DLG e.V. - 27. Sitzung 2008

DLG Fachausschuss tagte in Thüringen

„Kosten senken in der Fischerzeugung… „ lautete das Thema der 27. Fachausschusssitzung des DLG Fachausschusses für Fischzucht und –haltung, die im Frühjahr 2008 in Trostadt stattfand.
Einmal im Jahr kommen die gewählten Mitglieder und geladenen Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet und aus dem Ausland zusammen und bearbeiten Themen und Impulse für fortschrittliche Aquakultur und Binnenfischerei. Dieses DLG Fachgremium ist eines von 50 Ausschüssen und Arbeitskreisen aus allen Bereichen der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die DLG verbindet ca. 1000 ehrenamtliche Experten in einem Netzwerk für fortschrittliche Facharbeit.

Futter gilt, wie in anderen Nutztierbereichen, immer noch als Kostenfaktor Nummer eins. Grund genug diesem Produktionsfaktor im Hinblick auf Kostensenkung besonderes Interesse zu widmen. Beiträge aus der internationalen Futtermittelindustrie gaben einen Überblick über die Rohwarenquantität und –qualität auf den Märkten. Neue Messmethoden zur sofortigen Ermittlung der Proteinverdaulichkeiten von Fischmehlen wurden vorgestellt. Dadurch ist es möglich, jede in der Produktion verwendete Charge zu untersuchen und mit den aktuellen Resultaten direkt weiter zu formulieren.

Neuste Forschungsergebnisse über den Einsatz, die Verwertung und die Verdaulichkeit von Proteinen pflanzlicher Proteinträgern als Fischmehlersatz standen im Fokus der Sitzung. Besonders vielversprechend ist dänischen Untersuchungen zufolge der Einsatz von Erbsenprotein als Ersatzstoff, da das Aminosäureprofil dem des Fischmehles sehr nahe kommt. Im Sommer dieses Jahres wird in Golßen ein neues Fischfutterwerk seine Produktion aufnehmen, das direkt per Pipeline mit einem benachbarten Werk zur Herstellung von Erbsenprotein verbunden ist.

Amerikanische Selektionsversuche mit Forellen konnten aufzeigen, dass es starke Unterschiede in der Verwertung und Umsetzung der getesteten Proteine zwischen den Familien gibt. Eine Selektion auf diese Merkmale ist demnach durchaus sinnvoll für eine Verbesserung der Proteinausnutzung pflanzlicher Rohstoffe.

Weitere Themen, wie funktionelle Futtermittel und die Akzeptanz gegenüber genetisch veränderter Komponenten (GMO´s), Beispiel Soja, wurden rege diskutiert. Seitdem die globale Verknappung von Rohwaren und steigende Lebensmittelpreise Thema in den Medien und Märkten ist, stehen scheinbar sogar die deutschen Verbraucher den GMO Produkten aufgeschlossener gegenüber.

Besonderes Interesse fand ein Beitrag über den Einsatz von Hefezellschalen als Futtermittelzusatz zur Kostensenkung und Wachstumssteigerung. Die in den Hefezellschalen der Bäckerhefe enthaltenen Mannane und Glukane führten in Praxisversuchen auf einem Wels- und einem Forellenbetrieb in Praxi zu einer enormen Erhöhung der Zuwächse und Verringerung der Sterblichkeit unter anderem durch eine verbesserte Immunantwort. Vor allem in Brutfuttermitteln konnte der Zusatz vielversprechende Resultate zeigen.

Die Frage „ woher kommen die Proteine für die Versorgung der Aquakulturbestände 2015?“ wurde von den geladenen Futtermittelexperten einheitlich beantwortet. Auch 2015 wird das Fischmehl in der Ration nicht vollkommen ersetzt werden können und ca. 20 % Substitution nicht überschreiten. Dies gilt ganz besonders für Brutfuttermittel und für Raubfischbestände. Nachhaltige Bewirtschaftung von Fischbeständen in Fang und Aquakultur, sowie Discardminderung, Transparenz und Wahrnehmung von Verbraucheransprüchen müssen für die Zukunft ganz vorne stehen.

Um die verbesserte Ausnutzung des Produktionsfaktors „Wasser“ ging es im Praxisbeitrag des dänischen Forellenzüchters Olaf Schmidt-Meyer, der seine Anlage nahe der deutsch-dänischen Grenze auf Grund staatlicher Restriktionen auf geringeren Wasserzulauf einstellen musste und 2005 eine Modelanlage zur Forellenproduktion im Kreislauf in Betrieb nahm. Statt der früher genutzten 1000 l/Sekunde (Jahrestonnage 250 t Forellen) im Durchlauf, erzeugt der Züchter in der Kreislaufanlage nun die doppelte Tonnage mit nur 60 l/Sekunde.

Intensivierung und Produktionssicherheit stand in Theorie und Praxis ganz oben auf dem Programm des zweiten Sitzungstages, an dem es um neue Technologien und Prozesssteuerung ging. Familie Tautenhahn betreibt die Forellenanlage in Trostadt seit 1991 und erzeugt Setzlinge und Speisefische. Die Anlage ist sowohl im Hinblick auf den hygienischen Status (EU Zulassung- seuchenfrei) als auch auf die technologischen Komponenten (Fütterung, Sauerstoffeintrag und Abwasserreinigung) und Prozesssteuerung (Mess-, Steuer- und Regeltechnik) ein Vorzeigebetrieb und das nicht nur für Thüringen.

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Vorsitzender
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Stellvertretender Vorsitzender
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