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In seiner 93. Sitzung am 25. Mai 2004 in Derenburg befasste sich der DLG-Ausschuss für Pflanzenernährung in einer Vortragsreihe mit der
Stickstoff-Dynamik bei der organischen Düngung auf viehlosen Ackerbaubetrieben
Nachhaltige Kompostverwertung in der Landwirtschaft - Ergebnisse eines DBU-Projektes
Dr. Rainer Kluge und Prof. Dr. Friedel Timmermann, LUFA Augustenberg
Die Verfasser stellen die Ergebnisse eines von der DBU geförderten Forschungsprojektes vor, in dem Vorteilswirkungen und mögliche Risiken der landwirtschaftlichen Kompostanwendung geprüft wurden. Auf der Grundlage von Kompost-Dauerversuchen auf Praxistandorten kann festgestellt werden, dass bei Verwendung von geprüften, gütegesicherten Komposten und bei sachgerechter Anwendung nach den "Regeln guter fachlicher Praxis" von der Kompostanwendung mittelfristig keine Gefahren für Boden und Ernteprodukte hinsichtlich Schwermetallen, organischen Schadstoffen oder Fremdstoffen ausgehen. Nach ordnungsgemäßer Heißrotte kommt es auch nicht zu einer Zunahme von Krankheitserregern oder keimfähigen Samen im Boden. Pflanzenbaulich geeignete Kompostgaben von 20 t/ha TM im dreijährigen Turnus erbringen mittelfristig messbare Einsparpotenziale für den Landwirt. Durch die Zufuhr an organischer Substanz können die Humusgehalte im Boden erhalten bzw. sogar leicht angehoben werden - ein für Marktfruchtbetriebe mit negativer Humusbilanz wichtiges Argument für den Komposteinsatz. Die Kalkzufuhr entspricht einer Erhaltungskalkung. Die Zufuhr an P und K wird zügig und voll düngewirksam, d.h. die Grunddüngung kann eingespart werden. Die N-Mineralisation aus Komposten verläuft relativ langsam, damit aber auch gut kontrollierbar. In den ersten drei Jahren beträgt die kurzfristige N-Düngewirkung 3% - 5%, die mittelfristige N-Wirkung liegt bei ca. 10%. Die N-Ergänzungsdüngung ist deshalb bei regelmäßiger Anwendung mittelfristig um etwa 10% - 15% zu reduzieren. Mittel- und langfristig werden die Bodenstruktur sowie der Wasserhaushalt verbessert und das Bodenleben aktiviert, wodurch sich die Bodenfruchtbarkeit insgesamt erhöht. Durch die Kompostanwendung können zusätzliche Deckungsbeiträge von jährlich 60 - 90 €/ha erwirtschaftet werden. Wichtig ist es, Kompost in der Landwirtschaft zielgerichtet einzusetzen, d.h. nur bei Bedarf an Humus, Kalk und Nährstoffen. Unter diesen Bedingungen ist Kompost, schon aus Gründen der Ressourcenschonung, vor allem angesichts der endlichen P-Reserven, ein wertvoller Sekundärrohstoffdünger.
Versuchsergebnisse zur Stickstoff- und Phosphorwirkung von Fleisch-Knochenmehl
Dr. Erhard Albert, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Leipzig:
Fleischknochenmehl, als Nebenprodukt der Schlachtung von gesunden Tieren, stellt seit dem EU-Verfütterungsverbot von Tiermehlen eine preiswerte Düngungsalternative dar. Mit ca. 7,5% Gesamt-N und 6,5% Gesamt-P in der TM ist Fleischknochenmehl ein wertvoller Nährstoffträger und mit der novellierten Düngemittel-Verordnung als Düngemitteltyp organischer NP-Dünger zugelassen. In seinem Bericht informiert Dr. Albert über Ergebnisse aus Gefäßversuchen zur NP-Wirkung von Fleischknochenmehl. Die Verfügbarkeit des über Fleischknochenmehl eingebrachten N liegt im ersten Jahr bei optimaler Wasserversorgung bei 90%. Der Stickstoff wird aus leicht mineralisierbaren Aminoverbindungen freigesetzt, NH4-N macht nur einen geringen Anteil am Gesamt-N von Fleischknochenmehlen aus. Mit Fleischknochenmehl lässt sich im Vergleich zur Ammoniumnitratdüngung im vorgestellten Gefäßversuch eine 90%ige Ertragswirkung erzielen. Dies ist unter Praxisbedingungen allerdings nicht zu erwarten. Die P-Wirkung setzt verzögert ein. Fleischknochenmehl ist als langsam und nachhaltig wirkender Phosphatdünger anzusehen. Daher ist Fleischknochenmehl in erster Linie zur Erhaltungsdüngung zu empfehlen. Bei Transport, Lagerung und Ausbringung sind die entsprechenden Vorschriften zu beachten.
