DLG e.V. - Test Rundballenpresse CLAAS VARIANT 485 RC PRO

Rundballenpresse CLAAS VARIANT 485 RC PRO Gesamt-Prüfung

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Das Produkt

CLAAS VARIANT 485 RC PRO

Beschreibung und technische Daten:

Bei der CLAAS VARIANT 485 RC PRO handelt es sich um eine Rundballenpresse mit variabler Ballenkammer. Sie ist eine Weiterentwicklung und das Nachfolgemodell der bereits seit mehreren Jahren im Markt eingeführten CLAAS VARIANT 385 RC PRO. Die Ballenkammer hat eine Breite von 1,20 m und der Ballendurchmesser kann in einem Bereich von 0,90 m bis 1,75 m eingestellt werden. Die Kammer ist mit vier endlosen Bändern ausgestattet, welche den Ballen formen und verdichten. Neben der Vorwahl des Pressdrucks bietet die Presse auch eine Einstellung für die Anfertigung von Ballen mit Weichkern. Zur Ausstattung der Maschine zählen die Pickup mit einer Breite von 2100 mm und Doppelrollenniederhalter sowie das Schneidwerk mit 14 einzeln abgesicherten Messern. Serienmäßig verfügt die Presse über einen absenkbaren Schneidboden. Dieser ist nicht nur bei eventuellen Verstopfungen aus der Kabine absenkbar, sondern kann selbständig bis zu 3 cm bei hohen Schichtdicken nachgeben. In diesem Fall wird dem Fahrer über ein Symbol im Bedienteil ein Hinweis darüber gegeben, dass er am Leistungsoptimum fährt (Schneidboden PRO). Die Messer können je nach Einsatzzweck händisch aus dem Schneidboden entnommen werden. Die verbaute Ballenrampe verhindert beim Schließen der Heckklappe eine Kollision mit dem Ballen. Die Bedienung der Pickup sowie der Hecklappe erfolgt jeweils direkt über ein Hydrauliksteuergerät des Traktors. Das Ausführen der Funktionen „Schneid­boden heben/senken“ oder „Messer ein/ausschwenken“ erfolgen nach Vorwahl im Bedienterminal CLAAS COMMUNICATOR II ebenfalls über ein weiteres Hydrauliksteuergerät des Traktors. Die Rundballenpresse war im DLG-Test über ISOBUS mit dem Schlepper und dem Bedienterminal verbunden.

Die spiralförmigen Sternzinken des in der Maschine verbauten Heavy Duty-Rotors weisen eine Breite von 8 mm auf. Im Vergleich zum Vorgängermodel wurde bei der CLAAS VARIANT 485 RC PRO die Bandgeschwindigkeit bei Nenndrehzahl auf 3,1 m/s erhöht (Herstellerangabe) und der Zeit­bedarf für das Öffnen und das Schließen der Heckklappe um 30 % reduziert. Dadurch können im Vergleich zum Vorgängermodell die Standzeiten gesenkt und ein höherer Durchsatz pro Stunde realisiert werden.

Beurteilung – kurz gefasst

Die Rundballenpresse CLAAS VARIANT 485 RC PRO hat die Anforderungen aus dem DLG-Prüfrahmen erfüllt und konnte bei den darin festgelegten Prüf­kriterien in weiten Bereichen überzeugen.

Funktionsprüfungen

Bei den Funktionsprüfungen in Grassilage und Weizenstroh ergaben sich für die unterschiedlichen Test-
Varianten unter den Versuchsbedingungen die in Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse.

Die Grundeinstellungen der Presse wurden für die Messungen hierbei an die jeweiligen Ernte­bedingungen
vor Ort angepasst. Die gefahrenen Geschwindigkeiten ergaben sich aus der Vorgabe im DLG-Prüfrahmen, in ca. 60 Sekunden einen Ballen zu füllen.

Tabelle 1: Versuchsvarianten und Ergebnisse in der Funktionsprüfung

* theoretische Durchsatzleistung ohne Berücksichtigung der Standzeiten für das Binden und Auswerfen
** berechnete praktische Durchsatzleistung mit Einbeziehung der Standzeiten
*** Zugmaschine: CLAAS ARION 460

Im Rahmen der Funktionsprüfungen wurde auch die Einhaltung der vorgewählten Ballendurchmesser und Lagenanzahl des Wickelnetzes überprüft. Tabelle 2 zeigt die Ergebnisse.
Die unter den Versuchsbedingungen maximal mög­lichen Fahrgeschwindigkeiten (VMAX) mit den daraus resultierenden theoretischen Pressgutflüssen sind in Tabelle 3 aufgeführt. Bei den hier angegebenen Werten handelt es sich um Einzelwerte, die kurz vor dem Erreichen der Stopfgrenze erfasst wurden.

