DLG e.V. - Pressemeldungen

Presseinformationen für die Landwirtschaft:

Bundeseinheitliche Regelung für Vorbau-Kamera-Monitor-Systeme

Empfehlungen des Bundesverkehrsministeriums für Kamera-Monitor-Systeme zum Ausgleich bei Sichtfeldeinschränkungen bei Vorbaumaßüberschreitung von mehr als 3,5 m veröffentlicht – Prüfrahmen der DLG weitestgehend Grundlage der Regelung – Anpassung der Prüfung nach UNECE-Regelung Nr. 46 an die landwirtschaftliche Praxis

(DLG). Mit der Bekanntgabe im „Verkehrsblatt“, dem alle zwei Wochen erscheinenden Amtsblatt des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur der Bundesrepublik Deutschland, hat das Bundesverkehrsministerium kürzlich eine bundeseinheitliche Regelung für Vorbau-Kamera-Monitor-Systeme in Kraft gesetzt. In den veröffentlichten, umfangreichen Empfehlungen werden die Anforderungen an ein Kamera-Monitor-System definiert, das zum Ausgleich von Sichtfeldeinschränkungen bei einer Überschreitung des maximal zulässigen Vorbaumaßes von 3,5 m dienen kann. Die jetzt veröffentlichten Regelungen decken sich weitestgehend mit einem Prüfrahmen, den eine ehrenamtliche Prüfungskommission des Testzentrums Technik und Betriebsmittel der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V.) 2015 veröffentlicht hat und der den Prüfungen für ein Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT GESAMT-PRÜFUNG für Vorbau-Kamera-Monitor-Systeme“ zugrunde liegt.
 
Hintergrund dieser Prüfung ist die Möglichkeit, einen Einweiser durch ein technisches System zu ersetzen. Dieser wurde bisher bei einem über 3,5 m hinausgehenden Vorbaumaß in einem 2009 veröffentlichten „Merkblatt für angehängte Arbeitsgeräte“ bei eingeschränktem Sichtfeld gefordert. Die genannten Überschreitungen des gesetzlich zulässigen Vorbaumaßes von 3,5 m treten insbesondere bei Verwendung von Frontanbaugeräten auf. Dies betrifft land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge ebenso wie Bau- und Kommunalfahrzeuge, wie zum Beispiel Radlader, Bankettmäher oder auch Fahrzeuge im Winterdienst. Nicht zuletzt aufgrund der heute deutlich erhöhten Verkehrsdichte und einer damit verbundenen Gefährdung des Einweisers durch den Straßenverkehr, war die jahrzehntealte Einweiser-Regelung bereits in der Vergangenheit in der Praxis nicht umsetzbar und daher in die Kritik geraten.
 
Den Anstoß zur Entwicklung dieser wichtigen Prüfung, die nun in geltendes Recht umgesetzt wurde, hatte der Fachausschuss für Normen und Vorschriften des DLG-Fachzentrums Landwirtschaft gegeben, da heutige Traktoren höherer Leistungsklassen bereits ohne Anbaugeräte das maximal zulässige Vorbaumaß erreichen können. Insbesondere Lohnunternehmer hatten bemängelt, dass schon bei Transportfahrten mit einem Frontgewicht, z. B. in Silage-Häckselketten, ein Einweiser vonnöten wäre. Der breiten (Fach-)Öffentlichkeit und Politik wurde das Thema in einer Sondervorführung der DLG auf der Agritechnica 2015 vorgestellt.
 
Als vom Kraftfahrtbundesamt für Fragen des Sichtfelds benannter Technischer Dienst bietet das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel die entsprechenden Prüfungen für Hersteller von Kamera-Monitor-Systemen an. Die Eignung eines Kamera-Monitor-Systems wird über das Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT GESAMT-PRÜFUNG“ nach außen sichtbar dokumentiert. Für Rückfragen zur praktischen Umsetzung der Prüfung steht der zuständige Prüfingenieur Jürgen Goldmann unter 069 / 24 788-674 bzw. j.goldmann@DLG.org zur Verfügung.
 
DLG-ANERKANNT GESAMT-PRÜFUNG
Ein Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT GESAMT-PRÜFUNG“ wird für landtechnische Produkte verliehen, die eine umfassende Gebrauchswertprüfung der DLG nach unabhängigen und anerkannten Bewertungskriterien erfolgreich absolviert haben. In dieser Prüfung werden neutral alle aus Sicht des Praktikers wesentlichen Merkmale eines Produkts bewertet. Die Prüfung umfasst Untersuchungen auf Prüfständen und unter verschiedenen Einsatzbedingungen, zusätzlich muss sich der Prüfgegenstand bei der praktischen Erprobung im Einsatzbetrieb bewähren. Die Prüfbedingungen und -verfahren wie auch die Bewertung der Prüfungsergebnisse werden von einer unabhängigen Prüfungskommission in einem Prüfrahmen festgelegt und laufend den anerkannten Regeln der Technik sowie den wissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Erkenntnissen und Erfordernissen angepasst. Die erfolgreiche Prüfung schließt mit der Veröffentlichung eines Prüfberichtes sowie der Vergabe des Prüfzeichens ab, das fünf Jahre ab dem Vergabedatum gültig ist.
 
Die DLG-Prüfung für Vorbau-Kamera-Monitor-Systeme bewertet die Eignung dieser Assistenz-Systeme für Fahrer von land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen in Bezug auf ihren Einsatz im landwirtschaftlichen Umfeld sowie bei Einsätzen im außerlandwirtschaftlichen Bereich wie Winterdienst oder Landschaftspflege. Die Prüfung umfasst die Beständigkeit gegenüber den rauen Einsatzbedingungen, technischen Daten wie Signalverzögerung und Bildauflösung, eine Praxisprüfung des Systems auf einer Trägermaschine wie einem Vorbaugerät oder Selbstfahrer sowie die Bewertung des Systems durch Probanden nach einer praktischen Anwendung. Mit der Vergabe des Prüfzeichens „DLG-ANERKANNT“ sieht die DLG-Prüfungskommission das geprüfte Vorbau-Kamera-Monitor-System als eine „geeignete Maßnahme“ zum Ersatz eines Einweisers im Sinne des im Verkehrsblatt vom 27.11. 2009 veröffentlichten Merkblatts für angehängte Arbeitsgeräte an.
 
Das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel
Das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel Groß-Umstadt ist der Maßstab für geprüfte Agrartechnik und Betriebsmittel und führender Prüf- und Zertifizierungsdienstleister für unabhängige Technik-Tests. Mit modernster Messtechnik und praxisnahen Prüfmethoden stellen die DLG-Prüfingenieure Produktentwicklungen und Innovationen auf den Prüfstand. Als mehrfach akkreditiertes und EU-notifiziertes Prüflabor bietet das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel Landwirten und Praktikern mit den anerkannten Technik-Tests und DLG-Prüfungen wichtige Informationen und Entscheidungshilfen bei der Investitionsplanung für Agrartechnik und Betriebsmittel.


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