DLG e.V. - Dünge-VO: Es wird teurer und komplizierter

Dünge-VO: Es wird teurer und komplizierter

Friedrich Baumgärtel ist Vorsitzender des DLG-Ausschusses für Ackerbau und Mitglied im DLG-Gesamtausschuss und Landwirt in Wegeleben/Sachsen-Anhalt.

Friedrich Baumgärtel zum Import organischer Substanz in Ackerbaubetriebe

In den vergangenen Jahren hatte es sich in einigen Ackerbauregionen eingespielt, organische Dünger aus den Veredelungshochburgen aufzunehmen und diese zur Nährstoffversorgung als auch zur Anreicherung der Böden mit organischer Substanz auszubringen. Dabei sind Transporte zum Beispiel aus den Niederlanden bis nach Sachsen-Anhalt an der Tagesordnung. Für diese weiten Transportentfernungen eignet sich Hühnertrockenkot (HTK) aufgrund der relativ hohen Nährstoffkonzentration und einfachen Zwischenlagerung am Feldrand besonders gut. Wo Infrastruktur für die Güllezwischenlagerung vorhanden ist, wird auch Gülle zum Teil von sehr weit angeliefert.

Die neue Düngeverordnung, die ich in diesem Beitrag nicht bewerten will, soll ja vorrangig das Grundwasser, mit besonderen Problemen in den Veredelungsregionen, schützen. Sie beeinträchtigt aber auch in erheblichem Maße den Einsatz von Wirtschaftsdüngern in den Ackerbauregionen, der aber unbedingt nötig ist, um die Nährstoffüberschüsse der Veredlungsregionen aufzunehmen.

Konkret bedeutet das, dass im Herbst deutlich geringere Düngermengen ausgebracht werden dürfen, weniger bei Raps und Gerste und nichts mehr zu (Stoppel)Weizen. Das bedeutet, am Beispiel meines Betriebes, das nur noch ca. 35 Prozent der in den vergangenen Jahren ausgebrachten HTK-Menge eingesetzt werden darf.

Weitere Probleme sind die Bilanzierung von Stickstoff und Phosphor sowie die neuen Obergrenzen für die Düngung, bei denen die Verfügbarkeiten mitunter nicht mit den Anrechnungsregeln übereinstimmen. Auch die mit allen Mitteln möglichst gering gehaltenen Ausbringungsverluste belasten die Bilanz.

Wie kann es nun aus Sicht des Ackerbauern weitergehen? Organische Dünger im Frühjahr ausbringen? Dann fällt HTK in den von Winterkulturen dominierten Fruchtfolgen aus. Bei Ausbringung in die Bestände ist die N-Ausnutzung unverantwortbar schlecht und sprengt dann jede Nährstoffbilanz.

Alternativ käme dann die Anwendung flüssiger Dünger mit bodennaher Ausbringung in Frage, für die aber Lagermöglichkeiten in der Nähe der Flächen zwingend erforderlich sind. Eine Direktanlieferung an die Ausbringkette über mehrere 100 km ist sicherlich nicht praktikabel.

Vor diesem Hintergrund ist es sicherlich sinnvoll, die teilweise dringend erforderlichen zusätzlichen Lagerkapazitäten gleich in den Ackerbauregionen zu errichten, wobei sich in den letzten Jahren aber gezeigt hat, dass von aufnahmewilligen Betrieben geplante Investitionen in Güllebehälter bei den Genehmigungsbehörden auf starke Ablehnung gestoßen sind.

Nun ist es aber auch eine Tatsache, dass in den für die Aufnahme von organischen Düngern in Frage kommenden Regionen eher schwere Böden vorkommen, die in normalen - und erst recht in nassen - Frühjahren mit schwerer Technik nicht ohne Strukturschäden zu verursachen, zu befahren sind.

Ich will und kann mir keinen Gülletanker mit 40 und mehr Tonnen Gesamtgewicht im Frühjahr auf meinen Flächen vorstellen.

Unter Berücksichtigung des Bodenschutzes, der für einen Ackerbauern höchste Priorität hat, kommt nur das bodenschonende Verfahren der „Verschlauchung“ in Frage. Diese Möglichkeit ist aber nicht von heute auf morgen umzusetzen und mit Sicherheit teurer, als HTK im Herbst am Vorgewende abzukippen und auszustreuen.

Diese genannten Probleme können nun den Schluss nahelegen, auf den Import von Wirtschaftsdüngern zu verzichten, sich zurückzulehnen und zu sehen, wie die Tierhalter in den Überschussregionen in der Gülle untergehen.

Aber das kann und darf nicht geschehen!

Denn:

  • Organische Dünger sind für Bodenfruchtbarkeit und Bodenleben sehr wertvoll!
  • Tierhalter sind unsere wichtigsten Kunden, über die Hälfte des in Deutschland erzeugten Getreides geht ins Futter! In den letzten Jahren wurde der Weizenpreis immer über die Nachfrage der Futtermischer hochgehalten!

Daher müssen wir Ackerbauern uns dieses Problems annehmen und den Kreislauf der Nährstoffe – sei es in Form von Futter(weizen) oder Kot und Gülle wieder als Gesamtherausforderung der Landwirtschaft betrachten. Die einseitig betriebswirtschaftliche Optimierung verschiedener Produktionsrichtungen hat uns ja erst das heutige Dilemma beschert. Es muss nach praktikablen Möglichkeiten gesucht werden, um den Wirtschaftsdünger aus den Veredlungsregionen auf einer größeren Fläche sinnvoll einzusetzen. Hier wird der Preis für mineralische Nährstoffe erst einmal Grenzen setzen. Vielleicht setzen die Grenzen der Dünge-VO dann auch eine Rückbewegung der Tierhaltung in die heutigen „Ackerbauregionen“ in Gang.