, Pflanzenschutz sowie die Herstellung und Instandhaltung der Maschinen in diese Betrachtung, so wird das Bild noch deutlicher: Einer Untersuchung der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) und der Universität Halle zufolge entsteht aus zehn GJ aufgewendeter Energie mit Hilfe des Sonnenlichts ein Energieertrag in Korn und Stroh von 185 GJ.

Die BBA hat auch die Frage nach der optimalen Pflanzenschutz-Intensität gestellt. Optimierter Pflanzenschutz bedeutet heute: Es wird nur so viel gespritzt, wie zur Bekämpfung des aktuellen Problems nötig ist. In diesem Beispiel erfordert der Pflanzenschutz einen Energie-Input von weniger als 1 GJ. Der zusätzliche Energiegewinn liegt jedoch bei fast 60 GJ.

An dieser Stelle sollte betont werden, dass ein optimaler Einsatz von Düngung und Pflanzenschutz nicht notwendigerweise mit höheren Umweltbelastungen verbunden ist: So gehen die Stickstoffüberschüsse und Einträge von Pflanzenschutzmittel in das Grundwasser seit Jahren kontinuierlich zurück. Dennoch wird immer wieder gefordert, den Einsatz dieser Betriebsmittel zu reduzieren. Beispielhaft sei hier die so genannte thematische Strategie der Europäischen Union genannt. Dem Pflanzenschutz drohen dabei weit reichende Einschränkungen, wie zum Beispiel ein Anwendungsverbot in bestimmten Gebieten oder die Einführung von generellen Abstandsauflagen. Langfristig ist, so das Papier der Kommission, mit der Formulierung quantitativer Reduktionsziele zu rechnen.
 
Bereits heute muss die landwirtschaftliche Praxis aufgrund immer höher werdender Zulassungshürden und bürokratischen Restriktionen den Verlust von wichtigen Wirkstoffen und Produkten beklagen. Durch diese Verengung der Wirkstoffvielfalt werden tief greifende Probleme, wie etwa die Förderung resistenter Krankheitserreger oder Schädlinge, geschaffen. Zusätzlich fördert die Diskussion über die Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes die Anwendung von zu niedrigen Aufwandmengen bei, welche das Resistenzproblem weiter verschärfen. Rein quantitativ ausgerichtete Reduktionsziele schaffen also neue Probleme, ohne erkennbaren Nutzen. Um es deutlich zu sagen: Bei der Lektüre der politischen Maßnahmenpakete kann man sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass gefühlte Risiken und nicht mehr die wissensbasierte Erkenntnis das Handeln bestimmen. Und so werden wir mehr und mehr mit völlig irrealen Ansätzen konfrontiert.

Eine weitere Belastung mit weit reichenden Konsequenzen droht von der Novelle der Pflanzenschutzrichtlinie 91/414 der Europäischen Union:

Ziel der Richtlinie ist die Harmonisierung der europäischen Pflanzenschutzzulassung. Im Zuge der Novellierung sollen die vorläufigen nationalen Zulassungen abgeschafft werden, die bisher ein Garant für die frühzeitige Versorgung des Marktes mit neuen Wirkstoffen waren. Im Augenblick benötigt die Wirkstoffbewertung der EU fünfundfünfzig Monate. Wenn es der Kommission nicht gelingt, diese Verfahren zu beschleunigen, entsteht ein bürokratischer Stau, der zu deutlichen Verzögerungen in der Zulassung führt. Es ist deshalb sinnvoll, bis auf weiteres das flexible System der vorläufigen nationalen Zulassungen aufrecht zu erhalten.

Auch die weiteren Punkte der Novelle sind dazu geeignet, die Innovationskraft der Branche nachhaltig zu beschädigen:

  • Die Einführung einer vergleichenden Bewertung von Pflanzenschutzmitteln als Grundlage für den Ausschluss von Produkten stellt einen bisher nicht gekannten Eingriff in ein marktwirtschaftliches System dar. Hier sollte der Landwirt die Entscheidung über die Anwendung in der Hand haben. Dies ist kein Betätigungsfeld für staatliche Behörden.
  • bestimmte Wirkstoffeigenschaften sollen unabhängig von der Anwendung zum Ausschlusskriterium für die Zulassung erhoben werden. Auch hier soll also eine theoretische Gefahr an die Stelle einer realen Risikobewertung treten. Mit diesem System würden einige bewährte und sichere Pflanzenschutzmittel vom Markt verschwinden.

