DLG e.V. - Pressemeldungen

Presseinformationen für die Landwirtschaft:

„Ein Ferrari mit defekten Reifen kommt auch nicht weit“

Gesunde Klauen sind die Basis für eine erfolgreiche Milcherzeugung – Fachleute informierten auf einer DLG-Fachtagung am 5. Mai 2017 in Leipzig

(DLG). Gesunde Klauen sind die Basis für eine erfolgreiche Milcherzeugung. Dies machten Fachleute aus Wissenschaft und Beratung auf einer DLG-Fachtagung am 5. Mai 2017 in Leipzig deutlich. Die Veranstaltung fand im großen Tierschauring im Rahmen der mitteldeutschen Landwirtschaftsausstellung agra statt. Mehr als 150 Teilnehmer verfolgten die Fachvorträge zu den Themen „Klauenerkrankungen erkennen und vermeiden“ von Dr. Hans-Peter Klindworth vom Tiergesundheitsdienst in Vierden (Niedersachsen) und Dr. Hans-Joachim Herrmann vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen in Wetzlar. Zudem demonstrierte Prof. Dr. Alexander Starke, Fachtierarzt für Klauengesundheit an der Universität Leipzig, gemeinsam mit Mitarbeiterinnen des Institutes die fachgerechte Klauenpflege anhand eines eigens im großen Ring aufgestellten Klauenpflegestandes.
 
„Ebenso wie ein ansonsten top gepflegtes und gewartetes Auto bei defekten Reifen nicht zum Fahren taugt, kann eine optimal mit Futter und guten Umweltbedingungen ausgestattete Kuh keine gute Leistung erzielen, wenn ihre Klauen nicht in Ordnung sind“, so Dr. Klindworth in seinem Vortrag. Es gelte, Lahmheiten frühzeitig zu erkennen und die Neuerkrankungsrate sowie die Dauer von Klauenerkrankungen zu verringern bzw. zu verkürzen. Gesundheitsstörungen müssten eindeutig identifiziert und infektiöse Erkrankungen von nicht infektiösen Erkrankungen unterschieden werden. Wie Dr. Klindworth weiterhin ausführte, geben die Beinstellung der Kuh und die Bewegungen beim Laufen Aufschluss über den Status der Herde. Regelmäßige Klauenpflege in der Herde und die systematische Dokumentation sollten seiner Meinung nach heute zum Standard in modernen Milchviehbetrieben gehören. Eine permanente Kontrolle auf Lahmheiten, die Identifikation der Erkrankungsart und die umgehende Behandlung, wie zum Beispiel zur Eindämmung einer Verbreitung infektiöser Erkrankungen, sind unumgänglich für die Gesunderhaltung einer Milchviehherde.
 
„Durch Klauenerkrankungen verliert der Landwirt Geld, das er nie in seiner Tasche hatte“, betonte Dr. Hans-Joachim Herrmann. Das Auftreten von Klauenerkrankungen wird aktuell deutlich unterschätzt, aktuelle Abgangszahlen wegen Klauenerkrankungen liegen in Deutschland im zweistelligen Prozentbereich. Klauenerkrankungen als multifaktorielles Problem werden sowohl im Auftreten in der Herde als auch in der Bedeutung für den Erfolg des Betriebs nach wie vor unterschätzt. Ein strategisches Vorgehen für diesen so wichtigen Bereich der Tiergesundheit sichert nach Auffassung von Dr. Herrmann langfristig die Herdengesundheit. Regelmäßige Klauenpflege mit Dokumentation, optimale Gestaltung von Laufwegen und Liegeflächen sowie eine der Leistung und dem Tier als Wiederkäuer angepasste Fütterung sind wichtige Eckpunkte zur Prophylaxe. Zudem komme der Bodengestaltung und -beschaffenheit eine hohe Bedeutung zu. Bei der Wahl der Liegeflächen spielt weniger das System – Hoch- oder Tiefbox – die entscheidende Rolle. Nach Dr. Herrmann kommt es vielmehr auf das optimale Management und die Pflege an. Er forderte dazu auf, sich vermehrt dem Gesundheitsmanagement zuzuwenden, denn „kranke Klauen kosten Milchgeld“.
 
Im Rahmen der praktischen Vorführung am Tier, die von den Besuchern über eine Handkamera und der Bildprojektion auf die Videowand im Details optimal verfolgt werden konnte, erläuterte Prof. Dr. Alexander Starke die Notwendigkeit einer für das Tier möglichst stressfreien und der für die behandelnde Person sichere und ergonomische Gestaltung von Klauenpflege- und Behandlungsständen. Bereits beim Zutrieb der Tieres ist eine effiziente und durch neue Erkenntnisse verbesserte Gestaltung sinnvoll und empfehlenswert. Innovationen haben bei Klauenpflegeständen in den letzten Jahren Einzug gehalten, auch um die extremen Arbeitsbedingungen für den Klauenpfleger zu verbessern. Für die Weiterentwicklung und Festigung des allgemeinen Wissenstandes bei der professionellen Klauenpflege sind neben der permanenten Weiterbildung in diesem Fachgebiet einheitliche Ausbildungsbedingungen und Anforderungen bei Prüfungen und Ausbildungsvorgaben erforderlich, erläuterte Prof. Starke. So hält er eine bundesweite Abstimmung von Ausbildungs- und Prüfungsinhalten zur Verbesserung der Klauengesundheit in den Milchherden für nötowendig.
 
Im Rahmen der Fachtagung zeichnete DLG-Aufsichtsratsmitglied René Döbelt, Landwirt in Nemt (Sachsen) Milchviehhalter für die langjährige Erzeugung von Qualitätsmilch mit dem „Band der Milch-Elite“ aus.
 
Interessenten erhalten weitere Informationen zur Fachtagung bei der DLG. Ansprechpartner ist Dieter Mirbach, Tel.: 069/24788-312 oder E-Mail: d.mirbach@dlg.org.
 
 


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