Praxistest

Die Praxiseinsätze wurden mit sechs versierten Testpersonen durchgeführt. Bei der Gesamtbetrachtung der Bewertungen durch die Praktiker erreichte die Presse zwar eine überdurchschnittliche, aber doch keine ausgewiesen hohe Einstufung. Als arithmetisches Mittel aus allen abgefragten Einzel­bewertungen ergibt sich ein Wert von 2,2. Das Gesamturteil liegt also nahe bei „gut“. Tabelle 4 zeigt die Praktikerbewertungen für die verschiedenen Fragenblöcke.

Wartungsarbeiten

An häufig wiederkehrenden Wartungsarbeiten wurde im DLG-Test der Zeitbedarf von mehreren Testpersonen für das Abschmieren aller Schmiernippel, für den Ausbau aller Messer und für das Einlegen einer Netzrolle gemessen.

ISOBUS-Praxistest

Beim ISOBUS-Praxistest werden die über das Terminal angesteuerten Funktionen der Ballenpresse mit drei unterschiedlichen ISOBUS-Terminals ausgeführt. Die Teilprüfung wurde erfolgreich bestanden.

Überprüfung der Einhaltung arbeitssicherheitstechnischer Vorgaben

Auf Basis der vorliegenden Unterlagen und des Maschinenrundgangs durch die Deutsche Prüf- und Zertifizierungsstelle für Land- und Forsttechnik (DPLF) wird die Einhaltung der aktuellen Sicherheitsempfehlungen bestätigt.
  

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Tabelle 2: Anzahl der Netzwicklungen

Ballendurchmesser [cm] Lagenanzahl
Pressgut SOLL IST SOLL IST
Silage 130 132 [128-137] 2,7 3
Stroh 150 150 [146-152] 3 3
Stroh 175 180 [177-184] 3,5 3,7

Tabelle 3: VMAX und theoretischer Pressgutfluss bei VMAX

Silage Stroh
Messeranzahl 14 7 0 0
VMAX [km/h] 10,9 14,1 14,9 23
t-Gutfluss FM* [t/h] 121,1 156,6 165,4 36,8

*    theoretischer Pressgutfluss bei maximal möglicher Fahr­geschwindigkeit (ermittelt aus den Schwadproben)
 

Tabelle 4: Praktikerbewertung

Fragenblock Benotung*
An- und Abhängen 1,8
Bedienung und Einstellung 2,2
Arbeitsqualität 2,0
Reinigung und Wartung 2,6
Gesamtnote 2,2

* DLG-Bewertungsschema:
1 = sehr gut | 2 = gut | 3 = befriedigend | 4 = ausreichend | 5 = mangelhaft

Die Methode

Funktionsprüfung

In der DLG-Teilprüfung „Funktionsprüfung“ werden beim Pressentest leistungsrelevante Kriterien unter Praxisbedingungen im Feldversuch getestet. Hierbei werden die Pressgüter (mindestens Silage und Stroh) und verschiedene Einstellungen (Ballendurchmesser, Pressdruck, Messeranzahl) sowie die Fahrgeschwindigkeit variiert, um darüber ein möglichst weites Einsatzspektrum abzudecken.

Die Grundeinstellungen der Presse werden an die jeweiligen Erntebedingungen vor Ort angepasst. Zur Dokumentation werden die Geländeeigenschaften und die beim Versuch herrschende Witterung beschrieben. Zudem werden die Zusammensetzung sowie der Trockenmassegehalt des Pressguts ermittelt und die Schwadkennwerte (Schwadbreite, -höhe und -masse je laufendem Meter) gemessen.

In jeder Einstellvariante werden mehrere Ballen gepresst und bei Silageballen auch gewickelt. Direkt nach dem Pressen wird jeder Ballen vermessen und gewogen. Aus den Werten wird anschließend die mittlere Ballendichte für jeden einzelnen Ballen berechnet. Stichprobenartig wird die Anzahl der Netzwicklung am gepressten Ballen überprüft. Beim Funktionstest in Silage wird im Anschluss an den Feldtest die Ballendichteverteilung von ausgewählten Ballen aus den Versuchsvarianten gemessen.

