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Die Kommunikation mit der Gesellschaft stand im Fokus der Jahrestagung der Jungen DLG in Weihenstephan

(DLG). „Die Zeiten sind nicht gerade rosig für die Landwirtschaft und das gesamte Agribusiness. Doch gerade herausfordernde Zeiten sind Unternehmerzeiten, in denen wir uns bewähren können.“ Mit diesen Worten hieß DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer die Teilnehmer der Jahrestagung der Jungen DLG am 4. Juni 2016 in Weihenstephan willkommen. Es seien Zeiten, in denen über Betriebskonzepte nachgedacht und im gemeinsamen Diskurs neue Ideen für den eigenen Hof entwickelt werden müssten. Trotz aller Aufmerksamkeit, die die aktuelle Situation auf den Agrarmärkten abverlange, dürfte man die gesellschaftliche Debatte um die moderne Landwirtschaft nicht aus den Augen verlieren. Bartmer führte vor den 175 Nachwuchskräften die aktuelle Glyphosat-Diskussion an, bei der es ebenso wie bei der Tierwohldebatte darum gehe aufzuzeigen, was und vor allem wie produziert werde. Es brauche keinen Berater um festzustellen, dass die Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft nicht zu funktionieren scheint.
 
Professor Alois Heißenhuber von der TU München skizzierte in seinem Vortrag die bayerische Landwirtschaft zwischen Kleinstruktur und Innovationskraft. Seine Botschaft: „Der Strukturwandel wird weitergehen, aber innovative Landwirte haben eine gute Chance.“ Für den Wissenschaftler sind in der Landwirtschaft vor allem Multifunktionalität und Willen gefragt.
 
Wie das Schlüssel-Schloss-Prinzip als Türöffner nach draußen funktionieren kann, erläuterte Professor Matthias Kussin von der Hochschule Osnabrück. Zwischen hoch professionellen, auch mit eigenen Studien arbeitenden Umweltverbänden, Bürgern, die mitreden wollen und sich nicht alleine durch Fakten überzeugen lassen, und Medien, für die die Thematisierung von Konflikten attraktiv ist, müsse die Landwirtschaft kommunikativ mitspielen. „Wichtig dabei ist, die eigenen Schwächen zu erkennen“, so Kussin.
 
„Alle wollen zurück zur Natur – aber keiner zu Fuß“, mit diesem launigen Zitat untermauerte Professor Ulrich Nöhle, Krisenmanager und Mediator aus Niedersachsen, die doppelte Moral unserer Gesellschaft. Hinzu komme, dass die Medien die Meinungsführerschaft übernommen haben. Im Mittelalter hätten die Kirchen die Macht – heute seien es die Medien, die die Moral vorgeben. „Wer nicht kommuniziert, macht sich verdächtig“, so Nöhle. Für die Landwirtschaft gelte: „Berichte selbst – sonst tun es andere. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung kommen nur die romantische Idylle oder der Skandal vor, nicht aber der Normalfall, wie er in den Ställen vorzufinden ist“, betonte der Krisenmanager.
 
Eine Branchenkommunikation, die laut und schnell agieren kann, forderte Amil Hota, Geschäftsführer der Blumberry GmbH Agentur für Kommunikation aus Berlin. Denn anders als andere Branchen habe die Landwirtschaft keine starke Organisation für die Öffentlichkeitsarbeit. Stattdessen habe sie viele kleine Absender, was dazu führe, dass die Branche derzeit nicht kampagnenfähig ist. „Sie ist kein Spieler auf dem Kommunikationsfeld, sondern Spielball der anderen Akteure“, sagte Hota.
 
Wie professionelle Kampagnenarbeit aussieht, erläuterte der Agrarexperte von Greenpeace Martin Hofstetter. Dabei habe seine Organisation die Erfahrung gemacht, dass positive Kampagnen weniger Wertschätzung erfahren. Stattdessen müsse man Themen setzen, sie zuspitzen und verständlich machen. Dabei entscheidend seien eine gute Bildsprache sowie persönliche Erfahrungsberichte. So könne man die Emotionen ansprechen. Hofstetter machte zudem deutlich, dass man aber auch die Hintergrundinformationen parat haben und diese bei Bedarf schnell und einfach vermitteln müsse.
 
Ein gelungenes Beispiel präsentierte der Berliner Kampagnenberater Mathias Bucksteeg mit der Imagekampagne des Handwerks. Dafür hätten sich die unterschiedlichen Berufszweige des Handwerks zusammengeschlossen und gemeinsam ihrer Branche ein neues Image gegeben. Der Friseur werde zum Beziehungshelden: „Ich schneide keine Haare, ich rette dein Date“. Seine Empfehlung: „Eine breite Brust und vor allem einen Schuss Ironie.“
 
Lea Fließ, Geschäftsführerin des Forums Moderne Landwirtschaft (FML) und ehemalige Redakteurin der BILD-Zeitung, betonte in ihrem Vortrag die Zielgruppen gerechte Kommunikation. Sie riet den Teilnehmern auf verschiedenen Kanälen zu kommunizieren. Auch müsse man sich der eigenen Stärken bewusst sein.
 
Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass das Feld der Kommunikation nicht den NGOs und den „lila Kühen“ überlassen werden darf. Es gelte vor allem, Tatsachen zu erklären, Gesichter zu zeigen und Emotionen zu verkaufen. Dies müsse auf den Höfen erfolgen und durch die gesamte Branche unterstützt werden.
 
Die Jahrestagung begann mit einem Begrüßungsabend am 3. Juni bei der SAATEN-UNION GmbH, Versuchsstation Moosburg. Der Sonntag, 5. Juni, stand ganz im Zeichen der Praxis. Ein Öko-, ein Hopfen-, ein Geflügel- und ein Landwirtschaftsbetrieb mit Kompost- und Recycling öffneten ihre Tore für die Teilnehmer.
 
Interessenten erhalten weitere Informationen bei der DLG. Anasprechpartnerin ist Leonie K. Hug, Tel.: 069/24788-308 oder E-Mail: l.hug@dlg.org.
 


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