DLG e.V. - Ab 1890: Bahnbrecher beim Pflanzenschutz

Ab 1890: Bahnbrecher beim Pflanzenschutz

Der erste Sonderausschuss der Ackerbau-Abteilung

Vier Jahre nach der Gründung der Ackerbau-Abteilung wurde der Sonderausschuss für Pflanzenschutz eingerichtet, auf Anregung von Schultz-Lupitz. Er hatte ihm in der ersten Sitzung am 7. Oktober 1890 folgende Aufgaben gegeben:

  1. Verbreitung der Kenntnisse über Pflanzenkrankheiten,
  2. Angabe von Mitteln zu deren Bekämpfung,
  3. Förderung der Wissenschaft.

Den Vorsitz übernahm Prof. Julius Kühn aus Halle, einer der Gründungsväter der DLG. Kühn, ein bedeutender Forscher, akademischer Lehrer und Wissenschaftsorganisator der Agrarwissenschaft, hatte den Vorsitz 18 Jahre inne. Aufgrund seines ungeheuren Ansehens - er war zu dieser Zeit bereits 20 Jahre lang Hochschullehrer in Halle und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt – wurde er auch sofort in den Gesamtausschuss gewählt. Kühn hat sich bereits in seinen wissenschaftlichen Anfängen mit dem Fragenkreis befasst, den man erst später unter den Gesamttitel „Pflanzenschutz“ zusammenfasste.

DLG Bahnbrecher für Pflanzenschutz

Bis zur Zeit der Gründung der DLG wurde der Pflanzenschutz eher „nebenbei" beobachtet, so dass die DLG auch auf diesem Gebiet Bahnbrecher war. Ein Jahrzehnt war die DLG mit ihrem Sonderausschuss die einzige Stelle, die unter der Leitung von Kühn das Neuland des Pflanzenschutzes beackerte. In allen Teilen des damaligen Reichsgebietes wurden „Auskunftsstellen" eingerichtet, später „Pflanzenschutzstellen" genannt. Diese Stellen oder der Sonderauschuss selbst erteilten den Landwirten Rat über die Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten. Ferner wurde eine Statistik über das Auftreten und die Verbreitung von Krankheiten aufgestellt und in jährlichen Berichten eine Übersicht über die Situation gegeben. Schon 1892 erschien die kleine Anleitung „Pflanzenschutz" zum ersten Mal, um dann in weiteren sieben Auflagen viele Kenntnisse über das Wesens der Pflanzenkrankheiten und ihrer Bekämpfung beizutragen.

DLG Bindeglied zwischen Pflanzenschutzforschung und Praxis

Nach der Gründung der „Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft“ im Jahre 1896 (heute „Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft“ in Braunschweig), ebenfalls auf Anregung von Schultz-Lupitz, arbeitete der Sonderausschuss bis 1933 ständig eng mit dieser zusammen. In den Beirat der Anstalt wurde ein Vertreter der DLG entsandt. Die Berichte der Pflanzenschutzstellen gingen der Reichsanstalt durch Vermittlung der DLG zu, die Jahresberichte wurden von dieser seit 1905 übernommen. Die DLG diente während dieser ganzen Zeit der Reichsanstalt als wichtiges Bindeglied zur Praxis.

Wirksame Bekämpfung der wichtigsten Krankheiten bearbeitet

Die Arbeit des Sonderausschusses hat sich auf die wichtigsten Krankheiten aller landwirtschaftlichen Kulturpflanzen erstreckt, und zwar im Hinblick auf deren wirksame Bekämpfung. Im Laufe der Jahre wurden folgende pflanzliche und tierische Schäden besonders behandelt:

  • bei Getreide: Stein- und Flugbrand, Rost-und Fußkrankheiten,
  • bei Hülsenfrüchten und Kleearten: Blattläuse und Kleekrebs,
  • bei Gemüse: Kohlhernie, Brennfleckenkrankheit der Bohnen,
  • bei Kartoffeln: Kraut und Knollenfäule, Blattroll- und Ringkrankheit, Kartoffelkrebs,
  • bei Zuckerrüben: Nematoden,Rübenfliege, Rübenaaskäfer,
  • bei Obst und Wein: Blatt- und Schildläuse, Heu- und Sauerwurm.

Der Ausschuss kümmerte sich auch um den Vogelschutz und um die Feststellung der Widerstandsfähigkeit einzelner Sorten, der Kulturpflanzen, sowohl gegen Witterungsschäden als auch gegen Angriffe von Feinden aller Art. Dabei spielte auch die Frage der Resistenzzüchtung eine große Rolle. Im Laufe der Jahre wurden Beizapparate und viele Pflanzenschutzmittel auf ihre Wirksamkeit überprüft und in Beispielsversuchen die Bekämpfungsverfahren den Landwirten sinnfällig vorgeführt, unter anderem über die Mäuse- und Krähenplage.

(dö)

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