Die Fahrzeiten, Wickelzeiten für das Netz und die Auswurfzeiten werden erfasst. Die Summe aus Wickel- und Auswurfzeit wird als Stand- oder Prozess­zeit bezeichnet. Die theoretische Durchsatzleistung (t/h) in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit errechnet sich aus der reinen Fahrzeit und den Ballengewichten oder der Schwadstärke, die Stand- und Wendezeiten bleiben hierbei unberücksichtigt. Bei der Berechnung der praktischen Durchsatzleistung werden die Standzeiten mit einbezogen. Zusätzlich werden Fahrten zur Ermittlung der maximal möglichen Fahrgeschwindigkeit (VMAX) vor dem Stopfen der Presse durchgeführt und die theoretischen Pressgutflüsse berechnet.

Die tatsächliche Fahrgeschwindigkeit, der Leistungsbedarf an der Zapfwelle und optional auch der Kraftstoffverbrauch der Zugmaschine werden mit DLG-Messtechniken erfasst.

Handhabung, Bedienung und Wartung

Die nachfolgend beschriebenen Wartungstätigkeiten werden bei der Prüfung einer Rundballenpresse durch fachkundige Praktiker als Testpersonen durchgeführt und der dafür benötigte Zeitbedarf ermittelt:

  • Abschmieren aller Schmiernippel an der Presse
  • Ausbau aller Messer und Einbau aller Blindmesser
  • Einlegen einer neuen Netzrolle

Praxistest und Befragung von Praktikern zum Einsatz der Maschine

Die Rundballenpresse wird im Praxiseinsatz von mindestens fünf versierten Testpersonen eingesetzt. Die Testpersonen werden dann befragt und geben unabhängig voneinander ihre Bewertungen zur Handhabung, Arbeitsqualität und Wartung durch das Ausfüllen eines standardisierten Fragebogens ab.

ISOBUS-Praxistest

Beim ISOBUS-Praxistest wird zunächst überprüft, ob der verbaute ISOBUS-Controller die Komponenten-Zertifizierung „AEF-conform“ besitzt (Agricultural Industry Electronics Foundation). Anschließend wird das System mit einem Bedienterminal gekoppelt und die über den Datenbus fließenden Daten sowie Fehlermeldungen protokolliert und ausgewertet. Wichtige Prüfkriterien sind dabei vor allem:

  • Übertragung der Bedienoberfläche auf das Bedienterminal,
  • Funktionstest der Bedienoberfläche,
  • Nutzbarkeit der Maschinendaten.

Überprüfung der Einhaltung arbeitssicherheits­technischer Vorgaben

Die Überprüfung erfolgt durch die Deutsche Prüf- und Zertifizierungsstelle für Land- und Forsttechnik (DPLF). Überprüft wird die Einhaltung der in den relevanten Normen aufgeführten Vorgaben und Anforderungen zur Arbeitssicherheit.

Die Testergebnisse im Detail

Versuch

Die Funktionsprüfungen in Silage (1. Schnitt) und Weizenstroh wurden in der Erntesaison 2016 auf landwirtschaftlichen Flächen in Frankreich durchgeführt. In beiden Teilprüfungen war die Presse mit dem Rundballen-Wickelnetz „CLAAS ROLLATEX 2800“ bestückt und als Zugfahrzeug kam ein CLAAS ARION 460 zum Einsatz.

In beiden Pressgütern wurden die Fahrgeschwindigkeiten sowie die Anzahl der zugeschalteten Messer und zusätzlich die Zapfwellendrehzahl variiert. Die in den Versuchen gefahrenen Geschwindigkeiten orientierten sich hierbei an den vorgefundenen Erntebedingungen. Für die Ballendurchmesser wurden in Silage 1,30 m und in Stroh 1,50 m sowie 1,75 m vorgewählt. Der Pressdruck war in allen Varianten auf 100 % eingestellt. In beiden Erntegütern wurden darüber hinaus einzelne Messfahrten zur Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs und der maximal möglichen Fahrgeschwindigkeit (VMAX) unter den Versuchsbedingungen durchgeführt. Die einzelnen Versuchsvarianten und die resultierenden Einzelergebnisse sind in Tabelle 1 dargestellt.

