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Qualität ist gefragt

Qualität braucht Innovationsführerschaft - Ethisch-moralische Werte gewinnen an Bedeutung - Über 600 Teilnehmer bei DLG-Lebensmitteltagen in Frankfurt am Main/Bad Soden

Qualität ist und bleibt ein zentrales Thema bei der Herstellung von Lebensmitteln. Ihre Bedeutung wird noch zunehmen. Hierüber waren sich alle Sprecher bei den Lebensmitteltagen der DLG, die jetzt in Frankfurt am Main und im nahen Bad Soden stattfanden, einig. Mehr als 600 Teilnehmer diskutierten auf dem zweitägigen Branchenforum der Lebensmittelwirtschaft über aktuelle Qualitätsherausforderungen der Verbraucher und der Lebensmittelmärkte sowie über Erfolgsstrategien zur Profilierung im Markt.

Über 600 Teilnehmer diskutierten auf den DLG-Lebensmitteltagen in Frankfurt am Main/Bad Soden über aktuelle Qualitätsheraus- forderungen der Verbraucher und der Lebensmittelmärkte. Hier eröffnet DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer die Tagung.

erbraucher achten zwar nach wie vor stark auf den Preis, doch Dr. Markus Miele sieht eine deutliche Umkehr in Richtung Qualität. Als Beleg für diesen Trend verwies der Geschäftsführende Gesellschafter des gleichnamigen bekannten Haushaltsgeräteherstellers auf Ergebnisse des Marktforschungsunternehmens GfK in Nürnberg, dessen mehrjährige Befragungen die wachsende Bedeutung dieses Faktors zeige. Qualität überzeuge die Verbraucher, so Dr. Miele. Dies gelte insbesondere für Premiumprodukte, die höchsten Ansprüchen genügen müssen. Forschung und Entwicklung sowie modernste Fertigungsmethoden sind die Grundlagen für die durch hochwertige Technik, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit charakterisierte Qualitätsführerschaft. Speziell bei Premiumprodukten ist für ihn „fortwährende Innovationsführerschaft“ unumgängliche Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. „Immer besser“ lautet die Leitlinie daher bei Miele von Anbeginn der Firmengeschichte. „Denn nur, wer immer besser wird, kann auf Dauer Erfolg haben“, so Dr. Markus Miele. Dieser Anspruch mache umfangreiche Tests zur Qualitätssicherung unverzichtbar, weshalb Miele seit Jahren erheblich in eigene Testlabors sowie in begleitende Tests durch unabhängige Institute investiere.

Die objektiv messbare Qualität von Produkten ist nach Aussage von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer ein Erfolgskriterium für die Unternehmen. Die „perfekte Herstellung“ von Lebensmitteln reiche längst nicht mehr aus, um im Markt erfolgreich zu sein. „Dafür sind das Verständnis von Qualität und die daraus resultierenden Verbrauchererwartungen zu vielfältig geworden“, so Bartmer. Hinzu kommt, so die Wiener Psychologin und Motivforscherin Dr. Helene Karmasin, dass sich das Qualitätsbewusstsein im Laufe des Lebens verändere. Während es jungen Menschen primär nicht um Qualität, sondern „um das Spektakuläre“ gehe, werden die Verbraucher mit zunehmendem Alter sensibler für Qualitätsaspekte, und dies vor allem bei Lebensmitteln. Neben den Kriterien Service, Kommunikation und Werthaftigkeit seien für diese „Vertrauen und vor allem Genuss“ besonders wichtig, so Dr. Karmasin.

Dr. Markus Miele

Qualität muss begründet werden
Der perfekte Kundenservice spielt für den Verbraucher zunehmend eine wichtige Rolle. Allerdings ist und bleibt die Produktqualität der Schlüsselfaktor für dessen Zufriedenheit und für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Diese Qualität wollen die Verbraucher begründet und bestätigt sehen, wie Dr. Helene Karmasin in ihrem Vortrag betonte. Auch Susanne Pahnke-Leimbach, Markenentwicklerin und Geschäftsführerin der „Markenschmiede“ in Hamburg, sieht diese Bestätigung als Notwendigkeit „für die perfekte Qualität eines Produktes. Denn Qualität bedeutet für den Verbraucher Sicherheit, und diese möchte er bestätigt sehen.“

Bei der Vermittlung von Qualität muss die Form der Kommunikation stärkere Beachtung finden. Hier sieht Dr. Helene Karmasin großen Nachholbedarf. Für sie stellt die Kommunikationsqualität „ein sehr großes Problem dar“. Diesbezüglich verwies DLG-Präsident Bartmer auf die Ergebnisse einer Befragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach, die von der DLG in Auftrag gegeben worden war. Danach wünschen sich Verbraucher mehr Informationen über die Qualität von Lebensmitteln. „Qualität ist also immer auch mit Information und Kommunikation verbunden“, so der DLG-Präsident. Für Bartmer beinhaltet Qualität daher eine stete und vor allem glaubwürdige Kommunikation in Richtung Verbraucher.

