DLG e.V. - Pressemeldungen

Presseinformationen für die Landwirtschaft:

Pflanzenschutztechnik: Landwirte richten Blick auf das Gestänge

DLG-PraxisMonitor gibt einen Überblick über den Stand der zurzeit in der Praxis verwendeten Technik

(DLG). Die Pflanzenschutztechnik hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte enorm weiterentwickelt. Es gibt sie zwar tatsächlich noch, die NoName-Spritzen osteuropäischer Fertigung mit 400 l Tank und 12 m Gestänge für 2.000 Euro. Aber dies ist nur die absolute Untergrenze der Investitionen. Für eine gut ausgestattete Anhängespritze sind mittlere fünfstellige Beträge normal, für den voll ausgestatteten Selbstfahrer müssen gut und gerne 300.000 Euro und mehr gezahlt werden. Doch wo liegen bei einer solchen Investitionsbreite die Unterschiede, und welcher Spritzentyp wird auf den Betrieben eingesetzt? Antworten darauf geben die Ergebnisse einer Online-Umfrage zum DLG-PraxisMonitor Pflanzenschutztechnik vom Juli 2017 unter führenden Praktikern.
 
Betriebsstruktur der Umfrageteilnehmer
An der Umfrage haben insgesamt 138 Betriebe teilgenommen, 98 Umfrageteilnehmer davon haben die Umfrage beendet. Die Teilnehmer bewirtschaften im Durchschnitt 340 ha landwirtschaftliche Nutzfläche mit 4,21 Arbeitskräften, die sich auf etwa 58 Teilflächen von durchschnittlich rund 6,91 ha Größe aufteilen. Insgesamt werden pro Jahr als Summe aller Überfahrten je Betrieb mehr als 1.250 ha mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, was dem etwa 3,7-fachen der Betriebsfläche entspricht. Weizen und Gerste, Raps, Mais und Zuckerrüben sind die am häufigsten behandelten Kulturen. Nur rund 26,4 Prozent der Fläche werden von den Landwirten als vorwiegend rechteckig bezeichnet (Grafik 1).
 
Alle anderen Flächen sind mehr oder minder asymmetrisch, was letztlich auch erläutert, warum fast die Hälfte aller Geräte mit einer GPS-gesteuerten ISOBUS-Teilbreitenschaltung, d. h. Section Control, ausgestattet ist. Die Frage nach der Bauart der Spritze beantworteten 113 Betriebe, die insgesamt 133 Pflanzenschutzspritzen im Einsatz hatten. Unter diesen waren acht Selbstfahrer und vier Aufbauspritzen, 45 (34 Prozent) waren Anbaugeräte und 76 (57 Prozent) Anhängespritzen (Grafik 2).

Als häufigster Hersteller wurde Amazone vor Hardi, Dammann und Lemken genannt (Grafik 3). Für den Kauf der Selbstfahrer als teuerste Geräte waren insbesondere die größere Bodenfreiheit und die Übersicht, der Komfort durch Entfall von Rüstzeiten, aber auch die einfachere Verwendung in Hanglagen und bei vielen kleinen Flurstücken entscheidend.
 
Für über 89 Prozent der Befragten ist es wichtig, den Pflanzenschutz komplett in den eigenen Händen zu behalten. Nur etwas mehr als 3 Prozent der Befragten lassen den Pflanzenschutz ganz und rund 8 Prozent der Befragten zumindest teilweise durch Lohnunternehmer ausführen (Grafik 4). Im Falle einer externen Vergabe von einzelnen Pflanzenschutzaufgaben war die Rapsblütenbehandlung die am häufigsten genannte. Auch für die Entscheidung, welches Mittel letztlich zum Einsatz kommt, fühlen sich die Betriebsleiter selbst verantwortlich – über 93 Prozent sind hier selbst die Entscheidungsträger, wenngleich sich rund 25 Prozent einer Unterstützung durch externe Pflanzenschutzberater bedienen (Mehrfachnennung möglich). Der Einkauf der Pflanzenschutzmittel wird in 98,5 Prozent der Fälle ebenfalls selbst durchgeführt.
 
Über 41 Prozent der Befragten bieten Pflanzenschutz aber selbst (auch) als Dienstleistung für kleinere Betriebe an. Hier sehen die Entscheidungs- und Einkaufswege ganz anders aus: Nur 18,6 Prozent der Kunden übernehmen die Entscheidung, in 37,3 Prozent der Fälle entscheidet der Lohnunternehmer über die nötigen Pflanzenschutzmaßnahmen alleine, in knapp 50 Prozent der Fälle in Abstimmung mit dem Kunden. Auch der Einkauf der Pflanzenschutzmittel erfolgt in rund der Hälfte der Fälle durch den Lohnunternehmer. Über vier Fünftel der Landwirte nutzen die windarme Nacht bzw. die dunklen Früh- und Abendstunden zum Spritzen aus – wohl ein weiterer Grund, weshalb eine GPS-basierte Teilbreitenschaltung heute so immens wichtig ist.
 
