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DLG-Testzentrum Lebensmittel: „Weniger ist mehr“
Vom Konsum zum Genuss von Convenience-Produkten - DLG stellt Genussregeln vor – DLG-Qualitätsprüfung für Convenience-Food in Bad Salzuflen
Wer genießen will, braucht Zeit. Mit der schnellen Mahlzeit, für die Convenience-Produkte stehen, passt das allerdings nicht zusammen. Sollte man deshalb in diesem Produktbereich nicht eher von Konsum als von Genuss sprechen? Das Testzentrum Lebensmittel der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) beantwortete diese Frage vor der Presse aus Anlass ihrer internationalen Qualitätsprüfung für Convenience-Food in Bad Salzuflen. In den Messehallen wurden vier Tage lang 3.000 Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte, Feinkosterzeugnisse und Frischfleisch in Selbstbedienungspackungen (SB) getestet.
Convenience-Produkte können, wie alle anderen Lebensmittel auch, sowohl Konsum- als auch Genussobjekt sein. „Es kommt darauf an, wie damit situativ umgegangen wird“, erklärt Prof. Dr. Jörg Oehlenschläger, wissenschaftlicher Leiter der DLG-Qualitätsprüfung Convenience-Food. Wer eine tiefgekühlte Pizza schnell in die Mikrowelle schiebt oder aber Kaviar beim Fernsehen nebenbei „verdrückt“, ohne auf die Besonderheiten des Geschmacks zu achten, konsumiere und genieße nicht. Genießen beginne mit der bewussten Wahrnehmung, der Beachtung der Unterschiede, dem Entschluss jetzt eine Pizza oder Kaviar genießen zu wollen. Auch das Ambiente spiele dabei eine nicht zu vernachlässigende Rolle, so Prof. Oehlenschläger.
„Wer genießen will, muss mental dazu bereit sein“, sagt der DLG-Experte. Denn Genuss hat immer etwas mit der bewussten Entfaltung komplexer sinnlicher Eindrücke zu tun. Doch genau diese Fähigkeit haben nach Einschätzung von Prof. Oehlenschläger viele Verbraucher durch die Hektik des Alltags verlernt. Die „Lebensmittelsicherheit“ ist seiner Meinung nach in den letzten Jahren aufgrund von vermeintlichen oder echten Lebensmittelskandalen verstärkt in den Mittelpunkt des Verbraucherinteresses gerückt. Das Genusspotential und der Wert eines Lebensmittels gerieten darüber in Vergessenheit. „Aber der Genusswert gehört zu einem ganzheitlichen Verständnis von Lebensmittelqualität“, betont der DLG-Experte. Er ergibt sich aus der sensorischen Fehlerfreiheit eines Produktes. „Und genau hier setzt die Aufgabe der DLG-Qualitätsprüfungen ein. Denn in der Bewertung durch die DLG-Experten steht das sensorische Qualitätsprofil an erster Stelle.“
Genießen als Kulturgut stärken
„Wir müssen das bewusste Verzehren und Genießen von Lebensmitteln auch als Kulturgut wieder stärker in den Fokus der Verbraucher rücken. Denn nur so kann die Wertschätzung von Lebensmitteln im täglichen Leben erhöht werden“, fordert der wissenschaftliche Leiter des DLG-Qualitätstests, der den augenblicklich zu beobachtenden, inflationären und unreflektierten Gebrauch des Wortes Genuss ablehnt. Er räumt allerdings ein, dass ein gesamtgesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Genussfreundlichkeit und Qualitätsdenken seit kurzem zu beobachten sei. „Der Hektik und den schnellen Mahlzeiten zwischendurch werden Genuss-Oasen zum Kraft auftanken entgegengesetzt“, so Prof. Oehlenschläger. Convenience-Produkte können hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Sie werden, das zeichnet sich beim aktuellen DLG-Qualitäts-Test ab, heute in hervorragenden Qualitäten hergestellt.
Genussregeln für Convenience-Produkte
Convenience-Produkte können dann Genuss bieten, wenn folgende allgemein gültigen Genussregeln beachtet werden:
1. Genuss braucht Zeit. 2. Genuss muss erlaubt sein (Erziehungswerte). 3. Genuss geht nicht nebenbei. 4. Weniger ist mehr. 5. Ohne Erfahrung kein Genuss. 6. Genuss: aussuchen, was gut tut.
Genuss bedeutet Lusterleben und ist immer ein positives Gefühl, das individuell unterschiedlich erlebt wird und nicht statisch ist. Denn Vorstellungen von Genuss verändern sich. „Genuss hat keine Bedeutung ohne eine gewisse Enthaltsamkeit. Wer nicht gelegentlich auf etwas verzichtet, konsumiert lediglich und findet auch in begehrten Dingen keinen Genuss. Weniger ist eben mehr“, so Prof. Oehlenschläger abschließend.
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