DLG e.V. - Pressemeldungen

Presseinformationen für die Landwirtschaft:

DLG-PraxisMonitor Mineraldüngetechnik: Times are a-changing

Im Laufe des letzten Jahres hatten wir bereits Bodenbearbeitung und Aussaat ins Visier des DLG-PraxisMonitors genommen, unserer Umfrage unter Spitzenlandwirten. Höchste Zeit für die Trends und Veränderungen bei der Applikation von Mineraldüngern.

Fragt man pflanzenbautechnische Laien, so brauchen Pflanzen für ein effizientes Wachstum einen gut vorbereiteten Boden, die passende Aussaat, Sonnenlicht und Wasser. Hobbygärtner bringen immerhin in der Regel schon die 200 Jahre alten Erkenntnisse von Carl Sprengel (Bild 1) ins Spiel, der 1828 die ersten zwölf Mineralien als Nährstoffe identifizierte. Obwohl man davon ausgehen kann, dass der Name Carl Sprengel nur wenigen geläufig ist. Weitaus bekannter ist die Fortführung seiner Ideen durch Justus von Liebig, der damit endgültig zum Wegbereiter der modernen Landwirtschaft wurde. Mit dem Hinweis, dass durch die großflächige praktische Anwendung von Liebigs Idee einer Mehrnährstoffdüngung und seines Gesetzes des Minimums in den 40 Jahren rund um die Gründung der DLG beinahe eine Verdopplung der Erträge erreicht werden konnte, soll der Exkurs in die Geschichte heute enden. Im Rahmen des vorliegenden PraxisMonitors zur Mineraldüngetechnik haben wir im Januar 2017 führende Praktiker zu zentralen Aspekten von Mineraldüngern und Mineraldüngerstreuern befragt. Neben dem Ziel, einen Überblick über den Stand der derzeit in der Praxis verwendeten Technik zu erlangen, wollten wir die Ergebnisse auch mit einer Umfrage aus der Vergangenheit vergleichbar halten – hatten wir doch im allerersten DLG-PraxisMonitor vor fast einem Jahrzehnt schon einmal das Thema Mineraldüngung im Fokus.

Betriebsstruktur
An der diesjährigen Umfrage nahmen insgesamt 221 Spitzenlandwirte teil. Sie bewirtschaften mit durchschnittlich 3,89 Arbeitskräften zwischen 5 und 4.000 ha, im Schnitt 291,35 ha bzw. knapp 65.000 ha insgesamt. Auf seinen Flächen bringt unser Durchschnittsbetrieb inklusive Kalk rund 180 t Mineraldünger aus. Jeder Betrieb hat rund 51 Teilflächen mit einer durchschnittlichen Schlaggröße von 5,83 ha. Weizen, Mais, Gerste, Raps sind wie erwartet die häufigsten Früchte, gefolgt von Grünland, Zuckerrüben und Roggen. Beim Flächenzuschnitt (Bild 2) haben sich die Verhältnisse im Vergleich zur Vergangenheit verbessert.
Waren 2008 nur 14 % der Flächen vorwiegend rechteckig, so wurde hier heute ein Anteil von 26,3 % genannt, während die vorwiegend bzw. teilweise asymmetrischen Flächen in der aktuellen Umfrage etwas weniger häufig genannt wurden. Gerade für die Ausbringung von Mineraldüngern mit Wurfstreuern sind große, rechteckig zugeschnittene Flächen gegenüber kleinen, asymmetrischen Parzellen sowohl in Sachen Ausbringgenauigkeit als auch in Bezug auf Arbeitseffizienz von Vorteil. Unter den befragten Betrieben waren nur zwölf Kleinbetriebe, die die Düngerausbringung nicht oder nur teilweise selbst durchführen, 94,5 % der Betriebe düngen selbst. Jedoch mietet rund ein Drittel der Betriebe für die Kalkausbringung einen speziellen Kalkstreuer zu oder lässt den Kalk durch einen Dienstleister ausbringen. Im Gegenzug wird von rund einem Fünftel der Betriebe (18,4 %) die Ausbringung von Mineraldünger zumindest gelegentlich als Lohndienstleistung angeboten.

