DLG e.V. - Länderreport Polen 2017 - Schweinehaltung

Länderreport Polen 2017 - Schweinehaltung Fokus Nährstoffmanagement, Lösung Zielkonflikt Tierwohl-Umwelt und Nährstoffbestimmung in Gülle

Die Vorgaben im Düngerecht führen zu Handlungsbedarf bei den Schweinehaltern, das Nährstoffmanagement weiterzuentwickeln. Und für den Zielkonflikt zwischen Tierwohl und Umweltschutz sehen die in Polen befragten Schweinehalter in Polen Lösungsansätze.

DLG-Agrifuture Insights beschreibt die Beurteilungen der Schweinehalter und deren Pläne für die Betriebsentwicklung in den kommenden 12 Monaten.

  • Im betrieblichen Nährstoffmanagement bzw. der Emissionsminderung setzen die in Polen befragten Schweinehalter auf die bodennahe Ausbringung von Gülle und die Landpacht.
  • Die Mehrheit der Schweinehalter ist der Meinung, dass mit neuen Stallkonzepten der Zielkonflikt zwischen Tierwohl und Umweltschutz gelöst werden kann.
  • Knapp ein Drittel der Landwirte hält die Tierwohlställe für realisierbar. Diese Beurteilung liegt im Vergleich zu den anderen Ländern über dem Durchschnitt.
  • Bei den Techniktrends liegt der Interessensschwerpunkt auf der Bestimmung von Nährstoffen in Gülle.

Die Reduktion von Emissionen und die Verbesserung des Nährstoffmanagements sind europaweite Themen für die Schweinehalter. Um Emissionen zu reduzieren, halten die in Polen befragten Schweinehalter die Abluftreinigung für ein geeignetes Verfahren. Weiterhin sehen die Landwirte in der bodennahen Ausbringung von Gülle eine effiziente Möglichkeit, Emissionen bzw. Nährstoffverluste zu vermeiden.

Den Abschluss von Gülleabnahmeverträgen hält nur ein Drittel der befragten Schweinehalter für ein geeignetes Instrument im Nährstoffmanagement, während über die Hälfte der Teilnehmer diese Variante für ungeeignet hält. Mit im Durchschnitt 26 Prozent ist der Pachtflächenanteil der befragten Landwirte niedrig und damit der Bedarf an vertraglicher Abnahme von Gülle gering. Die Schweinehalter halten die Zupacht von Land für deutlich geeigneter, um etwaige Nährstoffüberschüsse abzubauen. Denn die klein strukturierte polnische Betriebsstruktur ist gekennzeichnet durch anhaltend hohe Strukturwandel, was Neupachtungen zu wirtschaftlichen Preisen ermöglicht.

Die Anforderungen an mehr Tierwohl und die gleichzeitig erwartete Reduzierung von Emissionen führt die Schweinehalter in einen Zielkonflikt, der Entscheidungen über die Weiterentwicklung der Haltungsverfahren erschwert. Denn mitunter führt mehr Tierwohl in den Ställen – bspw. durch Freiluftbereiche für die Schweine – zu höheren Emissionen. Doch rund zwei Drittel der in Polen befragten Schweinehalter sind der Meinung, dass der Zielkonflikt mit neuen Stallkonzepten gelöst werden kann.

Mit knapp einem Drittel sind im Ländervergleich überdurchschnittlich viele Schweinehalter in Polen der Meinung, dass Tierwohlställe eine realistische Alternative zu den herkömmlichen Stallsystemen sind. Diese Beurteilung überrascht vor dem Hintergrund der verschärften Seuchensituation, die durch die Afrikanische Schweinepest bedingt ist. Insbesondere das Beispiel der Schweinehaltung in Polen zeigt aufgrund der Seuchensituation, dass neben Tierwohl und Umweltschutz auch die Seuchenprävention in der Schweinehaltung ein wichtiges betriebliches Ziel ist. Dieses müssen die Landwirte bei ihren Entscheidungen über die Weiterentwicklung der Verfahren ebenso berücksichtigen wie die angestrebten Verbesserungen bei Tierwohl und Emissionsreduktion.

Als wichtigsten Techniktrend beurteilen die in Polen befragten Schweineerzeuger die Bestimmung der Nährstoffgehalte in Gülle. Denn effiziente Düngung mit Wirtschaftsdünger setzt die genaue Kenntnis über die in der Gülle enthaltenen Nährstoffgehalte voraus. Weiterhin spielen Zulassungsverfahren für tierwohlgerechte Ställe eine wichtige Rolle in der Beurteilung der polnischen Schweinehalter. Denn die offizielle und systematische Zulassung von Haltungssystemen könnte ein Baustein in der Debatte darüber sein, wie Landwirte die Haltungssysteme hin zu mehr Tierwohl verbessern. Zudem unterstützt eine Zulassung die Entscheidung über die weitere Entwicklung der betrieblichen Haltungsverfahren. 

Um mehr Tierwohl zu erreichen, setzen über 70 Prozent der Schweinehalter in Polen auf die Stärkung der Zuchtziele Gesundheit und Vitalität der Schweine. Auch ein größeres Platzangebot und Beschäftigungsmaterial halten die Schweinehalter für praktikabel, um mehr Tierwohl zu erreichen. Auch wenn Außenklimareize im Zuge der Tierwohlställe als wichtiger Beitrag für mehr Tierwohl genannt werden, halten lediglich 30 Prozent der befragten Schweinehalter den Auslauf für die Tiere für ein probates Mittel. Denn die Seuchensituation in Polen erfordert besondere Vorsicht, um den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern.

Der Verzicht auf Kastration und das Kürzen der Schwänze überzeugt nur ca. jeden fünften der Befragten Schweinehalter, um mehr Tierwohl zu erreichen. Denn beide Ansätze bergen Risiken für das Tierwohl, wie bspw. Rangkämpfe bei Ebern und dadurch entstehende Verletzungen. Die Schweinehalter in Polen sehen Haltungsverfahren noch nicht ausgereift genug, um auf Kastration und das Kürzen der Schwänze zu verzichten. 

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