Erntebedingungen und Schwadkennwerte

Für die Prüfung in Silage standen zwei ebene bis leicht geneigte Dauergrünlandflächen zur Verfügung. Die Durchsatzversuche mit den Messungen zum Kraftstoffverbrauch und zum Leistungsbedarf an der Zapfwelle wurden auf Fläche 1, die Fahrten zur Ermittlung der maximal möglichen Fahrgeschwindigkeit („Stopfgrenzen“) auf Fläche 2 durchgeführt. Direkt vor den Messfahrten wurde das Futter mit einem CLAAS Liner 2700 bei einer Arbeitsbereite von 6,60 m geschwadet. Das Futter war bei den Messfahrten aber relativ ungleichmäßig abgetrocknet, und es fielen in den Schwaden einzelne Feuchtenester auf. Vor allem der im Nachgang festgestellte Trockenmassegehalt von Variante V2G liegt mit 32 % auf einem niedrigeren Niveau als in den anderen Varianten mit Werten nahe 40 % TM.

Die Flächen für die Prüfung in Stroh wurden vier Tage vor dem Prüfungstermin mit einem Schüttler­mäh­drescher mit 6 m Schnittbreite gedroschen. Die Strohschwade waren in Form, Stärke sowie den TM-Gehalten gleichmäßig. Der Strohertrag war relativ gering. Die Schwadkennwerte, Trockenmassegehalte mit Spannbreiten und den Futtererträgen sind in Tabelle 5 wiedergegeben.

Ergebnisse

Bild 8 zeigt die in den DLG-Funktionsprüfungen ermittelten Kennwerte für die verschiedenen Versuchsvarianten.

Tabelle 5: Schwadkennwerte und Durchschnittserträge

Ballengewicht und Ballendichte

Das Ballengewicht steigt erwartungsgemäß mit zunehmendem Ballendurchmesser und sinkt bei höheren Fahrgeschwindigkeiten. Die mittleren Ballendichten werden hiervon aber nur marginal beeinflusst. Das Zuschalten der Messer erhöht deutlich die Gewichte sowie die Dichtelagerung der erzeugten Rundballen in Stroh. In Silage ist diese, wenn auch zu erwartende Wirkung nicht zu erkennen. Hier überlagert der Einfluss der unterschiedlichen TM-Gehalte in den korrespondierenden Varianten den der Messer. Durch das Reduzieren der Zapfwellendrehzahl konnte im Versuch keine Auswirkung auf das Ballengewicht und die mittlere Ballendichte festgestellt werden.

In den Silagevarianten liegen die durchschnittlichen Ballengewichte zwischen 737 kg FM (V1G) und 668 kg FM (V4G), und die durchschnittlichen mittleren Ballendichten in der Frischmasse erreichen 388 kg FM/m³ (V4G) bis 428 kg FM/m³ (V2G). In vier der fünf Versuchsvarianten (V1G, V3G, V4G und V5G; TM jeweils nahe 40 %) werden mit mittleren Ballendichten von 153 kg TM/m³ bis 165 kg TM/m³ für Rundballenpressen nach Literaturhinweisen* übliche Verdichtungsgrade erzielt. In den Versuchen mit geringeren TM-Gehalten (V2G mit 32 % TM) wird mit 138 kg TM/m³ eine im Vergleich mit den anderen Versuchsvarianten relativ niedrige Ballendichte erzielt.

Mit 150er Ballen werden in Stroh Ballengewichte von durchschnittlich 278 kg FM ohne Messer (V2S) und 311 kg FM mit Messern (V1S) gemessen. Die höchsten Ballengewichte werden mit 463 kg bei einem Ballendurchmesser von 1,8 m und langsamerer Fahrgeschwindigkeit von 9,4 km/h mit Messern (V4S) ermittelt. Im Vergleich mit dieser Variante reduziert sich das Ballengewicht ohne Messer auf 401 kg (V3S) und weniger stark ausgeprägt auch bei höherer Fahrgeschwindigkeit (15,1 km/h) auf 419 kg (V6S und V7S). Die mittleren Ballendichten (FM) verhalten sich dabei gleichgerichtet. Ein Einfluss der Zapfwellendrehzahl ist in Stroh nicht erkennbar.

Ballendichteverteilung in Silage

Bild 7 zeigt beispielhaft die Dichteverteilung in einem Silageballen, der bei einer Fahrgeschwindigkeit von 3,6 km/h und einer Pressdichte von 100 % mit 7 Messern hergestellt wurde. Der Ballen hat eine mittlere Ballendichte von 449,4 kg/m³ FM bei 38,3 % TM. Die Dichteverteilung zeigt einen gefestigten Ballenkern (kleinster Wert: 398,0 kg/m³ FM) mit der höchsten Dichte zwischen Ballenkern und Randschicht (im Maximum 600,5 kg/m³ FM).

