DLG e.V. - Pressemeldungen

Presseinformationen für die Landwirtschaft:

Landwirtschaft 2030 – Unternehmer stellen Weichen in der Schweinehaltung

Nährstoffmanagement und Tierwohlanforderungen – Zielkonflikt für die Praxis? – Ergebnisse aus dem Arbeitskreis Schweinehaltung auf den DLG-Unternehmertagen 2017

(DLG). Mit der Frage, ob das Spannungsfeld von Nährstoffmanagement im Zeichen der Düngeverordnungsnovelle auf der einen und steigenden Tierwohlanforderungen auf der anderen Seite zu einen Zielkonflikt in der Praxis führt beschäftigte sich ein Arbeitskreis für Schweinehalter im Rahmen der Unternehmertage der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V.) am 5. und 6. September 2017 in Würzburg.
 
Martin Schäffler von der Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern (LfL Grub) stellte in seinem Impulsvortrag die Auswirkungen von Düngung und Ertrag auf den Futterwert des erzeugten Futtergetreides dar und erläuterte, dass eine Ausrichtung des Getreidebaus auf Futterwert und Umweltwirkung im Veredelungsbetrieb vorteilhaft sein kann. Basis seiner Berechnungen war das jährliche LfL-Getreidemonitoring für Winterweizen. Ein hoher Rohproteingehalt stellte hier nicht gleichzeitig auch einen hohen Futterwert für die Schweinefütterung dar, insbesondere wenn man die Auswirkung des Rohprotein-bzw. Aminosäurengehalts unter Berücksichtigung von Fütterung, Nährstoffausscheidungen, Gülleausbringung und die dafür benötigten Flächen sowie die Stoffstrombilanzen betrachtet. Futtergetreide mit geringerem Rohproteingehalt von ca. 10 % kann hier in Bezug auf einen geringeren Flächenbedarf und eine Entlastung der Stickstoffbilanz vorteilhaft sein.
 
Stefan Klaus, Sauenhalter in Nutteln (Niedersachsen) zeigte in seinem Impulsvortrag zum Nährstoffmanagement in der Schweinehaltung auf, dass eine Abgabe von Gülle auch in weiter entferntere Regionen durchaus möglich und sinnhaft sein kann. Er gibt über 400 Lkw-Ladungen Gülle pro Jahr ab und machte klar, dass die neue Düngeverordnung sowohl den Betrieb als auch den vor- und nachgelagerten Bereich vor große Herausforderung stellt. Zwar kann über eine enge Zusammenarbeit zwischen Abgeber, Transporteur und Aufnehmer mit dem Produkt Gülle eine gezielte Düngung erfolgen und diese zum Teil den Mineraldünger ersetzen sowie den Humushaushalt des Bodens verbessern. Klaus machte deutlich, dass es die Aufgabe des abgebenden Betriebs ist, seine Gülle für Ackerbauern attraktiv – also „schmackhaft“ zu machen – z. B. durch möglichst genaue und regelmäßige Analysen der Nährstoffgehalte und Mengen. Außerdem müssen sowohl am Abgabe- als auch am Aufnahmeort entsprechende Lagermöglichkeiten vorhanden sein, damit zum richtigen Zeitpunkt auch eine ausreichende Menge zur Verfügung stehen kann.
 
Josef Gelb, Schweinehaltung aus Merching (Bayern) stellte seinen neu errichteten Tierwohlstall vor. Er setzt auf eine Kombination aus Offenstallhaltungmit ganzjähriger Außenfütterung und automatisierter Stroheinstreu im Liegebereich. Durch unterirdische Schieberentmistung im Kotbereich erreicht er zudem eine geringere Emissionsbelastung in den Stall. Für  das Systemhat er sich - trotz der um ca. 40 % höheren Baukosten –letztlich entschieden, weil er neben verbessertem Tierwohl auch langfristig eine regionale Vermarktung über Metzgereien anstrebt und somit auch die Ansprüche der Verbraucher befriedigen kann, die z.B. Tiere auf Stroh sehen wollen. Allerdings machte Gelb auch deutlich, dass es beim Aufbau dieses Vermarktungsweges durchaus noch Schwierigkeiten zu überwinden gibt.
 
In der Abschlussdiskussion konkretisierte Dr. Frank Lorenz von der LUFA Nordwest in Oldenburg noch einige Punkte aus seinem Plenarvortrag. Er stellte heraus, dass in der Umsetzung der aktuellen Düngeverordnung, genauer im Bewertungssystem, noch einige Dinge unklar sind. Dies gilt insbesondere für gewerbliche Mäster bzw. Betriebe mit sehr kleinen Eigenflächen, die Gülle abgeben müssen.
 
Alle vier Diskutanten auf dem Podium waren sich darüber einig, dass sowohl das Thema Tierwohl als auch das Thema Umwelt und Emissionen gleichberechtigt nebeneinander weiterentwickelt werden müssen und können. Sie bedauerten, dass es hier Unterschiede in der Handhabung zwischen den Bundesländern gibt.

Für DLG-Mitglieder stehen die Tagungsunterlagen unter http://www.dlg.org/unternehmertage.html zum Download zur Verfügung.


Kontakt

DLG e.V.
Servicebereich Kommunikation
Eschborner Landstr. 122
60489 Frankfurt/M.
Telefon: +49(0)69/24 788-201

Guido Oppenhäuser

g.oppenhaeuser(at)DLG.org
(-213)
Leiter Kommunikation und Marketing

Friedrich W. Rach

f.rach(at)dlg.org
(-202)
Pressereferent Landwirtschaft und Ausstellungen

Dr. Frank Volz

f.volz(at)dlg.org
(-224)
Pressereferent Landtechnik, Redaktionsleitung DLG-Test Landwirtschaft

Dr. Malene Conlong

m.conlong(at)DLG.org 
(-237)
International Press Communications

Unsere Fachzeitschriften:

DLG-Mitteilungen
DLG Test Landwirtschaft