DLG e.V. - Pressemeldungen

Presseinformationen für die Landwirtschaft:

DLG-Unternehmertage 2017: Herausforderungen von morgen nicht mit Systemen von gestern lösen

Landwirtschaft 2030: Kreativität und Veränderungsfähigkeit gefragt – Als landwirtschaftlicher Unternehmer selbst die Weichen stellen – Rund 550 Landwirte diskutierten unternehmerische Antworten auf steigende Anforderungen

(DLG). Die Herausforderungen von morgen werden wir nicht mit Systemen von gestern lösen, sondern mit Innovationen und Fortschritt. Das ist nicht nur eine Aufgabe für die Landwirte, sondern für die gesamte Wertschöpfungskette, so der Tenor der DLG-Unternehmertage 2017 „Landwirtschaft 2030: Unternehmer stellen Weichen“, die am 5. und 6. September in Würzburg stattfanden. „Die Landwirtschaft ist seit Langem ein Wirtschaftssektor, der sich einer positiven gesellschaftlichen Aufmerksamkeit und politischer Zuwendung erfreuen kann. Darauf sollte sie sich nicht ausruhen, denn auch sie ist mit einem schleichenden Prozess konfrontiert, indem deren Umweltwirkungen und die Nachhaltigkeit der Systeme insgesamt kritischer hinterfragt werden. Bisher bewährte Prozesse in Feld und Stall müssen wandelnde Wertvorstellungen – insbesondere im Umgang mit unseren Tieren – berücksichtigen“, skizzierte DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer die aktuelle Situation der Branche vor 550 Landwirten. „Trotz schwieriger Rahmenbedingungen müssen wir heute die großen Herausforderungen nachhaltiger Intensivierung für die Landwirtschaft 2030 aufgreifen.“ Die Landwirtschaft habe sich ihrer Defizite gestellt, von den Nährstoffbilanzen, den Resistenzen im Ackerbau bis zu den Zuchtzielen und Aspekten für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung, lobte Carl-Albrecht Bartmer den Gestaltungswillen der Branche. „Landwirtschaft 2030, das ist eine große Herausforderung an unsere Kreativität, unsere Veränderungs- und Anpassungsfähigkeit. Eine große unternehmerische Aufgabe für uns Landwirte und für die Unternehmer der vor- und nachgelagerten Bereiche. Als landwirtschaftliche Unternehmer haben wir die Chance, selbst die Weichen zu stellen, getragen von unserer Expertise, getragen von dem Willen zur selbstkritischen Auseinandersetzung mit unseren Prozessen in Ackerbau und Tierhaltung, selbstständig Korrekturen vorzunehmen – und zwar rechtzeitig. Wir sehen heute eine Landwirtschaft, die in Feld und Stall nicht nur ökonomisch erfolgreicher, sondern insbesondere bezogen auf die große Menge erzeugter Güter auch viel nachhaltiger ist.“
 
„Landwirtschaft 2030: Unternehmer stellen Weichen“
 
Zunehmende Resistenzen von Krankheiten und Schädlingen im Ackerbau, die Umsetzung der Düngeverordnung, die Weiterentwicklung von Haltungssystemen und Zuchtprogrammen für mehr Tierwohl – die Herausforderungen für Landwirte sind umfangreich. Wer unternehmerische Weichen stellen muss, muss wissen, wohin die Reise geht. In der Fortführung der Diskussion rund um Landwirtschaft 2030 stellte die DLG auf den Unternehmertagen 2017 unternehmerische Herausforderungen in Ackerbau und Tierhaltung in den Mittelpunkt ihrer Diskussion und zeigte auf, wie Landwirte unternehmerische Lösungen finden können.
 