* Maack und Wyss, 2011: Praxishandbuch Futter- und Substratkonservierung

Durchsatzleistung

Die theoretische Durchsatzleistung (t/h) errechnet sich aus der reinen Fahrzeit und den Gewichten der im Test produzierten Ballen. Bei der Berechnung der praktischen Durchsatzleistung [t/h] werden auch die Standzeiten für das Binden und Auswerfen mit einbezogen. Wendezeiten bleiben hierbei unberücksichtigt. Bild 8 zeigt die in den Funktionsprüfungen erzielten Ergebnisse.

Mit den gewählten Fahrgeschwindigkeiten liegen die theoretischen Durchsatzleistungen in Silage zwischen 53,2 t FM/h (V5G) und 34,1 t FM/h (V2G). Bei Einbeziehung der Binde- und Auswurfzeiten ergeben sich daraus praktische Durchsatzleistungen von 40,4 t FM/h bis 28,9 t FM/h. In Stroh werden für die theoretischen Durchsatzleistungen bei Einhaltung der DLG-Vorgabe von ca. 60 Sekunden Presszeit je Ballen Werte zwischen 21,1 t FM/h (V2S) und 15,4 t FM/h (V5S) bzw. praktische Durchsatzleistungen zwischen 16,5 t FM/h (V3S) und 12,8 t (V5S) FM/h erreicht.

In Silage erhöht sich die Durchsatzleistung erwartungsgemäß mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit. Weniger stark ausgeprägt wird dieser Effekt auch in Stroh sichtbar. Die höhere Messeranzahl führt sowohl in Silage als auch in Stroh zu einer abnehmenden Durchsatzleistung. Bei einer Reduzierung der Zapfwellendrehzahl wird beim Vergleich der korrespondierenden Varianten kein gerichteter Zusammenhang mit der Durchsatzleistung festgestellt, aber bei großen Schwaden und hohen Fahrgeschwindigkeiten steigt bei reduzierter Zapfwellen­drehzahl vor allem in Silage das Risiko für Verstopfung der Pickup oder des Rotors. Auffällig ist, dass im Versuch in Stroh trotz größerem Ballendurchmesser keine höheren Durchsatzleistungen erzielt werden. Hier kann angenommen werden, dass die höhere Schwadstärke in den Varianten mit kleinerem Ballendurchmesser die Effekte auf die Durchsatzleistung überlagert, da bei den geringeren Schwadstärken längere Wegstrecken und Fahrtzeiten für das Befüllen der Presskammer erforderlich werden.

Die unter den Versuchsbedingungen maximal möglichen Fahrgeschwindigkeiten (VMAX) mit den daraus berechneten theoretischen Pressgutflüssen ohne Einbeziehung der Wendezeiten sind in Tabelle 3 aufgeführt. Bei den hier angegebenen Werten handelt es sich um Einzelwerte, welche für die jeweils höchste Fahrgeschwindigkeit ermittelt wurden.

Leistungsbedarf und Kraftstoffverbrauch

Unbelastet im Standgas (bei 373 U/min an der Zapfwelle) beträgt der Leistungsbedarf 1,7 kW. Bei Nenndrehzahl von 1.000 U/min wird ein Wert von 5,0 kW und bei reduzierter Drehzahl (800 U/min) ein Wert von 3,9 kW gemessen.

Der in den Versuchsvarianten festgestellte Leistungsbedarf an der Zapfwelle und der Kraftstoffverbrauch sind in Bild 8 dargestellt. Erwartungsgemäß verhalten sich diese beiden Kenngrößen gleichgerichtet, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Sowohl der Leistungsbedarf als auch der Kraftstoffverbrauch steigen mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit und der Anzahl der Messer an. Der Ballendurchmesser zeigt in der Funk­tionsprüfung in Stroh keinen gerichteten und nur geringen Einfluss, was teilweise auf die unterschiedlichen Schwadstärken in den korrespondierenden Versuchsvarianten zurückgeführt werden muss. Mit der Reduzierung der Zapfwellendrehzahl sinken im Versuch sowohl der Leistungsbedarf als auch der Kraftstoffverbrauch über die Vergleichsvarianten im zweistelligen Bereich zwischen 12,8 % und 27,9 %.