Aufwand und Kosten
Zugegeben: Die Kostenschätzung der Befragten hat uns ein wenig erstaunt, hatten wir doch eher damit gerechnet, dass die Pflanzenschutzmittel den größten Kostenfaktor pro Hektar darstellen. Insgesamt gaben die Landwirte an, pro Hektar 474,34 Euro für Pflanzenschutz auszugeben, die sich zu 41 Prozent auf Maschinenkosten, zu 35 Prozent auf Spritzmittelkosten und zu 24 Prozent% auf Personalkosten aufteilen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren macht sich eine Tendenz zu höherer zeitlicher Belastung bemerkbar. Während rund 36 Prozent den Aufwand als in etwa gleich einschätzen, geben über 45 Prozent der Befragten an, dass sie einen höheren bis stark gestiegenen Aufwand betreiben müssen. Dem stehen nur knapp ein Fünftel der Befragten gegenüber, deren zeitlicher Aufwand sich reduziert hat. Wo sich der Aufwand reduziert hat, gaben die Landwirte vor allem bessere Technik mit höherer Schlagkraft, aber auch verbesserte Applikationsstrategien an (Grafik 5). Auf der Gegenseite werden vor allem Dokumentationspflichten und Kontrollgänge als Zeitfresser genannt. Außerdem machen sich laut Auskunft der Umfrageteilnehmer Resistenzen und deren Vermeidung, Splitting der Aufwandmengen auf mehrere Arbeitsgänge und geänderte Wetterlagen mit höherem Infektionsdruck bei pilzlichen Erregern und Schadinsekten mit größerem Aufwand bemerkbar.
 
Gestängeführung ist ein Problem
Bei der Bewertung der vorhandenen Pflanzenschutzspritze durch die Praktiker wurden, soweit vorhanden, die Wirkung der Achsfederung und der GPS-gesteuerten Teilbreitenschaltung (Section Control) von den Praktikern gelobt. Auch die geschwindigkeitsabhängige Durchflussregelung sowie die Behälterkonstruktion mit auch in Hanglagen entsprechend geringen, im Behälter verbleibenden Spritzbrühen-Restmengen fielen positiv auf. Als nicht unproblematisch sehen die Landwirte eventuell vorhandene automatische Höhenführungen der Gestänge, die Funktion des automatischen Hangausgleichs sowie die auftretende Unruhe im Gestänge bei unebenem Untergrund. Diese kann durchaus nicht nur zu Schwingungen, sondern wohl auch zum Eintauchen des Gestänges in den Bestand oder gar zu Bodenberührungen führen.
 
Investitionsplanung
Wenn die Praktiker fünf Jahre in die Zukunft blicken, gaben über 97 Prozent der Befragten an, auch künftig weiter mit der eigenen Feldspritze den Pflanzenschutz durchführen zu wollen. Die Gesamtsumme der Geräte wird sich somit kaum ändern. Jedoch ergab sich eine Anteilverschiebung vom Dreipunktanbau mit dann 25,6 Prozent hin zur Anbauspritze (dann 65,5 Prozent). Dabei sind den Praktikern, neben der bereits genannten Gestängeführung, die technische Ausstattung der Feldspritze und die Verständlichkeit der Menüführung im Bedienterminal die wichtigsten Kriterien beim Kauf. Eine weitere große Rolle spielen der Händler bzw. die Entfernung und Verfügbarkeit zum Servicepartner sowie die eigene Erfahrung aus einem praktischen Feldeinsatz. Erst an hinterer Stelle steht der Anschaffungspreis, weit abgeschlagen hingegen wird die Marke als unwichtigstes Kriterium überhaupt gewertet. Wie bei den bisher vorhandenen Geräten wird auch bei zukünftigen Investitionen die geschwindigkeitsabhängige Durchflussmengenregelung quasi eine Standardausrüstung sein. Ebenfalls bereits heute verbreitet und in Zukunft wichtig sind eine automatische Gestänge-Höhenführung zum Beispiel über Ultraschallsensoren, ein aktiver Hangausgleich mit Konturanpassung ans Gelände sowie eine Gestängedämpfung. Auf der Elektronikseite wird sich sicherlich der Anteil der Spritzen mit GPS-gesteuerter ISOBUS-Teilbreitenschaltung durch noch häufigere Dämmerungs- und Nachtfahrten, die ungleichmäßig geformten Schläge sowie nicht zuletzt die Dokumentationspflichten noch weiter ausbauen.

Fazit
Im Vergleich zum letzten DLG-PraxisMonitor spielt bei Pflanzenschutztechnik eine mögliche Verschiebung weg vom eigenen Betrieb und hin zum Lohnunternehmer keine, aber auch gar keine Rolle. Dies ist umso erstaunlicher, als die Landwirte bei der Gülletechnik vor allem die Kosten moderner Ausbringtechnik als Grund für ein Ende der Eigenmechanisierung angegeben haben. Moderne Pflanzenschutzspritzen mit hoher Schlagkraft schlagen sicherlich mit Kosten in ähnlicher Höhe zu Buche. Zumal die Entwicklung in Richtung noch ausgefeilterer oder – um den Vergleich mit der Medizin ein letztes Mal zu bemühen – noch „mikroinvasiverer“ Applikationsmethoden die ohnehin hohen Maschinenkosten noch weiter nach oben treiben werden. Gleichzeitig haben die Landwirte den Herstellern und auch der DLG noch Hausaufgaben ins Stammbuch geschrieben: Das Thema Gestängeführung und Gestängelage ist mit Sicherheit noch nicht bis zum Ende ausdiskutiert.
 
Interessenten erhalten weitere Informationen zur Umfrage bei Dr. Frank Volz, DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel, E-Mail: f.volz@DLG.org .
 


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