Prof. Dr. Ulrike Detmers

Ethisch-moralische Aspekte von Qualität gewinnen an Bedeutung
In Zukunft werden ethisch-moralische Aspekte als Teil der Qualität an Bedeutung gewinnen. Diesen Trend beobachten sowohl Dr. Helene Karmasin als auch Prof. Dr. Ulrike Detmers, die Markenchefin und Mitgesellschafterin des Gütersloher Weltmarktführers für Vollkornspezialitäten Mestemacher. „Die Gesinnungs- und Verantwortungsethik wird in unserer Gesellschaft immer relevanter“, so Dr. Karmasin. Daher müssen für die renommierte Wiener Motivforscherin „Produkte und Marken verstärkt auch mit moralischen Qualitäten ausgestattet werden“. Für Ulrike Detmers, die zugleich Professorin für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Bielefeld ist, gehört das „Moralprofil“ bereits heute zu einer starken Marke. Zwar stehe der Trend zur Moralisierung der Märkte erst am Anfang, doch werden vermehrt Produkte und Dienstleistungen mit einem ethisch-moralischen Zusatznutzen entstehen. „Diese werden zunehmend zu einem Kauf- und Identifikationskriterium für Verbraucher“, davon ist Prof. Ulrike Detmers überzeugt. Mehr noch: Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um qualifizierte Mitarbeiter werde die „ethical brand“ als „moralische Arbeitgebermarke“ zu einem Wettbewerbsfaktor. Da das „Moralprofil“ für Mestemacher wichtiger Bestandteil des Markenimages ist, engagiere sich das Unternehmen seit einigen Jahren konsequent für soziale Themen, wie etwa die Gleichstellung von Frau und Mann sowie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, engagiert.

Dr. Helene Karmasin

Emotionale Qualität entscheidend
Angesichts der unüberschaubaren Flut vergleichbarer Produkte, sehne sich der Verbraucher nach einem Gefühl der Sicherheit, das ihm die Möglichkeit gebe, diese Angebotsfülle zu ordnen und zu verstehen, so die Erfahrungen der Hamburger Markenexpertin Susanne Pahnke-Leimbach. Es sei die emotionale Qualität eines Produktes, die es dem Konsumenten ermögliche, sich zwischen Produkten gleicher physischer Qualität zu entscheiden. Um zu einem Produkt zu werden, für das sich Millionen Konsumenten entscheiden, müsse man es zusätzlich mit emotionaler Qualität ausstatten. Für Susanne Pahnke-Leimbach ist die emotionale Qualität der einzige Garant für eine Alleinstellung in den Märkten, in denen die physischen Qualitäten der Produkte nahe beieinander liegen. Ähnlich sieht es auch Dr. Helene Karmasin, wenn sie davon spricht, dass „es heute nicht mehr genügt, Qualität zu produzieren, sondern man muss auch Gefühl herstellen“.

DLG-Lebensmitteltage haben sich als Branchentreff etabliert
Die DLG-Lebensmitteltage haben sich bereits nach der zweiten Durchführung als ein führender Branchentreffpunkt in Sachen Lebensmittelqualität etabliert, wie DLG-Vizepräsident Helmut Ehlen in seinem Schlusswort feststellte. Mit mehr als 600 Teilnehmern konnte die DLG gegenüber der Premiere im Vorjahr einen erfreulichen Zuwachs von 20 Prozent registrieren. Besonders die Fachforen am 26. September sorgten für volle Säle. Auch die „Preis der Besten“-Siegerehrungen sowie der stilvolle Empfang durch den Magistrat der Stadt Frankfurt und den DLG-Vorstand im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses Römer am Abend des ersten Tages hatten deutliche Mehrbesuche zu verzeichnen.

Die nächsten DLG-Lebensmitteltage werden am 8. und 9. Oktober 2008 wieder in Frankfurt am Main und im nahen Bad Soden stattfinden.

 

 
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