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Die digitale Zukunft gestalten

Next Steps Industrie 4.0

Die digitale Transformation schreitet rasant voran. Alle Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft müssen sich heute mit dem Thema Industrie 4.0 auseinandersetzen. Im Rahmen eines DLG-Forums diskutierten Experten Anfang Juni in Hannover über konkrete Handlungsoptionen in der Praxis.

 

Annika Naciri (in Zusammenarbeit mit  Prof. Dr.-Ing. Matthias Weiß, Hochschule Hannover) beleuchtete im Rahmen einer gemeinsam mit der DLG entwickelten Forschungsarbeit aktuelle und perspektivische Einsatzvarianten für Robotik entlang der gesamten „Food Supply Chain“. Die wesentlichen Aufgabengebiete, so die Referenten, sind neben der Ablösung manueller Vorgänge (besonders bei Gefährdung von Mensch und Produkt), das Ersetzen uneffektiver, aber auch die Übernahme bisher nicht vorhandener Arbeitsprozesse. Trendsetzend sind deshalb alle, im Detail recht unterschiedlichen, sehr anspruchsvollen, aber wirtschaftlich attraktiven Lösungen, wo verarbeitungstechnische Vorgänge wie Fügen, Dosieren, Trennen und Formen mit durch den Roboter geführte Arbeitsorgane flexibel, kombiniert und, oft verbunden mit innovativen Technologien (u. a. Ultraschall, Infrarotdioden, Laser), realisiert werden. Ein besonders hohes Potenzial beim erweiterten Einsatz von Robotik sehen die Experten in Lösungen mit manuellem und insbesondere automatischem Werkzeugwechsel, effektivem Energieeinsatz durch Minimierung der bewegten Massen und Optimierung der Bewegungsbahnen respektive Geschwindigkeits- und Beschleunigungswerten, gesicherten Leistungszusagen für alle dynamischen (bis stochastischen) Prozesse, in der Integrationsfähigkeit in vorhandene Prozesse und Verarbeitungslinien, in der Standardisierung nicht nur der Grundkinematik, sondern der peripheren Automatisierung sowie in der übergreifenden gemeinsamen Entwicklung für Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.

Informationssicherheit wird zur Achillesverse

Prozesse und Anlagen in der Lebensmittelindustrie sind schon seit Jahrzehnten digital automatisiert. Ist der Hype um „die Digitalisierung“ nur Schaumschlägerei? „Ja und nein“, meint Prof. Dr.-Ing. Peter Fröhlich (Technische Hochschule Deggendorf), „denn wenn man den Hype vor allem rund um Cloud-Computing abzieht, bleibt eine langfristige, tiefgreifende Veränderung der Prozesse durch die digitale Vernetzung im großen Maßstab und den Einsatz autonom agierender Algorithmen.“ Nicht nur die Anlagen sind automatisiert, sondern auch das Informationsmanagement auf höherer Ebene. Die Informationssicherheit wird daher zur Achillesverse einer gesamten Industrie. An konkreten Vorfällen stellte Dr. Fröhlich in seinem Vortrag Bedrohungen, Zusammenhänge und Auswirkungen zufälliger oder gezielter Angriffe auf die IT-Systeme in Produktionsanlagen dar. Er zeigte auf, dass Cybersecurity in automatisierten Anlagen eigenen Regeln folgt. Schließlich ist der Schutz geistigen Eigentums wie Rezepturen nur ein Aspekt von Security. Die Stabilität und Integrität der Prozesse kommen als kritische Faktoren hinzu. Unerkannte Manipulationen an Prozessen oder auch „nur“ an Track&Trace-Daten bergen gerade in der Lebensmittelindustrie ein hohes Risiko bis hin zur Gefahr für Leib und Leben und kaum zu beziffernde Reputationsschäden. Leider sind heutige Automatisierungssysteme nur unzureichend gegen manipulative Eingriffe geschützt und in der Regel auch nur schwer zu schützen, weil sie dafür nicht entwickelt wurden.

Führungskräfte in der Pflicht

Welche Rolle Führungskräften bei Digitalisierung und Industrie 4.0 zukommt, stand im Fokus des Vortrags von Michael Gebauer (vitalente oHG Personal- und Unternehmensberatung). Tenor seines Vortrages: Der Übergang zur Industrie 4.0 ist eine zentrale Führungsaufgabe. Aus der Umsetzungsgeschwindigkeit neuer Prozesse ergeben sich unterschiedliche Handlungsoptionen. Neben einer ausreichenden Qualifikation der Fachkräfte müssen Führungskräfte eine Kultur im Umgang mit Verantwortung und Fehlerkultur entwickeln. Denn der Mensch bleibt auch in Digitalisierungsprozessen die entscheidende Erfolgskonstante.

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