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Archiv Presseinformationen für die Landwirtschaft

Die Norm erfüllt

Eine EU-Verordnung regelt die Anforderungen an Fahrersitze für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge im Rahmen der Typgenehmigung. Der Grammer Fahrersitz MSG283 hat im DLG-Testzentrum die Prüfung erfolgreich absolviert und eine Typgenehmigungsnummer des Kraftfahrtbundesamts erhalten.

(DLG). Fragt man den Fahrer, sollen Fahrersitze vor allem bequem sein. Was bequem ist, dafür gibt es wahrscheinlich genauso viele Definitionen, wie Einstellmöglichkeiten an einem modernen Sitztyp vorhanden sind. Und das sind bei stufenloser Verstellung sehr, sehr viele. Bei erneutem Nachfragen werden vielfach noch Eigenschaften wie die Einstellmöglichkeiten, ein guter Seitenhalt oder auch ein passender, stabiler Sitzbezug genannt.
 
Sitze häufige Ursache für Berufserkrankung
Tatsächlich sind die Anforderungen aber wesentlich komplexer, denn ein funktionsunfähiger, ungeeigneter oder unpassender Fahrersitz kann auf lange Sicht große Probleme verursachen. Bei den Berufsgenossenschaften und Rentenversicherungsträgern ist aufgrund der Erkrankungsstatistik schon lange bekannt, dass Fahrpersonal auf Lastkraftwagen, Gabelstaplern, Baumaschinen, Traktoren oder Bussen Tag für Tag sehr hohen körperlichen Beanspruchungen ausgesetzt ist. Insbesondere die Mehrfachbelastung durch das lange, tägliche Sitzen sowie die auftretenden Stöße und Schwingungen wirken sich hier gesundheitsschädigend aus – neben Kopfschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden treten vor allem orthopädische Beschwerden an der Wirbelsäule regelmäßig auf. Der richtige Fahrersitz kann wesentlich zur Verringerung dieser Belastungen beitragen, was sogar dazu führt, dass einzelne Rentenversicherungsträger die Anschaffung eines individuell passenden Sitzes finanziell fördern können.
 
Lösung für Traktoren bis 75 kW
In der Traktorenklasse bis ca. 75 kW, wie z. B. Kompakttraktoren, sind vor allem ergonomische Sitze mit mechanischer Federung im Einsatz. Zu dieser Bauart gehört auch der kürzlich vom DLG-Testzentrum nach der EU-Verordnung 1322/2014 geprüfte Grammer-Sitz vom Typ MSG283, der mit sieben verschiedenen Sitzschalen auf Traktoren bis 6,5 t Leergewicht zulässig ist. Das auf der Agritechnica 2013 vorgestellte, horizontale Zugfederpaket mit 70 mm Federweg kann in der Höhe um 60 mm sowie in einem Fahrergewichtsbereich von 45 bis 130 kg eingestellt werden. Je nach Kabine und Platzangebot können unterschiedliche Sitzschalen verwendet (Bild 1) und somit die nach DIN 33408 vorgesehenen Komfortwinkel bei vielen Fahrern unterschiedlicher Größe erreicht werden.
 
EU-Verordnung schreibt Prüfinhalt vor
Die Fahrersitze unterliegen als essenzielle sicherheitsrelevante Bauteile von land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen genauso der Typgenehmigung wie z. B. Sicherheitskabinen oder der ganze Traktor als solches. Kein Wunder also, dass alleine die zugrunde liegende EU-Verordnung mit Anhängen über 300 Druckseiten umfasst – von rund 200 Seiten separat geregelten Ausführungsbestimmungen ganz abgesehen. So ist auch die Form des technischen Prüfberichts, den das DLG-Testzentrum ans Kraftfahrtbundesamt zur Vergabe einer Typgenehmigung übermittelt, genau vorgegeben. In der Prüfung sind verschiedene Kennwerte des Sitzes zu erfassen. Dazu gehören die Abmessungen der Sitzfläche und daraus folgend der Sitz-Indexpunkt (SIP, simuliert die Lage des Beckens im gewichtsbelasteten Sitz) genauso wie beispielsweise die Federkennlinien sowie der Einstellbereich an das Gewicht des Fahrers (Bild 3). Hinzu kommen Schwingungstests, bei denen die Beschleunigung der Sitzfläche als Reaktion auf durch einen Hydropulser eingebrachte Energiestöße gemessen wird (Bild 4). Alle gemessenen Werte müssen sich innerhalb eines Bereichs von ± 5 % um den Mittelwert der Messwerte befinden, um die Prüfung zu bestehen. Hinzu kommt eine Bestimmung der Dämpfungseigenschaften im Resonanzbereich. Auch hier wird die Schwingungsbeschleunigung an der Sitzfläche gemessen und ein leichter bzw. schwerer Fahrer simuliert. Des Weiteren wird die Seitenstabilität festgestellt.
 
Fazit
Einen Fahrersitz nach bequem oder unbequem zu beurteilen, ist bei einem a) sicherheitsrelevanten und b) auf Dauer potenziell die Gesundheit schädigenden Bauteil nicht zielführend. Ein qualitativ hochwertiger, ergonomischer Sitz gibt Stöße der ungefederten Traktorhinterachse eben nicht ungefiltert an die Wirbelsäule des Fahrers weiter und sorgt so auch nach einigen Stunden noch für entspanntes und sicheres Arbeiten. Wenn man sich so manch gut gebrauchten Traktor ansieht: Traktorsitze kann man auch austauschen. Ihr Rücken und Ihre Sicherheit sollten es Ihnen wert sein.
 
Das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel
Das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel Groß-Umstadt ist der Maßstab für geprüfte Agrartechnik und Betriebsmittel und führender Prüf- und Zertifizierungsdienstleister für unabhängige Technik-Tests. Mit modernster Messtechnik und praxisnahen Prüfmethoden stellen die DLG-Prüfingenieure Produktentwicklungen und Innovationen auf den Prüfstand. Als mehrfach akkreditiertes und EU-notifiziertes Prüflabor bietet das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel Landwirten und Praktikern mit den anerkannten Technik-Tests und DLG-Prüfungen wichtige Informationen und Entscheidungshilfen bei der Investitionsplanung für Agrartechnik und Betriebsmittel.
 
Interessenten erhalten weitere Informationen beim DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel. Ansprechpartner ist Werner Sturmfels, Tel.: +49(0)69/24788-635 oder E-mail: w.sturmfels@DLG.org.
 


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