Fruchtfolgen müssen neu betrachtet werden
 
In den vergangenen 30 Jahren ist es zu einer starken Einengung der Fruchtfolgen auf wenige deckungsbeitragsstarke Kulturen gekommen. Spezialisierung erzielte steigende Betriebsergebnisse. Enge Fruchtfolgen verursachen jedoch zunehmend Resistenzen bei Unkräutern und -gräsern. Auch die Risiken von Kalamitäten verursacht durch Pflanzenschädlinge und -krankheiten steigen, so der Unternehmensberater Hans Hogreve, GesamtBetriebsBeratung Landwirtschaft (Steinhagen/Mecklenburg-Vorpommern). Deckungsbeitragsrechnungen müssten heute komplexer betrachtet werden, auch unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit. Unter Beachtung der Aspekte „Greening“, „Düngeverordnung“ und „Resistenzen“ und ihren finanziellen Auswirkungen auf das jeweilige Gesamtsystem, ergeben sich korrigierte Deckungsbeiträge einzelner Fruchtfolgen, die ackerbauliche Grundprinzipien  erfassen. Daraus lasse sich anschaulich darstellen, dass ein Umdenken notwendig ist, erläuterte Hogreve. Landwirte müssten schauen, was auf ihren jeweiligen Standorten möglich ist. „Es gibt nicht die eine für alle passende Fruchtfolge. Das wirtschaftliche Umfeld bestimmt die anbauwürdigen Kulturen.“ So seien zum Beispiel nicht überall Fruchtfolgeerweiterungen durch Zuckerrübe und Mais möglich. Erweiterte Fruchtfolgen könnten dennoch Betriebsergebnisse sichern, indem hohe und stabile Erträge, phytosanitäre Vorteile erreicht und politische Anforderungen effizient umgesetzt werden. So bieten mehr Sommerungen in der Fruchtfolge Vorteile, auch wenn diese in sich zwar wenig profitabel sind, aber in Gänze dem Betrieb weiterhelfen, etwa durch die Entzerrung von Arbeitsspitzen.
 
Stickstoff hat als Reparaturwerkzeug ausgedient
 
Zentrales Instrument der Düngeverordnung wird die Stoffstrombilanz werden, so Dr. Frank Lorenz, landwirtschaftlicher Berater an der LUFA Nord-West und Vorsitzender des DLG-Ausschusses für Pflanzenernährung. Auf Betriebsebene müssten die Landwirte die Nährstoffeinfuhr und die Nährstoffausfuhr vergleichen und die Werte online dokumentieren. Das erleichtere sowohl die Düngebedarfsplanung als auch die Kontrollen erheblich. In der Praxis, so Lorenz, sei daher, angesichts neuer Obergrenzen für Nährstoffe aus Wirtschaftsdünger, die Verbesserung der Nährstoffeffizienz notwendig. Landwirte sollten die Nährstoffeffizienz ackerbaulicher Maßnahmen, wie Fruchtfolgen, Sortenwahl, organische Düngung etc., bewerten. Auch die Technik müsse auf den Prüfstand – so verringere optimierte Ausbringungstechnik beispielsweise die Ammoniakverluste. „Die Formel ‚viel hilft viel‘ hat noch nie gestimmt, gilt aber jetzt umso deutlicher“, hob der Agrarwissenschaftler hervor. Stickstoff habe als Reparaturwerkzeug ausgedient. Es werde vielmehr auf die geeigneten Maßnahmen auf Acker und auf Grünland sowie in der Milchvieh- und Schweinehaltung ankommen, die die Stickstoffausnutzung weiter verbessern.
 
Die Turbo-Kuh ist ein Phantom
 
Die Anforderungen an mehr Tierwohl in der Milchviehhaltung steigen, Zuchtschwerpunkte und Haltungsbedingungen stehen auf dem Prüfstand. Eine betriebliche Analyse des Status Quo ist der Ausgangspunkt, um Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der Haltungssysteme zu finden. Aus Sicht von Dr. Stefan Rensing, Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung, Verden (Niedersachsen), gibt es keine negative Korrelation zwischen der Nutzungsdauer und der Milchleistung. „Die Turbo-Kuh ist ein Phantom“, so Rensing. Tierwohl in Form von funktionalen, respektive Gesundheits-Merkmalen werde ökonomisch begründet bereits gleichwichtig im Zuchtziel berücksichtigt. So fließen 45 Prozent Milchleistungsmerkmale, 15 Prozent funktionales Exterieur und 40 Prozent Gesundheitsmerkmale in die Zuchtwertschätzung ein. Die Milchrinderzucht arbeite gerade mit Hochdruck an weiteren Zuchtwerten für direkte Gesundheitsmerkmale wie Mastitis, Stoffwechselstörungen und die wichtigsten Klauenkrankheiten. Sobald diese vorliegen, würden sie entsprechend ihrer ökonomischen Bedeutung im Zuchtziel berücksichtigt. Hingegen ist die Aufnahme direkter Tierwohl-Merkmale im Zuchtziel aktuell kaum machbar, da die Definition erblicher Merkmale nicht möglich ist. Daraus folgt, dass mehr Tierwohl in der Milchviehhaltung in erster Linie eine Frage der Haltungsbedingungen und des Herdenmanagements ist.


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