Standzeiten, Durchsatzleistung und Stopfgrenzen

Als Stand- oder Prozesszeit wird die Summe aus Wickelzeit für das Netz und Auswurfzeit bezeichnet. Mit zunehmender Ballengröße und Netzlagenanzahl steigt erwartungsgemäß die gemessene Wickelzeit. Die Auswurfzeit nimmt ebenfalls mit der Ballengröße geringfügig zu. Sowohl die Netzwickelzeit als auch die Auswurfzeit werden zudem von der Zapfwellendrehzahl beeinflusst. Bei einer Absenkung der Zapfwellendrehzahl von 1.000 U/min auf 800 U/min nehmen die Wickelzeit merklich und die Auswurfzeit geringfügig zu.

Die Einzelergebnisse sind in Tabelle 1 wiedergegeben.

Der vorgewählte Ballendurchmesser und die Lagenanzahl wurden dabei mit geringfügigen Abweichungen eingehalten (siehe Tabelle 2).

Bild 8: Ausgewählte Ergebnisse aus den Funktionsprüfungen in Silage und Stroh (Fahrgeschwindigkeiten ergeben sich aus der Vorgabe des DLG-Prüfrahmens)

Praxiseinsatz

Der Praxiseinsatz wurde im August 2016 mit sechs erfahrenen Praktikern in Weizenstroh durchgeführt. Anschließend wurden die Testpersonen befragt und gaben unabhängig voneinander ihre Bewertungen durch das Ausfüllen eines standardisierten Fragebogens ab.

Die Bewertungsmöglichkeiten im Fragebogen erstrecken sich hierbei von „sehr gut (1)“, über „gut (2)“, „befriedigend (3)“ und „ausreichend (4)“ bis hin zu „mangelhaft (5)“. Tabelle 6 zeigt die Ergebnisse aus der Befragung. Neben den Einzelbewertungen sind in der rechten Spalte die resultierenden Durchschnittsnoten angeführt. Was den Praktikern sonst noch auffiel, ist in Tabelle 7 zusammengefasst.

Tabelle 6: Ergebnisse der Praktikerberfragung (Bewertungsmöglichkeiten: sehr gut (1) / gut (2) / befriedigend (3) / ausreichend (4) / mangelhaft (5))

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Tabelle 7: Was sonst noch auffiel

hat besonders gefallen
Das Bedienterminal und die mitgelieferten Unterlagen sind gut und verständlich. Schon nach kurzer Einweisung ist es möglich, die Presse zu bedienen.
Alle wichtigen Anzeigeelemente sind auf dem Bedien­terminal klar und in farbiger und hoher Auflösung dargestellt.
Die Einstellmöglichkeiten für die zu pressenden Ballen sind umfangreich und gut strukturiert.
Die lange Anhängedeichsel ermöglicht einen großen Lenkwinkel zwischen Schlepper und Presse und bietet ausreichend Platz beim An- und Abhängen.
Die Verstellung der Tasträder ist sehr komfortabel.
Der doppelte Rollenniederhalter unterstützt den Gutfluss in den großen Schwaden.
Laufruhe der Rundballenpresse
Arbeitsbild der Pickup auch bei hoher Geschwindigkeit gut
Ballenform und Verdichtung
Mitführmöglichkeit für Netzrollen
Gute Verarbeitung
hat weniger gefallen
Ein Teil der Praktiker merkt an, dass Meldungen im Terminal (z. B. „Binden abgeschlossen“) akustisch und visuell nicht ausreichend intensiv mitgeteilt werden.
Für einige Einstellungen fehlen numerische Anzeigen (laut CLAAS sind diese zur Serieneinführung vorgesehen).
Der Schmiernippel für die Umlenkrolle des Riemenantriebs ist nur erschwert zugänglich.
Trotz Zentralschmieranlage sind noch zu viele regelmäßig zu schmierende Schmiernippel vorhanden.
Für das Spannen der Antriebsketten wären Einstelllehren hilfreich, die das Nachmessen der Federlängen vereinfachen. Eine der Ketten ist nur unter Verwendung einer Leiter zugänglich, da sich der Spanner für diese Kette im oberen Bereich der Maschine befindet.
Der Scherbolzenwechsel an der Pickup ist umständlich. Eine andere Lösung wäre aus Sicht dieses Praktikers wünschenswert.
Keine Messergruppenschaltung erhältlich.
Leiter hat sehr steilen Anstellwinkel.