Düngersorten
Das Ranking der ausgebrachten Düngersorten führt Kalkammonsalpeter mit einem großen Abstand vor schwefelsaurem Ammoniak, NPK-Dünger, Kalidünger und Ammonsulfatsalpeter an (Bild 3). Hier hat im Vergleich eine Verschiebung stattgefunden. Die Kalkammonsalpeternutzung hat zugenommen, während insbesondere die Harnstoffnutzung zurückgegangen ist. Etwa 15 % der Betriebe geben an, beim Landhändler oder vor Ort auf dem Betrieb hergestellte Düngermischungen auszubringen, die besondere Herausforderungen an die Streutechnik stellen können. Mit „sehr wichtig“ bei über 50 % der Angaben ist der Preis des Düngers auch weiterhin das wichtigste Kaufkriterium, gefolgt von Erfahrungswerten (37,2 % „sehr wichtig“) und der Verfügbarkeit. Demgegenüber spielt die Marke des Düngers gar keine Rolle – über 52 % der Befragten halten diese für weniger wichtig oder unwichtig.
In über 60 % der Kaufentscheidungen spielt die visuelle Beurteilung des Düngers im Lager eine wichtige bis sehr wichtige Rolle und über 51 % der Befragten geben an, dass ihnen ein Prüfzeichen bei der Kaufentscheidung wichtig bis sehr wichtig ist. Bei der Qualitätsbeurteilung sind die wichtigsten Parameter die Verklumpungsneigung, die Rieselfähigkeit und die Entmischungsneigung bei Düngermischungen. Auch in dieser Frage gibt rund die Hälfte der Befragten an, dass ihnen als Kriterium zur Bewertung der Düngerqualität ein Prüfzeichen wichtig bis sehr wichtig wäre.

Technik
In Sachen Düngerlagerung verzichtet über die Hälfte der Betriebe komplett auf eine Lagerhaltung, sondern holt die benötigte Menge bedarfsgerecht direkt beim Landhändler ab; der Hänger wird hier etwa doppelt so oft genutzt wie der Streuer selbst. Bei der Düngelagerung auf der Hofstelle wird etwa doppelt so häufig auf Halde als in Big Bags gelagert. Dies hat natürlich Einfluss auf die Ein- und Auslagerungstechnik. Rund 70 % nutzen dazu entweder den Frontlader des Traktors oder einen Rad- bzw. Teleskoplader. Der Betriebsgröße angemessen setzt über die Hälfte der Befragten Düngerstreuer mit einem Behältervolumen von mehr als 2.000 l ein, bei 15 % der Befragten überstieg das Behältervolumen die 3.500-l-Grenze. Bei rund einem Drittel der Düngerstreuer gaben die Befragten eine Arbeitsbreite zwischen 24 und 28 m an, während gut 12 % der Betriebe Großstreuer mit Arbeitsbreiten von 30 m oder mehr nutzen. Gerade die Letztgenannten bewerten die Düngerqualität auffallend häufig mit „sehr wichtig“. Bei über 75 % der Streuer erfolgt der Antrieb mechanisch über Zapfwelle, einen elektrischen Antrieb hatte nur ein einziger Streuer in der Umfrage. Die Tatsache, dass über 80 % ihren Düngerstreuer neu gekauft haben, 36 % der Düngerstreuer zum Zeitpunkt der Befragung unter fünf Jahre alt waren und sogar vier Betriebe gerade, d. h. in 2017 einen neuen Düngerstreuer angeschafft hatten, zeigt, wie wichtig den Befragten ein genau funktionierender Düngerstreuer in der heutigen Zeit ist. Die beiden am häufigsten genannten Hersteller waren Amazone (44,1 %) und Rauch (37,9 %). In Sachen Zusatzausstattung sind Grenz- und Randstreueinrichtungen sowie eine Abdeckplane mit zwei Drittel der Nennungen oder mehr bzw. Bordrechner und Wiegetechnik mit jeweils über 50 % der Nennungen als Stand der Technik zu bezeichnen (Bild 6). Dass nur rund ein Fünftel der Streuer in der Umfrage ISOBUS-fähig war, mag der Tatsache geschuldet sein, dass beispielsweise die vorgesehenen Traktoren (noch) keine ISOBUS-Ausstattung hatten und die Praktiker deshalb Stand-alone-Lösungen dem Bussystem vorziehen. Die geringe Anzahl an mobilen Feldtests hat uns aber etwas verwundert. Schließlich gibt es außer einem Auffangschalen-Set keine adäquate Lösung zur Kontrolle des Streubilds, wenn man von den genannten rund 3 % High-End-Streuern mit Streubildüberwachung durch Sensoren absieht.

