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Aktuelle Informationen für die Landwirtschaft:

09.07.2012 10:00

Große Wachstumspotenziale in der globalen Agrarproduktion

Boomende Agrarmärkte sind keine Selbstverständlichkeit - Ergebnisse der agri benchmark Cash Crop Conference von Pilanesberg (Südafrika)

(DLG). Kann die Landwirtschaft mittelfristig die weltweit steigende Nachfrage nach Rohstoffen decken? Diese Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen agri benchmark Cash Crop Konferenz. Das vom Johann Heinrich Thünen-Institut und der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) koordinierte Netzwerk führender landwirtschaftlicher Produktionsökonomen hielt sein jährliches Treffen vom 9. bis zum 15. Juni in Pilanesberg (Südafrika) ab. Auf Einladung der Partnerorganisationen BFAP (Bureau for Food and Agricultural Policy) und NAMC (National Agricultural Marketing Council) trafen sich 38 Experten aus 23 verschiedenen Ländern, um die aktuellen Entwicklungen und Perspektiven in der globalen Agrarproduktion zu diskutieren. Anhand von Fallstudien aus Argentinien, Australien, Bulgarien, Marokko, Polen, aus der Ukraine und aus den USA wurde gezeigt, dass technisch und ökonomisch große Potenziale für Ertragssteigerungen bestehen. Laut Pawel Boczar von der Universität Posen (Polen) sind zum Beispiel in Polen Weizenerträge von 4 t/ha üblich, während gut organisierte Betriebe bis zu 6 t/ha, also 50 % mehr ernten. Voraussetzung dafür sind allerdings eine bessere Nährstoffversorgung, besseres Saatgut und ein optimierter Pflanzenschutz.

Am Beispiel Argentiniens wurde deutlich, dass auch eine Flächenausweitung durchaus möglich und nicht besonders kostenträchtig ist. Martin Otero von der argentinischen Partnerorganisation Hillock erläuterte, dass bis 2020 sogar unter den strikten Abholzungsregelungen eine Flächenausweitung um 20 % bis 40 % realistisch ist. Unter der Voraussetzung, dass die Getreidemärkte für die argentinischen Landwirte stabil bleiben, sei eine Steigerung der Ölsaaten-Produktion um bis zu 25 % und der Getreideproduktion um 75 % machbar.
 
Aktuell setzen hohe Rohstoffpreise und signifikante Verbesserungen der Rentabilität des Ackerbaus starke Anreize zur Ausweitung der Produktion. Dadurch könnte der Markt für landwirtschaftliche Rohstoffe wieder von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt werden. Szenario-Rechnungen für agri benchmark-Betriebe zeigen, dass der Weizenpreis dann im Vergleich zum derzeitigen Preis dauerhaft um mindestens 30 % bzw. 50 USD/t sinken könnte. Laut Yelto Zimmer vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (Braunschweig) ist demnach eine andauernde Periode von sehr viel niedrigeren Rohstoffpreisen möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, auch wenn internationale Agenturen hohe Preise prognostizieren.
 
Die Partnerorganisationen BFAP und NAMC hatten außerdem rund 80 Vertreter aus Industrie, Landwirtschaft und Politik zu einem Globalen Forum eingeladen. Bei diesem Forum stellten Divan van der Westhuizen von BFAP (Südafrika) und Kelvin Leibold von der Iowa State University (USA) Vergleiche zwischen amerikanischer und südafrikanischer Maisproduktion an. Eine Kernaussage lautet: Aufgrund hoher Preise und niedriger Produktivität von Stickstoff ist die Produktion von Mais mit Bewässerung in Südafrika relativ teuer. Einer der möglichen Gründe ist die heutzutage fehlende Mais-Soja Rotation in den Betrieben, so dass Mais nicht von den Stickstoff-Rückständen der Leguminosen im Boden profitieren kann.
 
Während des Globalen Forums zeigten Somporn Isvilanonda von der Partnerorganisation KNIT (Thailand) und Luan Nguyen (Vietnam) Erfolgsfaktoren für die Kleinproduzenten basierte Reisproduktion auf. Thailand und Vietnam sind die mit Abstand größten „Spieler“ im weltweiten Reismarkt. Verlässliche Eigentumsrechte für Land, Zugang zu Krediten und Beratung haben sich, ebenso wie eine leistungsfähige Infrastruktur, als die entscheidenden Erfolgsfaktoren erwiesen.
 
Präsentationen vom Globalen Forum können unter www.agribenchmark.org/ccc2012.html heruntergeladen werden. Weitere Informationen erhalten Interessenten bei Dr. Yelto Zimmer, Johann Heinrich von Thünen-Institut E-Mail: yelto.zimmer@vti.bund.de, oder bei Friederike Kaths, DLG-Fachzentrum Land- und Ernährungswirtschaft, E-Mail: F.Kaths@dlg.org.

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