Versuchsergebnisse zum Einsatz von Hühnertrockenkot
Dr. Gerhard Baumgärtel, Landwirtschaftskammer Hannover
Hühnertrockenkot enthält in erheblichen Mengen N, P und K sowie Mg und Ca. Mit seinen hohen Nährstoffwerten ist HTK ein interessantes organisches Düngemittel und findet in jüngster Zeit verstärkt Verwendung in viehlosen Ackerbaubetrieben. Dr. Baumgärtel präsentiert in seinem Vortrag die Ergebnisse aus mehrjährigen Feldversuchen zur Verwendung von HTK in einer Rüben-Weizen-Weizen Fruchtfolge. Trockensubstanz und Nährstoffgehalte von HTK können stark variieren, eine Untersuchung des Materials ist daher sehr empfehlenswert. Phosphor, Kalium, Magnesium und Calcium aus dem HTK sind bei der Düngeplanung mittel- bis langfristig voll anzurechnen. Die N-Wirkung hängt von Anwendungszeitpunkt und -bedingungen ab. Der N liegt im HTK organisch, in erster Linie als Harnsäure vor. Im Boden erfolgt eine rasche Umsetzung in Harnstoff, Ammonium und Nitrat, vergleichbar schnell wie bei Gülle. Bei der Ausbringung auf die Getreidestoppel ist daher der Anbau einer Zwischenfrucht unbedingt erforderlich, das umgehende Einarbeiten empfehlenswert. Für HTK gilt ein Ausbringungsverbot im Winter. Kopfdüngung im Frühjahr zu Getreide ist zwar möglich aber technisch kaum umzusetzen. Die N-Wirkung zu Hackfrüchten ist hoch und kann 80% bis 100% erreichen, bei Getreide ist sie deutlich niedriger anzusetzen (40% - 50%). Die N-Nachwirkung von HTK ist hingegen gering.
Erfahrungen mit Hühnertrockenkot und Schweinegülle im Lohnbetrieb
Fritz Seiler, Landwirt und Lohnunternehmer, Rothalmünster
Als Landwirt und als Lohnunternehmer setzt Herr Seiler Schweinegülle auf dem eigenen Betrieb und auf Fremdbetrieben ein und verwertet Hühnertrockenkot sowie Putenmist. Im Beitrag stellt er seine umfangreichen Erfahrungen vor. Im eigenen Betrieb erfolgt seit 1983 die P- und K-Düngung ausschließlich und seit den 90er Jahren die Körnermaisdüngung in Kombination mit Zwischenfruchtbau und Mulchsaat über Schweinegülle. Nährstoffanalysen sind unbedingt erforderlich, da die Nährstoffgehalte in der Gülle erheblich von Tabellenwerte abweichen können und einer weiten Variation unterliegen. Zu beachten ist vor allem auch die Versorgung mit Spurenelementen (v.a. Zink, Mangan und Kupfer aber auch Schwefel), da aufgrund der optimierten Fütterung die Gehalte in der Gülle abnehmen. Voraussetzung für eine optimale Ausnutzung der Gülle ist das Vorhandensein von ausreichend Lagerraum und eine schlagkräftige Technik. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Gülle sowohl im Lagerraum als auch in den Transport- und Ausbringfahrzeugen homogen gehalten wird, z.B. durch Rührwerke. Hühnertrockenkot und Putenmist haben eine hohe Nährstoffkonzentration. Auch hier können die Gehalte stark schwanken, so dass unbedingt eine Analyse erfolgen sollte. Ein Aufmischen der Gülle mit HTK ist sehr gut möglich. Putenmist mit Gülle funktioniert aufgrund der Hobelspäne sehr schlecht. Die Erfahrungswerte für die N-Verfügbarkeiten aus HTK liegen um 55% im ersten Jahr, 30% im zweiten und 15% im dritten Jahr. Sie sind aber stark von äußeren Faktoren, v.a. von Temperatur und Niederschlag beeinflusst. Daher ist ein Düngefenster zur Kontrolle empfehlenswert. Eine Ausbringung in den Bestand ist unter Praxisbedingungen in der Regel nicht möglich. Die Ausbringung vor der Saat hat sich bewährt, eine sofortige Einarbeitung ist zur Vermeidung von Nährstoffverlusten und zur Verhinderung von unnötiger Geruchsbelästigung notwendig. Um Konflikte mit der Bevölkerung zu vermeiden ist eine offene Umgangsweise empfehlenswert.