Handhabung
Bei der Vorauswahl der Einstelldaten sind die Streutabellen der Hersteller mit rund 80 % der Nennungen die häufigste Quelle. Jedoch wird durch die ständige, auch mobile Verfügbarkeit das Internetangebot der Streuerhersteller mit über 50 % der Nennungen zunehmend wichtig. Mit den vom Düngerstreuerhersteller zur Verfügung gestellten Dokumenten sind die Praktiker ebenso auffällig zufrieden wie mit Anbau, Ausrichtung und Einstellung der Düngerstreuer. Bei der Einstellung des Düngerstreuers auf die auszubringende Düngersorte und -menge ist uns aufgefallen, dass etwa 30 % der Befragten angegeben haben, ihren Düngerstreuer nicht abzudrehen bzw. noch nie abgedreht zu haben (Bild 7). Zwei Drittel dieser Stichprobe besitzen aber einen Düngerstreuer, der über entsprechende Wiegetechnik oder Drehmomentmessung und einen Bordrechner die Ausbringmenge automatisch anpasst. In Bezug auf die Abdrehprobe haben 30 % der Befragten die Erfahrung gemacht, dass die tatsächliche Menge nach Abdrehprobe von der Streutabelle teilweise oder merklich abweicht. Die Umfrageteilnehmer haben die Einstellung der Arbeitsbreite als eher einfach bis sehr einfach bewertet; am häufigsten erfolgt diese über eine Wurfschaufelverstellung am Düngerstreuer (30,4 %), gefolgt von einer Aufgabepunktverstellung am Düngerstreuer (16,0 %) bzw. einem Scheibenwechsel (16,7 %). Auf der anderen Seite bewerten über ein Drittel der Befragten die Kontrolle der Düngerverteilung als weniger einfach bis eher kompliziert – insofern ist nicht verwunderlich, dass rund 10 % der Befragten auf eine Kontrolle ganz verzichtet und sich rund die Hälfte der Befragten auf einen groben Blick auf die Verteilung während oder nach dem Streuen beschränkt.

Fazit
Düngerstreuer sind heute im Prinzip ausgereift, was die hohe Zufriedenheit der Anwender z. B. in der Handhabung beweist. Technische Verbesserungen sollten vor allem an den Punkten greifen, wo durch Sensorik und Automatisierung aktuelle Bedienungenauigkeiten und Schwankungen in der Düngerqualität ausgeglichen werden können. Eine durch Wiegetechnik überwachte bzw. geregelte Streumengeneinstellung oder die sensorgestützte Kontrolle der Düngerverteilung sind solche Punkte, an denen durch Ausschalten der beiden Hauptfehlerquellen Mensch oder Zusammenwirken von Dünger und Technik ggf. Betriebsmittel eingespart bzw. punktgenauer eingesetzt werden können. So würde auch die Umwelt noch weiter geschont werden. Gleichzeitig besteht auf der Betriebsmittelseite ein Bedarf nach einer objektiven Bewertung der Düngermittelqualität durch ein Prüfzeichen mit hoher Praxisrelevanz. Da die Nutzung vor Ort gemischter Dünger zunimmt, sollte man auch dieses besondere Thema nicht aus den Augen verlieren. Das Thema Mineraldüngung bleibt also auch weiterhin spannend.
 
Dr. Frank Volz, DLG
f.volz@DLG.org
 
 
Kasten Zitat Dr. Michael Eise,
„In Bezug auf den aus der Praxis deutlich geäußerten Bedarf eines Prüfzeichens für Düngemittelqualität stellt die Umfrage ein typisches Beispiel für die Keimzelle einer DLG-Prüfung dar, insofern werten wir die Ergebnisse beim DLG-Testzentrum als Ansporn und Auftrag. Wir werden mit Landwirten und Düngungsexperten sowie Herstellern von Düngerstreuern und Düngemitteln zeitnah in einen intensiven Austausch gehen, um die Entwicklung eines Prüfprogramms mit hoher Praxisrelevanz voranzutreiben.“
Dr. Michael Eise, Bereichsleiter Betriebsmittelprüfungen am DLG-Testzentrum Technik und Betriesmittel
 
 
Bilder:
 
Bild 1: Carl Sprengel
Bild 2: Flächenzuschnitt auf den Betrieben
Bild 3: Düngersorten
Bild 4: Lagerhaltung
Bild 5: Düngerstreuerhersteller
Bild 6: Streuerausstattung
Bild 7: Häufigkeit von Abdrehproben
Bild 8: Die Wurfschaufeln, gefolgt von den Wurfscheiben, sind die Hauptverschleißteile.


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