Handhabung Bedienung und Wartung

Die Wartungszeiten wurden im Juni 2016 im DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel ermittelt. Die Ergebnisse dieser Teilprüfung sind in Tabelle 8 zusammengefasst.

Tabelle 8: Wartungszeiten

ISOBUS-Praxistest

Der ISOBUS-Praxistest wurde mit den folgenden drei Bedienterminals durchgeführt:

  • CLAAS COMMUNICATOR II
  • Kverneland ISO MATCH Tellus
  • CCI 200

Nach dem Anschließen des jeweiligen Terminals an die Ballenpresse hat sich die Bedienmaske innerhalb kurzer Zeit geladen.

Im ISOBUS-Praxistest wurden die nachfolgenden Funktionen überprüft: Öffnen und Schließen der Heckklappe, Anzeige Status der Ballenrampe, Schneidboden heben und senken, Messer aktivieren und deaktivieren, Anzeige des Ballendurchmessers, Ballenzähler, Fehlermeldungen. Mit jedem Terminal konnten die im Test überprüften ISOBUS-Funktionen fehlerfrei ausgeführt werden.

Mit den drei eingesetzten Bedienterminals ist auch die so genannte AUX-Funktion möglich. Dabei können Tastenfunktionen des Terminals auf einen Joystick übertragen werden. Im Test wurden hierzu die folgenden Funktionen überprüft: Schneidboden heben und senken, Messer aktivieren und deaktivieren, manuelles Auslösen der Bindung bzw. Wicklung, manuelle Verzögerung der Bindung bzw. Wicklung, Pressdruck aktivieren bzw. deaktivieren, Zurücksetzen der Anzeige für die ungleichmäßige Befüllung der Presskammer.

Diese Funktionen waren problemlos über den Joystick zu bedienen. In anderen Ausstattungsvarianten können nach Herstellerangaben darüber hinaus mit dem Joystick auch einzelne Fehlermeldungen zurück­gesetzt werden.

Prüfung der Arbeitssicherheit

Die Besichtigung der Rundballenpresse erfolgte durch die Deutsche Prüf- und Zertifizierungsstelle für Land- und Forsttechnik unter Berücksichtigung der Rechtsvorschrift der EG für Maschinen (Maschinenrichtlinie 2006/42/EG).

Weiterhin wurden Regeln, welche in den Normen DIN EN ISO 4254-1:2011 (Landmaschinen – Sicherheit – Teil 1: Generelle Anforderungen) und DIN EN ISO 4254-11:2011 (Landmaschinen – Sicherheit – Teil 11: Ballenpressen) definiert sind, in die Prüfung miteinbezogen. An der Maschine werden die in den Normen geforderten Sicherheitsabstände zu rotierenden oder beweglichen Teilen eingehalten. Warnhinweise sind an allen betroffenen Stellen gut sichtbar angebracht, und die Bedienungsanleitung enthält umfassende Hinweise und Informationen über alle Aspekte der sicheren Nutzung der Maschine.

Gegen die Verwendung der Maschine bestehen nach dem Urteil der DPLF aus arbeitssicherheitstechnischer Sicht keine Bedenken.

Maschinenabmessungen

In Transportstellung hat die getestete Presse eine Breite von 2.700 mm und eine Höhe von 3.040 mm.

Fazit

Die Rundballenpresse CLAAS VARIANT 485 RC PRO konnte über weite Bereiche der im DLG-Prüfrahmen festgesetzten Prüfkriterien gute Ergebnisse erreichen. In den Funktionsprüfungen und im Praxiseinsatz traten keine Probleme auf. In allen vorgegebenen Versuchsvarianten konnten gleichmäßig geformte Rundballen unter weitestgehender Einhaltung der vorgewählten Ballendurchmesser erzeugt werden. Die Durchsatzleistungen bewegen sich unter den Versuchsbedingungen auf einem vergleichsweise hohen Niveau, und die erzielten mittleren Ballendichten liegen in einem für Rundballenpressen laut Fachliteratur üblichen Bereich. Der Leistungsbedarf an der Zapfwelle steigt erwartungsgemäß mit dem Zuschalten der Messer und sinkt durch das Reduzieren der Zapfwellendrehzahl.

Bei der Gesamtbetrachtung der Bewertungen durch die Praktiker erreichte die Presse eine Durchschnittsnote von 2,2.

Die ISOBUS-Funktionen der getesteten Rundballenpresse konnten mit drei unterschiedlichen Bedienterminals erfolgreich ausgeführt werden (Claas Communicator II, Kverneland ISO MATCH tellus, CCI 200). Bei der Sicherheitsbeschau wurde die Einhaltung der aktuellen Sicherheitsempfehlungen bestätigt.