Heute, in Zeiten steigender Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte, gibt es für die Landwirte neue ökonomische Spielräume zur Ausrichtung der Produktion an der optimalen Intensität. Wir sollten die Handbremse lösen, um eine noch effizientere  landwirtschaftliche Produktion zu ermöglichen.

Nach wissenschaftlichem Ermessen, gibt es keinen Grund, dies nicht zu tun. Ein abschließender Blick auf eine Versuchsreihe der Universität Kiel mag das belegen: Auf einem Hochertragsstandort schnitt die intensive Fruchtfolge im Vergleich zu ökologischen Varianten im Hinblick auf Ertrag, Stickstoffeffizienz und Energieeffizienz am Besten ab. Beim Parameter Stickstoffauswaschung gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede.

Leider sind wir im Augenblick im Begriff, die Handbremse noch weiter zuzuziehen. Das Vorsorgeprinzip ist ein integraler Bestandteil unseres gesellschaftlichen und politischen Handelns geworden. In vielen Bereichen ist die Vorsorge an Stelle der wissenschaftlich basierten Risikoabschätzung getreten. Obwohl das Pflanzenschutz-Zulassungsverfahren diese Abschätzung für jeden Wirkstoff und jedes Produkt vornimmt, versucht die Politik unter dem Schlagwort der Vorsorge die Sicherheit noch sicherer zu machen.

Entscheidungsträger in den Behörden und vor allem in der Politik müssen sich der langfristigen Konsequenzen bewusst werden, die sich aus einer voreiligen Anwendung des Vorsorgeprinzips ergeben können. Die Abwanderung von Kompetenz gerät unter den neuen Herausforderungen zum prekären Standortnachteil:

Die Weltgetreidevorräte sind derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren angekommen. Die Preise für Agrarrohstoffe sind auf dem Höhenflug. Die große Nachfrage vor allem aus dem asiatischen Raum wird diese Entwicklung im Nahrungs- und Futtermittelsektor langfristig stützen. Die Flächen sind ausgereizt. Der mit der Klimadebatte einhergehende Boom bei der Erzeugung von Bioenergie verschärft die Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion. Pflanzliche Rohstoffe werden in Zukunft auch in der industriellen Produktion eine immer wichtigere Rolle übernehmen müssen. Die Weltbevölkerung wächst mittelfristig auf über acht Milliarden Menschen an. Eine Landwirtschaft, die ihre Erträge mit Mineraldünger steigert und mit Pflanzenschutzmitteln sichert, also am Optimum produziert, ist ein Gebot der Nachhaltigkeit.

Die europäischen Unternehmen der Pflanzenschutzindustrie wenden jährlich mehr als zwei Milliarden US Dollar auf, um neue und innovative Pflanzenschutzmittel zu entwickeln. Gemessen an den Forschungsausgaben in Relation zum Umsatz steht die Branche weltweit an zweiter Stelle. Sie hat erkannt, dass Wissen, Forschung und Kompetenz die einzigen Hebel sind, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Forschung und Know-How rund um die Pflanzenproduktion waren zu Beginn des modernen Ackerbaus Kernkompetenzen, die in Deutschland und Europa beheimatet waren. Wir brauchen die Rückbesinnung auf diese Führerschaft. Dazu bedarf es allerdings geeigneter Rahmenbedingungen und einer Politik, die die Forschung für eine Pflanzenproduktion am Optimum fördert und nicht ausbremst.

 
Druckversion  Druckversion       Seite empfehlen  Diese Seite empfehlen
 
 zurück zum Seitenanfang
 zur Homepage 
© 2008-DLG Impressum - Sitemap