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Rückblick DLG-Forum Innovation: Lebensmittelindustrie 4.0 – Namhafte Referenten beleuchteten Status quo, Chancen und Risiken - Flexibilisierte Arbeitswelt

(DLG). Wie können Unternehmen zu Gewinnern der fortschreitenden Digitalisierung werden? Antworten gab das Forum Innovation der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) in Frankfurt am Main. Es beleuchtete „Lebensmittelindustrie 4.0 - zwischen Data Management und New Business“ aus verschiedenen Perspektiven der Wertschöpfungskette. Die „smarte Fabrik“, eine sich selbst organisierende Produktion über digital vernetzte Systeme, wird nur dann Realität, wenn aus Visionen und Datenstrategien Geschäftsmodelle entwickelt werden, die Netz, Produkt und Anwender optimal verknüpfen.
 
Nur neun von 100 der wichtigsten IT-Unternehmen kommen aus Europa. Die Digitalisierung in der Breite kommt in Deutschland eher langsam voran, obwohl bei Industrie 4.0 gerade die Geschwindigkeit im Wettbewerb eine entscheidende Rolle spielt. Wir sind in vielen Bereichen Automatisierungs-Champions. Dieser Erfolg basiert jedoch primär auf Robotisierung, die kein exponentielles Wachstum mehr erwarten lässt. Was fehlt, ist eine durchgängige Vernetzung der Robotertechnik, eine Kommunikation zwischen Mensch und Maschine über die gesamte Prozesskette hinweg. Eine solche Fortentwicklung würde weitere Leistungssteigerungen ermöglichen. Die Motivation des Mittelstands, hier etwas zu bewegen, ist laut Dr. Markus Gaaß, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, München, gering. Eine Umfrage zeigte, dass 60 % der befragten mittelständischen Unternehmen aller Branchen keine Umsetzung von Industrie 4.0 planen. 40 % der Mittelständler aus der Lebensmittelbranche haben sich noch nicht mit dem Thema befasst. Es fehlt vor allem an Vernetzung, Verschmelzen von Fertigungsketten mit der IT, einer Digitalisierung und Verknüpfung der Wertschöpfungsketten der einzelnen Branchen. Dies würde ermöglichen, dass Produktionszyklen verkürzt, Kundenbedürfnisse in Echtzeit umgesetzt werden und sich die Instandhaltung eigenständig regelt – die „Smart Factory“ wäre geschaffen. Entscheidend hierbei ist der Wille der Führungskräfte, betonte Matthias Heinrich, GEA Group AG, Oelde. Manchmal genügen schon fünf engagierte Mitarbeiter, um ein Projekt 4.0 zu initiieren. Für ihn stellen Daten eine intelligente „Hülle“ rund um das Produkt oder die Dienstleistung dar. Wenn bei einer Störung die Maschine die Ursache selbst erkennt und den einschlägigen Auszug aus ihrer Bedienungsanleitung anzeigt, damit der Bediener sofort eingreifen kann, bedeutet das einen Mehrwert für Kunden.
 