Zusätzlich wurden Messfahrten bei einer reduzierten Zapfwellendrehzahl von 1800 U/Minute durchgeführt. Der dabei festgestellte Einfluss auf den Durchsatz und die Ballendichte war gering. Die Drehzahlabsenkung führte hingegen im durchgeführten Test zu einer deutlichen Reduzierung von Leistungsbedarf und Kraftstoffverbrauch. Die Ergebnisse hierzu aus der Prüfung in Silage sind in Tabelle 9 dargestellt. Die Ergebnisse zur Drehzahlreduzierung in Stroh sind in Tabelle 10 dargestellt.

Aufgrund der erzielten Ergebnisse wird der Rundballenpresse CLAAS VARIANT 485 RC PRO das Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT GESAMTPRÜFUNG 2016“ verliehen.

Tabelle 9: Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs bei verringerter Zapfwellendrehzahl in Silage

Tabelle 10: Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs bei verringerter Zapfwellendrehzahl in Stroh

Kontakt

DLG e.V.
DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel
Max-Eyth-Weg 1
64823 Groß-Umstadt
Tel: +49(0)69/24 788-600
Fax: +49(0)69/24 788-690
E-Mail: tech(at)DLG.org

Ein Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT GESAMT-PRÜFUNG“ wird für landtechnische Produkte verliehen, die eine umfassende Gebrauchswertprüfung der DLG nach unabhängigen und anerkannten Bewertungskriterien erfolgreich absolviert haben. In dieser Prüfung werden neutral alle aus Sicht des Praktikers wesentlichen Merkmale eines Produkts bewertet. Die Prüfung umfasst Untersuchungen auf Prüfständen und unter verschiedenen Einsatzbedingungen, zusätzlich muss sich der Prüfgegenstand bei der praktischen Erprobung im Einsatzbetrieb bewähren. Die Prüfbedingungen und -verfahren wie auch die Bewertung der Prüfungsergebnisse werden von einer unabhängigen Prüfungskommission in einem Prüfrahmen festgelegt und laufend den anerkannten Regeln der Technik sowie den wissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Erkenntnissen und Erfordernissen angepasst. Die erfolgreiche Prüfung schließt mit der Veröffent­lichung eines Prüfberichtes sowie der Vergabe des Prüfzeichens ab, das fünf Jahre ab dem Vergabedatum gültig ist.

Die DLG-Gesamtprüfung für Rundballenpressen setzt sich aus den folgenden fünf Prüfmodulen zusammen:

  • Funktionsprüfung (in Silage und in Stroh)
  • Praxiseinsatz
  • Wiederkehrende Wartungstätigkeiten
  • ISOBUS-Praxistest
  • Überprüfung der Einhaltung arbeitssicherheitstechnischer Vorgaben

Alle oben genannten Module wurden an der Rundballenpresse CLAAS VARIANT 485 RC PRO geprüft.
Zusätzlich wurde das Verhalten der Presse bei Reduzierung der Zapfwellendrehzahl getestet.

Hersteller und Anmelder

Hersteller:
Usines Claas France

Anmelder:
CLAAS KGaA,
Mühlenwinkel 1,
33428 Harsewinkel

Prüfungsdurchführung

DLG e.V.,
Testzentrum Technik und Betriebsmittel,
Max-Eyth-Weg 1,
64823 Groß-Umstadt

Fachgebiet
Technik in der Außenwirtschaft

DLG-Prüfrahmen
DLG-ANERKANNT Test
„Gesamtprüfung für Ballenpressen“ (Stand 11/2016)

Fachgebietsleiter
Dr. Ulrich Rubenschuh

Prüfingenieur(e)
Dipl.-Ing. agr. Georg Horst Schuchmann *

Mitglieder der zuständigen DLG-Prüfungs­kommission „Grünlandtechnik“
Heinz-Günter Gerighausen **, LWK NRW, Kleve
Clemens Becker, RKW AG, Michelstadt
Björn Bohne, Uni Kassel, Kassel
Mathias Dietzel, Landwirt, Tanna
Ulrich Fiedler, Landwirt, Münster (Hessen)
Alfred Pöllinger, lfz Raumberg, Gumpenstein (A)
Gottfried Giesen, Lemken GmbH & Co. KG, Alpen

*    Berichterstatter
**    Vorsitzender