Praxiserfahrungen mit Schweinegülle auf einem Betrieb mit langjähriger konservierender Bodenbearbeitung
Werner Kropf, Pflanzenbau Böhnshausen GbR, Langenstein
Die Pflanzenbau Böhnshausen GbR kann auf langjährige Erfahrungen mit konservierender Bodenbearbeitung zurückblicken. Der Einsatz von Fremdgülle hat sich dabei sehr gut bewährt. Herr Kropf stellt zunächst die Eckdaten des Betriebes vor und berichtet anschließend vom Düngemanagement des Unternehmens. Die Pflanzenbau Böhnshausen GbR bewirtschaftet über 1000ha Ackerland. In erster Linie sind es Lehmböden, ein nur geringer Anteil sind Sand- oder Tonböden. Typische Fruchtfolgen sind auf den Lehmböden ZR-WW-Raps-WW-E-WW und auf den Tonböden Raps-WW-SG-E-WW-SG. Stoppel-, Grundboden- und Saatbettbearbeitung erfolgen mit dem Schälgrubber, die Aussaat mit einer J. Deere Mulchsaatmaschine 740A. Die Gülle wird von einem nahe gelegenen Schweinemastbetrieb bezogen. Eigene Lagerkapazitäten ermöglichen eine hohe Flexibilität und Schlagkraft. In die Nährstoffbilanzen geht der Gülle-N im ersten Jahr zu 50% ein, P und K werden vollständig angerechnet. Für die mineralische N-Düngung wird der N-Bedarf über N-Sensor und N-Tester ermittelt. Die exakte Datenerfassung und das umfangreiche Datenmanagement sind Voraussetzung für den sachgerechten Einsatz von hohen Mengen an organischen Düngemitteln.
Einsatz organischer Dünger auf einem Ackerbaubetrieb am Rande der Magdeburger Börde
Klaus Münchhoff, Münchhoff Rimpau GbR, Derenburg
Auch bei der Münchhoff Rimpau GbR werden Fremdgülle und Putenmist als organische Düngemittel eingesetzt. Herr Münchhoff stellt seine Düngungsstrategie vor und berichtet über seine Erfahrungen. Der Betrieb umfasst annähernd 1.600ha, davon 1.500ha Ackerland mit Bodenpunkten von 23 bis 100. Typische Fruchtfolgen sind ZR-WW-WW-E-WW-WW oder Raps-WW-WW-WG und Raps-WW-WW. Der Anteil an Blattfrüchten beträgt 26%, der Mähdruschfrüchteanteil 86%. Nach Raps, Erbsen, Zuckerrüben und falls möglich nach Gerste zu Raps erfolgt die Bodenbearbeitung pfluglos. Im laufenden Jahr beträgt der Anteil pflugloser Bodenbearbeitung ca. 40%. Seit 2003 wird der Bodenscanner eingesetzt. Die Ergebnisse werden zur Planung der Bodenbeprobung herangezogen. Die ermittelten Nährstoffgehalte dienen dann der Düngeplanung. Die Nährstoffversorgung variiert auch innerhalb einzelner Schläge für P, K und Mg von den Klassen C bis E, die pH-Werte liegen zwischen 6,6 und 7,5. Stroh und Zuckerrübenblatt verbleiben auf dem Acker. Weiterhin werden ca. 4.000m3 Schweinegülle (10m3 - 15m3/ha) und ca. 800t Putenmist (3t - 5t/ha) vorwiegend zu Raps und zu Stoppelweizen als organische Düngemittel eingesetzt. Die Ergebnisse der Inhaltsstoffuntersuchungen machen erneut deutlich, dass die Gehalte an N, P, K und Mg in der Schweinegülle und im Putenmist stark variieren können und eine Nährstoffanalyse unumgänglich ist. Auch eine unterschiedliche N-Versorgung der Böden kann zu Problemen führen. Zur besseren Verwertung und damit zur Kostenminimierung sowie aufgrund der gesetzlichen Vorgaben wäre auch für die organische Düngung eine teilflächenspezifische Ausbringung sinnvoll. Der N-Sensor kann hier eine Hilfe sein.
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