Bei der Bosch Rexroth AG gab es ein „Netzwerk der Enthusiasten mit rund 20 begeisterten Mitarbeitern, die aus allen Bereichen des Unternehmens kamen“, berichtete Hans-Michael
Krause, vom Standort Lohr am Main. Aus den 20 Interessierten seien mittlerweile 200 Beteiligte geworden, die im kommenden Jahr eine eigene Business Unit bilden. Die Bosch Rexroth AG verfolgt eine Doppelstrategie. Sie ist zum einen Leitanbieter mit über 70 eigenen Lösungen und zum anderen Leitanwender in den über 270 Bosch-Werken weltweit.
Visionen als Voraussetzung
Geschäftsmodelle der Industrie 4.0 erwachsen immer aus der Strategie und Vision eines Unternehmens, betonte David Maximilian Dörr, Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Stuttgart. Er verwies auf Ikea, bei denen sich der Kunde vom Consumer zum Prosumer gewandelt hat. Denn das schwedische Möbelhaus hat frühzeitig mit viel Weitblick die Montage an den Kunden verlagert und mit den selbst zu bedienenden Scannerkassen diesen Schritt weiter vorangetrieben. Durch solche Entwicklungen lösten sich die klassischen Branchengrenzen auf. Es komme zur stärkeren Vernetzung von Unternehmen bis hin zu Partnerschaften. So entstünden schnell neue Mitbewerber am Markt, etwa in Form von Start-ups, die im Gegensatz zu großen Unternehmen flexibel agieren können.
Veränderte Arbeitswelt
Nach den Worten von Dr.-Ing. Moritz Hämmerle, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart, stellt die Arbeitswelt der Zukunft Unternehmen vor interne wie externe Herausforderungen. Der Trend geht zu einer Digitalisierung der Arbeitsorganisation. Derzeit wird noch viel mit Papier gearbeitet. Dieses zu ersetzen ist aber nur ein erster Schritt. In Zukunft können Produktionslinien vernetzt und die Mitarbeiter getrackt werden. Dann stellt die Linie eigenständig fest, wo ein Springer gebraucht wird, um den Arbeitsablauf reibungslos zu gestalten (prädiktive Erkennung). Weiterhin wird es seinen Worten zufolge möglich sein, Vitaldaten der Mitarbeiter zu erfassen, etwa die Herzfrequenz. Dies kann dazu dienen, dass einzelne Mitarbeiter weder unter- noch überlastet werden. Mikropausen können individuell eingelegt werden - vorausgesetzt die Mitarbeiter sind mit der Datenerfassung einverstanden. Eine eigene Firewall und betriebsinterne Regelungen über den Gebrauch der Daten kann die Akzeptanz erhöhen. Ein weiterer Einsatzbereich ist die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Die App „KapaflexCy“ etwa kombiniert WhatsApp und Doodle mit den Anforderungen der Schichtarbeit.
Praxisbeispiele
Die Herausforderungen beim Abfüllen von Fleisch liegen darin, dass Aufträge in einer Produktionslinie zu spät erledigt werden, das Produkt unpräzise portioniert oder nicht richtig produziert wurde, etwa in falscher Variante. Auch der Aufwand für die Dokumentation nimmt laufend zu. Mit HCU (Handtmann Communication Unit) verfügt die Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG aus Bieberach/Riss über eine eigene Softwarelösung für Abfüllmaschinen, die Andreas Heckenberger vorstellte. HCU erlaubt im Sinne von Industrie 4.0 die Steuerung von Material, Maschine und Mitarbeiter. Die Vorteile liegen in der Kostensenkung, einer konstanten Qualität der Produktion und der erleichterten Planung.
Die Gewinnung von Daten an sich ist nicht automatisch mit einem Nutzen verbunden. Wichtig ist es, dass Unternehmen eine eigene Datenstrategie entwickeln. Wo soll es losgehen, und wo soll es hingehen? Erst mit Antworten auf diese essentiellen Fragen macht es nach den Worten von Dr. Michael Wolff, thaltegos Management Consulting, München, Sinn, operative Anwendungen zu entwickeln.
Transparenz in der Wertschöpfungskette
Für eine  umfassende Transparenz in der Lieferkette müssen nicht nur die Stammdaten eines Produkts, sondern auch seine Bewegungsdaten erfasst werden. Rückverfolgbarkeit bedeutet Transparenz und damit verbunden ist das kontinuierliche Senden und Erfassen von Produktdaten über einen längeren Zeitraum, erläuterte Mark Zeller das Geschäftsmodell fTRACE. Das Unternehmen GS1 aus Köln bietet mit fTRACE eine Lösung für die Rückverfolgbarkeit innerhalb der Wertschöpfungskette Fleisch. Im Aufsichtsrat von GS1 sind hälftig Industrie und Handel vertreten. Gefragt ist eine durchgängige Rückverfolgbarkeit „from farm to fork“. Ziel ist es nicht nur, den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen, sondern auch Nachhaltigkeit und Qualität beweisbar zu machen. „Ziel ist es, die Wertschöpfungskette zu digitalisieren – und das geht nur gemeinsam“, so Zeller abschließend.
Die Langfassung des Veranstaltungs-Rückblicks finden Sie unter: www. http://www.dlg.org/fileadmin/downloads/mail/DLG-Forum_Innovation_Lebensmittelindustrie_4.0_-_Rueckblick_und_Zusammenfassung.pdf 
 


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